Glaubenszeugnis
„Ein Ordensmann geht nicht in Pension“

Beim Deutschen Orden in Wien hat Frater Ingenuin ein „wunderschönes Plätzchen“ gefunden. Jetzt freut er sich auf das Ordensleben in Südtirol. | Foto: Stefan Hauser
  • Beim Deutschen Orden in Wien hat Frater Ingenuin ein „wunderschönes Plätzchen“ gefunden. Jetzt freut er sich auf das Ordensleben in Südtirol.
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Frater Ingenuin Unterhofer trat 19-jährig in Südtirol in den Deutschen Orden ein. Über fünf Jahrzehnte wirkte er im Deutschordenshaus im 1. Bezirk. Jetzt kehrt er in den Konvent nach Südtirol zurück.

Im Deutschordenshaus hat Bruder Ingenuin im Museum, im Sekretariat und in der Sakristei der Deutschordenskirche gearbeitet.

Frater Ingenuin, Sie gehen in Kürze in Pension …
Nein, nein, die Pension ist im Orden kein Thema, als Ordensmann geht man nicht in Pension. Es steht aber eine Veränderung an: Ich wechsle den Ort und werde in meine Heimat Südtirol, in unseren Konvent in Lana bei Meran, zurückkehren.

Welche Aufgaben übernehmen Sie dort?
Die Mitbrüder dort sind alle schon sehr alt. Ich bin zwar auch nicht mehr so jung, aber noch arbeitsfähig und agil. Ich werde in unserem großen Provinzhaus in Lana den Pfortendienst übernehmen.

Nicht weit des Klosters in Südtirol sind Sie aufgewachsen, Sie sind vor über 60 Jahren auch in genau dieses Kloster in den Deutschen Orden eingetreten. Wie ist es, nach so vielen Jahren in Ihre Heimat zurückzukehren?
Ich freue mich. Ich habe eine große Verwandtschaft in Südtirol und fühle mich auch in Lana sehr zu Hause.

Sie waren erst 19 Jahre, als Sie sich für ein Leben als Ordensmann entschieden haben. Wollten Sie immer schon ins Kloster gehen?
Es wäre übertrieben, wenn ich sagte, dass ich von klein auf in einen Orden gehen wollte. Aber schon bald habe ich mich für die Mission begeistert und wollte eigentlich Missionar werden. Hätte mich damals ein Missionar angesprochen und eingeladen, wäre ich wohl gleich mitgegangen. Es kam aber anders: Ich habe einen Mitbruder aus dem Deutschen Orden aus meiner Heimat im Zug getroffen, der mich eingeladen hat, mir den Orden anzuschauen. Das habe ich gemacht und mich gleich nach einer Woche entschieden, einzutreten.

Inwiefern hat es auch Nachteile? Was hat Ihre Familie dazu gesagt?
Ich komme aus einem sehr gläubigen Elternhaus mit 13 Kindern. Der geistige Stand wurde dort immer sehr hochgeschätzt. Meine Eltern haben meine Entscheidung sehr positiv aufgenommen.

Von Südtirol nach Wien: War das damals eine große Umstellung?

Ich war jung und voller Energie, wollte die Welt erobern, als man mich gefragt hat, ob ich nach Wien möchte. Und hier hatte ich ein wunderschönes Plätzchen: Meine Wohnung im Erdgeschoss im Deutschordenshaus, Essen und Gebet im 2. Stock. Hier habe ich viele Menschen empfangen, Südtiroler Spezialitäten für sie gekocht, mit ihnen Karten gespielt. Mit Bruder Josef von den nahen Franziskanern zum Beispiel habe ich mich oft getroffen. Wir verstehen uns bestens.

Was ist Ihnen im Ordensleben besonders wichtig?
Die Gemeinschaft mit den Ordensbrüdern. Dass diese funktioniert, ist äußerst wichtig. Wenn junge Menschen sehen, wie Ordensleute zusammenleben, kann das ein Ansporn für sie sein, diesen Weg zu wählen.

„Wenn junge Menschen sehen, wie Ordensleute zusammenleben, kann das ein Ansporn für sie sein, diesen Weg zu wählen.“
Frater Ingenuin Unterhofer

Die Gemeinschaft der Brüder in Lana war auch für mich ausschlaggebend dafür, dass ich mich für das Ordensleben entschieden habe. Ich habe im Laufe meines Ordenslebens keine größeren Konflikte in der Ordensgemeinschaft erlebt, muss aber dazu sagen, dass ich durch meine vielen Geschwister sehr abgerundet worden bin.

Nähere Informationen zum Deutschen Orden:deutscher-orden.at

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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