Glaubenszeugnis
Ich bin nicht das Zentrum der Welt

Anni van den Nest setzt sich mit Herz und Seele für ihre Mitmenschen ein: „Alle Menschen haben ein Recht auf ein gutes Leben!“, sagt sie.
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  • Anni van den Nest setzt sich mit Herz und Seele für ihre Mitmenschen ein: „Alle Menschen haben ein Recht auf ein gutes Leben!“, sagt sie.
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Die Korneuburgerin Anni Van den Nest hat schon in ihrem Elternhaus gelernt: Wenn ich glaube, muss ich mich engagieren und meine Talente in die Welt einbringen.

Mit 26 Jahren hat Anni Van den Nest begonnen, bei der Katholischen Frauenbewegung zu arbeiten. Heute ist sie in Pension. Und weiterhin ehrenamtlich dabei.

  • Frau Van den Nest, Sie waren lange Zeit bei der Katholischen Frauenbewegung beruflich tätig. Wie hat diese Tätigkeit Ihr Leben und Ihren Glauben beeinflusst?

In der Katholischen Frauenbewegung habe ich eine Gemeinschaft von Frauen gefunden, die die Dinge hinterfragen, die neue Formen des Miteinander-Lebens und Feierns suchen, die sich für Frauenrechte einsetzen und sich entwicklungspolitisch engagieren. Dort habe ich angedockt und fühle ich mich aufgehoben in jeglicher Hinsicht. Dazu kam der Kontakt mit den Projektpartnerinnen vom Familienfasttag.

Ich war in Indien und Nicaragua – das hat mich sehr geprägt. Ich habe gesehen, wie klein wir sind, wie unverdient privilegiert wir hier sind und wie ungerecht die Welt gestaltet ist. Deswegen engagiere ich mich auch nach meiner Pensionierung für den Familienfasttag. Und mein Glaube ist schlanker geworden.

  • Wie meinen Sie das?

Ich konzentriere mich auf das Wesentliche, den Kern meines Glaubens: Dass ich einen Auftrag habe, dass ich nicht das Zentrum der Welt bin, sondern dass es darum geht, die Gemeinschaft zu gestalten und die Benachteiligten zu stärken.

  • Glaube und Engagement gehören für Sie zusammen…

Damit bin ich groß geworden. Schon meine Eltern haben mir vorgelebt, dass man die Verantwortung hat, sich einzubringen. Wenn ich glaube, muss ich mich engagieren, muss ich meine Talente für diese Welt einsetzen.

  • Sie haben 2015 geholfen, als die Erzdiözese Wien Flüchtlinge am Stephansplatz aufgenommen und betreut hat. Daraus ist eine Freundschaft entstanden.

Das Flüchtlingsthema beschäftigt mich sehr. Ich bin gelernte Sozialarbeiterin und weiß aus Erfahrung, dass Asylwerbende in unserer Gesellschaft die Letzten sind.

Am Stephansplatz waren damals junge Männer untergebracht und mit einem davon, Fawad aus Afghanistan, ist ein intensiverer Kontakt entstanden. Ursprünglich wollten wir einen unbegleiteten Flüchtling begleiten, und dann ist uns Fawad zugefallen. Er ist zu einem Familienmitglied geworden. Mittlerweile ist auch seine Frau in Österreich. Wir, unsere ganze Familie, versuchen die beiden zu unterstützen. Ich bin dabei vor allem für die Behördendinge zuständig.

  • Wenn Sie auf Fawad und seine Geschichte schauen: Was bewegt Sie dabei am meisten?

Ich habe gemerkt, wie schwierig es sein muss, aus dem eigenen Land weg zu gehen und in einer fremden Gesellschaft Fuß zu fassen. Für Fawad und seine Frau ist es nicht einfach, mitzubekommen, was in ihrer Heimat geschieht. Hier hat Fawad eine Lehre gemacht. Er hat zum Glück einen starken Willen und viel Humor. Es ist erstaunlich, was er alles schon erreicht hat. Dafür braucht es aber viel Unterstützung, es braucht ein Dazugehören, ein Aufgenommensein – das ist das Wesentliche. Und trotzdem ist es schwer genug.

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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