Priester aus Polen und Uganda erzählen:
Erntedank in fremden Ländern

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Andere Länder, andere Sitten – so auch zu Erntedank. Sind die polnischen Bräuche denen der österreichischen sehr ähnlich, feiert man in Uganda jedoch komplett anders. Eines haben sie aber gemeinsam: Gott für seine Gaben zu danken.
von Carina Müller

Meist einmal im Jahr finden sich alle Christinnen und Christen rund um die Welt in ihren Pfarren zusammen, um das Erntedankfest zu feiern. Man dankt Gott für all die Gaben, die er uns dieses Jahr über schenkte. In Österreich werden die Erntedankfeste von den Pfarren organisiert und an einem Sonntag im September oder im Oktober gefeiert. In den herbstlich geschmückten Kirchen wird ein großer Festgottesdienst mit Segnung der verschiedenen Erntegaben gefeiert, – oft werden diese Feieren musikalisch von Kindergartenkindern oder Schülerinnen und Schülern umrahmt. In manchen Pfarren findet auch ein Umzug mit der Erntekrone, Tanz und Musik statt. Zum Abschluss der Festlichkeiten wird vom örtlichen Pfarrer zur Agape geladen.
Doch Erntedank wird nicht nur hier in Österreich, sondern in vielen anderen Ländern rund um die Welt gefeiert. So auch in Uganda und in Polen.

Gemeinsam das Brot teilen
In Polen sind die Feierlichkeiten denen in Österreich ähnlich. In den festlich geschmückten Kirchen werden Festgottesdienste gehalten, es finden Umzüge statt, und die Erntekrone ist ein fester Bestandteil der Feste. Aber nicht alles gleicht den Erntedankfesten in Österreich: „In der Region, aus der ich stamme, ist es üblich, dass jedes Jahr ein anderes Dorf der Pfarre die Erntekrone vorbereitet. Meist findet vor der heiligen Messe ein Umzug mit dieser statt. Den Gottesdienst feiern die Gläubigen anschließend mit unterschiedlichen Gruppen aus der Umgebung, wie z. B. den Imkern oder den ‚kolo gospodyn wiejskich‘, was wörtlich übersetzt so viel wie ‚Kreis der ländlichen Hausfrauen‘ bedeutet. Viele Gläubige bereiten auch Brot, Blumen und Körbe mit Obst und Gemüse vor und bringen diese in die Kirche mit. Das Brot wird nach der Messe aufgeschnitten und untereinander geteilt. Gesammelt wird an diesem Tag oft für die Pfarre, um zukünftige Ziele zu erreichen. Dieses Jahr hat man Geld für den Austausch der Fenster gesammelt“, erzählt Kaplan Grzegorz Rapala über die Erfahrungen in seiner Heimatpfarre Zloczew.

Ein Fest für alle
Bei der Organisation und der Gestaltung der Feste gehen Pfarre und Gemeinde bzw. Bezirk Hand in Hand: „Oft organisiert die Pfarre gemeinsam mit der Gemeinde oder, wenn es eine große Pfarre ist, mit dem Bezirk ein Erntedankfest in einer Stadt. Nach der heiligen Messe organisiert die Gemeinde bzw. der Bezirk ein großes Fest für das ganze Volk. Es wird zusammen gegessen und ausgiebig gefeiert. Regionale Chöre, Tanzgruppen oder Musikanten werden eingeladen und feiern zusammen mit den Gläubigen. Auch für die Kinder wird immer etwas vorbereitet, z. B. ein Spielplatz“, so Kaplan Rapala.

Gott etwas zurückgeben
In Uganda gibt es zwei Haupternten – eine im Februar und eine im Juli/August. So wird in jeder Kirche zwar nur einmal im Jahr Erntedank gefeiert, jedoch kann der Pfarrer die Feiern dieses Festes zwischen diesen Monaten aufteilen. Hat eine Pfarre also beispielsweise einige Filialkirchen, könnten ein paar im Februar und ein paar im Juli/August zur Feststätte des Erntedankfestes werden. In Uganda wird aber nicht nur für die reiche Ernte gedankt, sondern für alles, was Gott gegeben hat. Provisor in St. Theresia und Welzenegg, Charles Lwanga Mubiru, erzählt: „Die Menschen kommen wie hier in Österreich in die Kirche, um zu danken, – es werden auch Symbole der Ernte aufbereitet. In meiner Heimatpfarre bringt aber jede Familie auch das, was sie an diesem Tag ‚geerntet‘ hat, mit. Ich spreche vom Bauer, aber auch vom Geschäftsmann, der Zucker oder Salz aus seinem Geschäft mitbringt. Wenn jemand z. B. Schreiber ist, bringt er etwas mit, das er in seiner Arbeit gefertigt hat. Die Leute bringen so etwas zurück, was Gott ihnen gegeben hat, – das ist der Gedanke dahinter. So kommt auch vieles zusammen – Bohnen, Mais, Kaffee, Tiere und noch viel mehr. Alles das wird nach der Messe verkauft, – das Geld kommt den Arbeiten und der Entwicklung der Pfarre zu Gute.“
Auch die Messe wird anders gefeiert als in Österreich und dauert mindestens zwei Stunden lang: „Wenn ich in Uganda eine Messe feiern würde, die beispielsweise nur 40 Minuten dauert, verstehen das die Leute nicht. Sie wollen Gott loben und ihre Freude ausdrücken. In unserer Kultur glauben wir, dass der Mensch nicht nur Geist oder Seele, sondern auch Körper ist. Wenn wir Gott loben oder danken, muss ich das als ganzer Mensch tun. Deswegen darf ich auch während der Messe tanzen, klatschen und singen“, erklärt Provisor Mubiru.

Ein Fest mit Tanz und Trommel
Nach dem Gottesdienst wird den ganzen Nachmittag hindurch gefeiert. Es ist ein Fest für alle und wird von den Mitgliedern der Pfarre selbst organisiert und auch jeder hilft mit. Es wird gekocht und gemeinsam gegessen. Als Hauptspeise gibt es oft Kochbananen. Aber auch Kartoffel, Süßkartoffel, Gemüse oder Fleisch wie Huhn, Rind oder Schwein werden serviert.
Nach dem Essen wird erst so richtig mit dem Feiern angefangen: „Die Menschen in den Dörfern sind voller Freude. Das Tanzen gehört bei uns dazu, – es wird getrommelt und getanzt. Ich stamme vom Volk der ‚Baganda‘, wir tanzen bei unseren Festen traditionell den ‚Kiganda Dance‘“, erzählt Provisor Mubiru.
Eines aber haben alle Erntedankfeste gemein – „Die Gemeinsamkeit ist die Danksagung“, so Mubiru, „Gott zu danken für die reiche Ernte in diesem Jahr.“

Autor:

Gerald Heschl aus Kärnten | Sonntag

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