Familie
Streit, der verbindet
- Eine wichtige Fähigkeit in der Paarbeziehung: sich nach einem Streit emotional zu fangen.
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Konflikte gehören zum Alltag einer Beziehung. Entscheidend ist, wie Paare mit Meinungsverschiedenheiten umgehen – und wie sie einen Streit beenden.
Er gehört zu (fast) jeder Beziehung einfach dazu: der Streit. Manchmal wird über alltägliche Dinge gestritten. Und manchmal stehen essenzielle Themen im Mittelpunkt. Doch auch wenn Konflikte zum Alltag einer Beziehung gehören, ist entscheidend, wie man damit umgeht. Denn Streit ist nicht gleich Streit.
Kompromiss als Lösung
Auch wenn Streit normal ist – eines ist wichtig: „Streit sollte nicht in einer Sackgasse enden, sondern in ein konstruktives Gespräch übergehen. Dafür ist es hilfreich, wenn einer oder beide Partner erkennen, dass sie gerade in einem destruktiven Streit stecken“, sagt Psychotherapeutin Sonja Reiter, die in Pyhra eine Praxis betreibt. Erst dann könne man bewusst die Entscheidung treffen, die Auseinandersetzung zu unterbrechen und in eine lösungsorientierte Kommunikation wechseln.
Oft sei es notwendig, zuerst einmal emotional abzukühlen, fügt Reiter hinzu. Starke Gefühle wie Wut, Angst oder Trauer erschweren es, klar zu denken und konstruktiv zu reden. Es gäbe verschiedene Techniken, die eigenen Emotionen zu beruhigen, und jeder brauche dafür etwas anderes: Einer geht spazieren, der andere meditiert und wieder ein anderer schreibt Tagebuch.
Erst wenn innere Ruhe einkehrt, kann ein Gespräch entstehen, das klärend wirkt. Das Paar sollte einander zuhören, ausreden lassen und nach Lösungen suchen. Auch ein Einblick in die eigene Gefühlswelt ist hilfreich, denn oft braucht der Partner das Wissen über die Gefühlswelt seines Gegenübers, um sein Verhalten ändern zu können. Anschließend sollte man reflektieren, was geschehen ist, und gemeinsam überlegen, wie man es beim nächsten Mal besser machen kann, erklärt Sonja Reiter. Die „perfekte“ Lösung gibt es oft nicht: Manchmal ist ein Kompromiss realistischer und hilfreicher. Ganz wichtig zum Schluss: die Versöhnung. Wird ein Streit positiv abgeschlossen, stärkt das die Bindung.
Strategien aus der Kindheit
Nicht immer gelingt es, einen Streit konstruktiv zu beenden. Laut der Psychotherapeutin gibt es zwei verschiedene Arten, wie Paare einen Streit beenden: nämlich durch erwachsene oder kindliche Strategien. Erwachsene Strategien zeigen sich darin, dass man bewusst in den Dialog geht, einander zuhört und respektvoll miteinander umgeht.
Kindliche Strategien hingegen laufen oft unbewusst ab: „Ein Beispiel ist die Vermeidung. Ein Partner zieht sich zurück, verlässt wortlos den Raum oder schweigt tagelang, ohne dass der Konflikt geklärt wird. Eine andere Variante ist die Überkompensation: Hier wird immer wieder mit Schuldzuweisungen gearbeitet. Solche Reaktionen dienen meist dazu, die eigene Unsicherheit oder Verletzung zu überdecken, lösen das Problem aber nicht“, erklärt die Expertin. Wird ein Streit in diesem kindlichen Modus beendet, bleibt er ungelöst und taucht später erneut auf.
Sich selbst hinterfragen
Sich selbst in diesen Momenten zu hinterfragen, hilft: „Handle ich gerade im Erwachsenenmodus oder im kindlichen Modus?“ Die Art und Weise, wie man einen Streit beendet, kann sich auf die Beziehung auswirken: „Eine stabile Beziehung lebt von Kommunikation im Erwachsenenmodus. Dazu gehören: zuhören, verstehen, Bedürfnisse wahrnehmen und gemeinsame Lösungen entwickeln. Werden Konflikte destruktiv beendet, entstehen Gefühle von Wut, Trauer oder Entfremdung.“ Sonja Reiter erlebt in ihrer Arbeit mit Paaren häufig, dass sich über Jahre hinweg ungesunde Streit- und Kommunikationsmuster verfestigten, die in heftigen Eskalationen enden.
Streit ist also meist unvermeidlich – wie er beendet wird, entscheidet darüber, ob er die Beziehung schwächt oder am Ende sogar stärkt.
Daniela Rittmannsberger-Kampel
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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