500. Geburtstag von Petrus Canisius
Mutiger Erneuerer in konfliktreichen Zeiten

Petrus Canisius. Gemälde im Rijksmuseum Amsterdam.
Trient war der Haupttagungsort eines Erneuerungskonzils, das mit Unterbrechungen von 1545 bis 1563 tagte.
  • Petrus Canisius. Gemälde im Rijksmuseum Amsterdam.
    Trient war der Haupttagungsort eines Erneuerungskonzils, das mit Unterbrechungen von 1545 bis 1563 tagte.
  • Foto: By Rijksmuseum - http://hdl.handle.net/10934/RM0001.COLLECT.10322, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83597765
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Das Jahr 2021 steht im Gedenken an den 500. Geburtstag des heiligen Petrus Canisius. Der erste deutsche Jesuit verstand sich als Missionar Deutschlands, der auch in Wien, Salzburg und Innsbruck lehrte und predigte. In der Diözese Innsbruck ist er auch Diözesanpatron. Zu seinem Vermächtnis gehört vor allem der Katechismus.

Das Geburtsjahr 1521 gibt bereits die Koordinaten vor, innerhalb derer sich sein ruheloses Leben bewegen wird: Es ist das Jahr, in welchem auf dem Reichstag zu Worms die Reichsacht über Martin Luther ausgesprochen wird und die Reformation in eine neue Phase tritt. Im selben Jahr wird bei der Verteidigung der Zitadelle von Pamplona ein baskischer Edelmann durch eine Kanonenkugel der Franzosen schwer verwundet, Inigo von Loyola – jener Ignatius, der 1534 den Jesuitenorden gründen wird.

Nimwegen (oder Nijmegen) gehörte damals zum Deutschen Reich. Peter de Hondt – latinisiert Petrus Canisius (lat. canis = Hund) – wurde am 8. Mai 1521 als ältester Sohn des Bürgermeisters, eines hoch angesehenen Juristen, geboren. Er zeigte früh Interesse an Heiligen und kirchlichen Zeremonien. Vor Gleichaltrigen führte er sich aber mit selbstgefälligem Gehabe auf. Das änderte sich, als ihn sein Vater 1535 an ein Gymnasium nach Köln, in das „rheinische Rom“, schickte. Besonders beeindruckte den Studenten ein niederländischer Priester, der seinen Schülern riet, täglich in den Evangelien zu lesen.

Peter sollte wie sein Vater Rechte studieren, doch bald schlug er eigene Wege ein. Kaum 20 Jahre alt, legte er im Vertrauen auf die Gnade Gottes das Gelübde ab, jungfräulich zu leben, „frei und froh und es hat mich niemals gereut“. Nun hätte ihm sein Vater zu einer Kölner Domherrenpfründe verholfen, doch Peter war drauf und dran, einem Freund in die Kölner Kartause zu folgen, wäre da nicht die Weissagung einer sehr frommen Witwe gewesen, er würde sich einem neugegründeten Orden anschließen. Ein solcher Orden war aber nicht in Sichtweite, vorerst jedenfalls.

Ende 1542 kam Peter Faber, einer der ersten Gefährten des Ignatius von Loyola, nach Mainz. Faber schickte einen seiner Begleiter, einen spanischen Jesuitenanwärter, zum Studium nach Köln. Von diesem jungen Priester, Alfonso Alvaro, hörte der Theologiestudent von dem erst 1540 durch den Papst bestätigten neuen Orden der Gesellschaft Jesu. Zu Ostern 1543 suchte Petrus Canisius den „Gottesmann“ Peter Faber in Mainz auf, um Klarheit über seinen Lebensweg zu gewinnen. Unter Fabers Anleitung machte er die 30-tägigen geistlichen Übungen des Ignatius, trat am 8. Mai 1543 in die Gesellschaft Jesu ein und wurde so zum ersten „deutschen“ Jesuiten.

Die erste Jesuitenniederlassung in Köln beherbergte 1544 bereits neun Theologiestudenten. Zugleich gerieten die Jesuiten ins Visier des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied, der sich nach den neuen Zeiten richtete und sein geistliches Territorium in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln gedachte. Mitten im Sommer wurde die Jesuitenniederlassung aufgelöst. Manche sprachen von einer Sekte, die sich bald auflösen würde. Petrus Canisius war zuversichtlich, dass sich die Lage bald zum Besseren ändern würde. Die jungen Männer kamen bei den Kartäusern unter, besuchten Arme und verrichteten soziale Dienste. Am Pfingstfest 1546 empfing Petrus Canisius die Priesterweihe. Schon davor hatte ihn Kaiser Karl nach Ulm gerufen, um nach einem Kirchensturm von Zwingli-Anhängern zu vermitteln.

Konzilsreformen und Katechismus

Das Konzil von Trient (1545-1563) sollte eine Antwort der katholischen Kirche auf die von deutschen Landen ausgegangene Reformation geben. Der Augsburger Kardinal Otto Truchseß von Waldburg nahm Petrus Canisius als persönlichen Berater nach Trient mit, doch kurz nach der Ankunft wurde die Kirchenversammlung nach Bologna verlegt und alsbald überhaupt vertagt. Nun berief ihn der Ordensobere, Ignatius, selbst nach Rom, um die Ordensspiritualität tiefer zu erfassen. Statt Predigten und Vorlesungen gehörten nun Hausarbeit und Krankenpflege zu seinen täglichen Aufgaben.

Rom war erst der Beginn unentwegter Reisen. Von Messina auf Sizilien als erster Station zieht sich ein Netz über große Teile Süd- und Mitteleuropas, etwa von Brixen über Wien, Krakau und Breslau nach Prag und Dillingen (1558), von Ancona bis Osnabrück, von Salzburg bis Freiburg. Allein die Strecken Augsburg – München und Augsburg – Innsbruck bzw. umgekehrt legte er je 24-mal zurück. Brennpunkt seines Wirkens war und blieb der Dienst an der Kirche Deutschlands. Das ging freilich über Landesgrenzen weit hinaus und umfasste Teile Belgiens ebenso wie Schlesien, Böhmen, Savoyen und die Schweiz.

Auf dem Konzil von Trient trat er 1562 kurz wieder in Erscheinung. Seine Analysen dienten dem Konzil und Rom als wichtige Grundlagen für die notwendigen Reformen. Sein wichtigster und zugleich niederschmetterndster Befund lautete: Den Menschen mangelt es an Bildung und an den grundlegenden Glaubensinformationen. Nur so konnte die Reformation solche Dimensionen annehmen. Wo immer sich Jesuiten niederließen, förderten sie die Bildung der Jugend, unterhielten Gymnasien und oft genug eigene Universitäten.

Von 1530 bis 1550 hatte es in Wien keine Priesterweihe gegeben, der Klerus war zutiefst verhasst. Da bestieg Petrus Canisius am 25. März 1552 zum ersten Mal die Kanzel in der ehemaligen Kirche St. Jakob. Anfangs kam nur eine Handvoll Zuhörer. Bald wurden es mehr, er musste übersiedeln, erst nach Maria am Gestade und schließlich in den Dom. König Ferdinand machte ihn zu seinem Hofprediger. Als 1553 Bischof Christoph Wertwein starb, war Canisius fast schon der logische Nachfolger, doch er winkte ab: Einerseits verbiete das die Ordensregel, andererseits weil ein Onkel Mitglied des Wiener Domkapitels war. Die Leute würden sonst sagen: „Diesen Bischof hat sein Onkel gemacht und nicht der Heilige Geist.“ Man konnte ihn aber dazu bewegen, die vakante Diözese ein Jahr lang zu leiten.

In Wien schrieb er auch sein Hauptwerk, dessentwegen sein Name über Jahrhunderte bekannt blieb: die „Summa doctrinae christianae“ (Zusammenfassung der christlichen Lehre), also den Katechismus – eine Antwort auf Luthers „Deutschen Katechismus“ (1529). Eine überarbeitete Fassung erschien 1566. Von protestantischer Seite wurde er dafür mit übelsten Schimpfwörtern bedacht, als „greulicher Gotteslästerer“ und „Papstesel“ abgekanzelt.
Als erstem Provinzial der Oberdeutschen Provinz schlug ihm bei der Gründung weiterer Niederlassungen häufig Misstrauen entgegen, auch von Katholiken. In Innsbruck, der Lieblingsstadt Kaiser Ferdinands I., wurde 1562 das Jesuitenkolleg mit Schule prunkvoll eröffnet. 1571 wurde Canisius Hofprediger in Innsbruck. Hier schrieb er auch seine „Confessiones“ (Bekenntnisse) – ein selbstbewusster Vergleich mit dem heiligen Augustinus.

Nach ordensinternen Querelen begab er sich 1580 nach Freiburg in der Schweiz, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Die Be­völkerung empfing ihn herzlichst, nachdem er und seine Begleiter auf dem Weg dorthin in Bern mit Steinen beworfen worden waren. Pet­rus Canisius starb am 21. Dezember 1597. Bemühungen um eine Seligsprechung versandeten nicht zuletzt wegen der Aufhebung des Jesuitenordens 1773. Erst 1864 erfolgte die Seligsprechung, 1925 die Heiligsprechung. Dass er vehement für die Verfolgung von Hexen eintrat, trübt aus heutiger Sicht das Bild des Heiligen.

Als Innsbruck 1964 selbstständige Diözese wurde, erwählte Bischof Paulus Rusch Petrus Canisius zum Diözesanpatron. In Innsbruck ist auch das von Jesuiten geführte „Canisianum“ beheimatet, in dem sich eine internationale Gemeinschaft von Studenten auf den Dienst in der Kirche vorbereitet. Schlager

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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