Schulbeginn, neuer Job...: Übergänge gestalten
An der Schwelle zu etwas Neuem

Gesegnet werden an der Schwelle in eine neue Zeit: Weihbischof Anton Leichtfried segnet eine Familie vor dem Schulbeginn beim Segens-Gottesdienst im St. Pöltner Dom.  | Foto: Matthias Weichhart
  • Gesegnet werden an der Schwelle in eine neue Zeit: Weihbischof Anton Leichtfried segnet eine Familie vor dem Schulbeginn beim Segens-Gottesdienst im St. Pöltner Dom.
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Erwachsene haben im Laufe des Lebens gelernt, mit Übergängen wie Umzug oder neuem Job zurechtzukommen. Unsere Kinder haben diese Erfahrung nicht und sind z. B. mit dem Schulbeginn gefordert.

Vom Kindergarten in die Schule, von der Schule in die Arbeitswelt, von einem Job in einen anderen, von der Ehe ins Witwensein oder von der eigenen Wohnung ins Pflegeheim – das Leben wartet mit vielen Wendungen und Übergängen auf. Sie sind immer eine Herausforderung, und für Kinder ganz besonders.
Der französische Anthropologe Arnold van Gennep beobachtete drei Phasen bei Übergängen im Leben: zunächst die Phase der Ablösung (Separation), dann die besonders für Krisen anfällige Zwischenphase und abschließend die Integrationsphase, in der sich der Mensch in der neuen Situation vorfindet. Jede dieser Phasen muss in – manchmal schmerzlichen – Lernprozessen bewältigt werden, bringt aber auch Chancen mit sich. Wenn ein Kind z. B. lernt, Gefühle wie Angst und Unsicherheit auszuhalten und zu bewältigen, entsteht Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein wird gestärkt. Das Schulkind gewinnt im Vergleich zum Kindergartenkind eine neue, unabhängigere Identität, neue Freundschaften können entstehen.

Die Ablösung vom Kindergarten wurde wahrscheinlich schon vor den Sommerferien gestaltet, indem ein Abschieds- oder Übernachtungsfest gefeiert wurde. Die Sommerferien bilden dann eine Zwischenphase: ein undefinierbares „Zwischen“, in dem der Abschied noch nicht vollzogen und das Neue noch nicht vorhanden ist. Ängste können hier auftauchen ebenso wie eine große, vielleicht zu idealistische Vorfreude. Unsicherheit, Angst, Aggression, Trauer oder Unruhe sollten nicht bagatellisiert („Du solltest dich doch freuen!“), sondern akzeptiert und aufgegriffen werden. Das Kind braucht jetzt vielleicht besondere Fürsorge, Antworten auf seine Fragen oder mehr Körperkontakt.

Es hilft, eine Kontinuität auf
anderer Ebene herzustellen.

Die erste Schultasche wird befüllt, der Schulweg wird geübt – das kann Sicherheit schaffen. Die Kinder spielen gerne Rollen-Spiele, um sich auf die Situation vorzubereiten, und die Schultüte versüßt vielen den Übergang. Das Segnen der Schulkinder am ersten Schultag wird von vielen als besonderer Schutz erlebt. Es kann außerdem helfen, in der aktuellen Diskontinuität eine Kontinuität auf einer anderen Ebene herzustellen, z. B. durch ein geliebtes Stofftier in der Schultasche.

Es braucht Zeit und Geduld, sich an die neue Situation zu gewöhnen, und vor allem einen positiven Blick auf die neuen Gegebenheiten: die neue Selbständigkeit, die liebe Lehrerin, nette Klassenkameraden, die schönen Buntstifte. Und der Blick zurück wird zeigen: Gelungene Übergänge machen stark fürs Leben! PH

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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