Gletscher des Großglockners
Das "Ewige Eis" ist sehr vergänglich

Rangerin Lilli Rieger zeigt den Gletscherschwund am Gletscher „Pasterze“ 2024 am Großglockner.
 | Foto: Wolfgang Duschl/KNA
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Der größte Gletscher des Großglockners schwindet rapide: Die Alpen sind stille Zeugen der Klimakrise. Der Sommerurlaub
in den Bergen kann zu einer eindrücklichen Lernerfahrung
werden – auch bei einem Lokalaugenschein an der Pasterze.

Wer sich in diesen Tagen in die Berge aufmacht, gerade in die höheren, kann direkt auf den Spuren des Klimawandels wandern. Etwa am Großglockner, dem mit 3.798 Metern höchsten Berg Österreichs. Die markante Spitze aus Gesteinen der Grünschieferfazies gehört zur Glocknergruppe, einer Bergkette im mittleren Teil der Hohen Tauern.

Wo man als Kind noch auf die Pasterze steigen konnte, den größten und längsten Gletscher der Ostalpen, den neuntgrößten der Alpen, da geht es heute 200 Meter hinunter in eine trockene Mulde. Die maximale Eisdicke wurde 1995 gemessen: 275 Meter. Seit 1850 ist die Gletscherzunge um mehr als 2,5 Kilometer zurückgewichen. Das Volumen der Gesamteismenge hat sich von 3,5 auf 1,77 Kubik-Kilometer nahezu halbiert.
Und Jahr für Jahr geht es schneller: In den vergangenen zehn Jahren waren Rückgänge von 100 Metern an einem einzigen Gletscher keine Seltenheit mehr. Die Nationalpark-Rangerin Lilli Rieger spricht es klar aus: „Die Gletscher sind zum Tode verurteilt“, sagt sie.

Ab 2010 ist aus dem Ewigen Eis der 48 Meter tiefe Pasterzensee entstanden.

Das heute noch sichtbare Gletschertor der Pasterze wird in 20 Jahren verschwunden sein. Ein deutlich erkennbarer riesiger Felszacken, der Kleine Burgstall (2.709 Meter) unterhalb des Johannisberges (3.460 Meter) im Glocknergebiet, war vor 120 Jahren noch mit Eis bedeckt. Heute ragt er mehrere 100 Meter an der Moräne auf.

Rieger erläutert die riesigen Masseverluste seit der Jahrtausendwende. Allein ab 2010 ist aus dem Ewigen Eis der 48 Meter tiefe Pasterzensee entstanden. 2023 war ein Jahr der Negativ-Rekorde – 200 Meter hat der Gletscher verloren. Klar, dass uns das alles sehr nachdenklich stimmt. Deshalb möchte die Mölltalerin mit ihren wöchentlichen Exkursen im Nationalpark Hohe Tauern mehr Bewusstsein schaffen.

Denn in den kommenden Jahren ist damit zu rechnen, ein Drittel der Alpengletscher komplett zu verlieren. Selbst wenn man es schaffen würde, 2026 alle Treibhausgas-Emissionen einzustellen, ist es wohl unmöglich, den Verlust zu bremsen. Macht der Mensch weiter wie bisher, haben die Eispanzer der Alpen keine Chance mehr: Fachleute rechnen damit, dass im Jahr 2100 alle Alpengletscher verschwunden sein könnten.
Das alles spiegelt sich sozusagen im Gletschersee, an dem Lilli Rieger mit ihrer Gruppe entlang steigt. Hinweistafeln künden vom Verlust, Jahr für Jahr, scheinbar unaufhaltsam. Dabei sind die Folgen weitreichend. Vom Wasser der Gletscher hängt viel ab. Allein von der Pasterze werden über eine elf Kilometer lange Leitung die Stauseen Mooserboden und Wasserfallboden auf 2.036 Metern Seehöhe bei Kaprun gespeist. In den mächtigen Staumauern, die das Wasser zurückhalten, wird das ganze Jahr über mittels Turbinen Strom produziert.

Pause auf dem Gletschereis. Die Rangerin blickt hinauf zu den Gipfeln. Wehmut macht sich breit. Aber auch ein mutiger Blick nach vorne. Rieger will, dass ihre Bergwelt erhalten bleibt. Deshalb führt sie Touren. Deshalb erläutert sie Zusammenhänge, zeigt Ursachen und Wirkung. Deshalb findet sie eindringliche Worte: damit auch die kommenden Generationen noch Gletschereis spüren können.
Wolfgang Duschl (KNA)

Rangerin Lilli Rieger zeigt den Gletscherschwund am Gletscher „Pasterze“ 2024 am Großglockner.
 | Foto: Wolfgang Duschl/KNA
Eine Hinweistafel am Pasterzensee zeigt die Entwicklung des Gletscherschwunds und markiert die Entstehung des Gletschersees im Jahr 2010. 
 | Foto: Wolfgang Duschl/KNA
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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