80 Jahre nach der Befreiung
„Auch von ihnen ist nur Asche geblieben“

Tova Friedman, die als Kind das KZ Auschwitz-Birkenau überlebte, bei der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung durch die Rote Armee an der Gedenkstätte im ehemaligen Vernichtungslager.
 | Foto: UDOVIC MARIN / AFP /  picturedesk.com
  • Tova Friedman, die als Kind das KZ Auschwitz-Birkenau überlebte, bei der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung durch die Rote Armee an der Gedenkstätte im ehemaligen Vernichtungslager.
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Vor 80 Jahren, am 27. Jänner 1945, befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Bei der Gedenkveranstaltung am Jahrestag im früheren Vernichtungslager blickten Zeitzeugen zurück – und warnten davor, Fehler zu wiederholen.

Kinder in Lumpen gehüllt, manche gingen barfuß durch den Schnee. Durch den Hunger waren ihre Körper zusammengeschrumpft. „Auch von ihnen ist nur Asche geblieben“, sagte die Überlebende Tova Friedman 80 Jahre nach der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz. „Ich dachte, man muss einfach sterben, wenn man ein jüdisches Kind ist“, so die heute 86-Jährige. Friedman überstand den Nazi-Terror und teilte wie einige andere Überlebende auch ihre berührenden Erinnerungen am Jahrestag der Befreiung bei der Gedenkveranstaltung im früheren Vernichtungslager. Neben Holocaust-Überlebenden waren auch zahlreiche Staatsoberhäupter zugegen. Die Gäste, darunter der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und König Charles III., waren in diesem Jahr besonders hochkarätig.

Die Überlebenden erzählten von ihren Erinnerungen und warnten auch vor neuen Bedrohungen. „Wir waren Opfer, wir haben die Verpflichtung zu warnen“, sagte die in Amerika als Therapeutin und Autorin lebende Tova Friedman. Es gebe einen „grassierenden Antisemitismus“, der sich unter den Nationen ausbreite, so Friedman. Auch der polnisch-jüdische Arzt Leon Weintraub warnte vor neuen Formen des Rassismus und appellierte an die jungen Menschen, tolerant und wachsam zu sein. Man dürfe die Fehler der 1930er-Jahre nicht wiederholen.

Die Zahl der in Auschwitz-
Birkenau Ermordeten wird
auf 1,1 bis 1,5 Millionen
Menschen geschätzt.

Auschwitz ist zum Synonym für die Schoah geworden, den Massenmord am jüdischen Volk durch die Nationalsozialisten. In dem größten deutschen Konzentrationslager nahe der polnischen Stadt Oswiecim wurden zwischen 1940 und 1945 weit über eine Million Menschen deportiert. Der überwiegende Teil waren Juden, dazu kamen etwa 140.000 Polen, Zehntausende Sinti und Roma sowie Tausende politische Häftlinge. Die Zahl der im KZ Auschwitz und vor allem im dazugehörigen Vernichtungslager Birkenau Ermordeten wird auf etwa 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen geschätzt.

Als sich die Rote Armee im Jänner 1945 dem Lager näherte, hatte die SS bereits versucht, die Spuren der Vernichtung zu beseitigen. Doch das misslang: Die Sowjets fanden unter dem Schnee nicht nur die Spuren der Krematorien, sondern auch noch sechs Warenlager, in denen sich die Habseligkeiten der Häftlinge stapelten: fast 350.000 Anzüge, 840.000 Frauenkleider – sowie Schuhe und Berge von Frauenhaar und Zahngold.
Anfang 1940 hatte der „Reichsführer SS“, Heinrich Himmler, in dem verkehrstechnisch gut angebundenen polnischen Städtchen Oswiecim ein Lager für polnische Widerstandskämpfer vorgesehen. Doch der Ehrgeiz deutscher Industrieller trieb die SS dazu, aus den Kasernen der polnischen Armee eine Rüstungszentrale aufzubauen: Die IG Farben wollte ihre Kunstkautschuk-Produktion durch ein neues Werk erhöhen. Für ein paar Mark pro Tag wurden die Häftlinge an die IG Farben „vermietet“. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion entstand im wenige Kilometer entfernten Birkenau ein eigenes Kriegsgefangenenlager, das für 100.000 Häftlinge vorgesehen war.

In den vollgepferchten Lagern starben die Menschen massenhaft an Typhus, Ruhr, Cholera, Misshandlungen und willkürlichen Tötungen. Zur Todesfabrik entwickelte sich Auschwitz endgültig ab Herbst 1941, als Hitler mit Blick auf den stockenden Russland-Feldzug und den absehbaren Kriegseintritt der USA immer neue Drohungen gegen die Juden ausstieß. Ab Juli 1942 wurde die „Selektion an der Rampe“ eingeführt. Direkt aus den Güterzügen wurden die zur Vernichtung ausgewählten Menschen in die Gaskammern geführt und mit Zyklon B ermordet. Zehntausende kamen noch im Jänner 1945 auf Todesmärschen ums Leben.

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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