Meinung
Ein olympischer Gedanke

Mehr als zwei Wochen lang wurden in 339 Sportentscheidungen in Japan (Tokyo) Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen an die erfolgreichsten Sportlerinnen und Sportler unterschiedlichster Disziplinen vergeben. Nun ist das olympische Feuer seit wenigen Tagen erloschen und wartet darauf, für die nächsten Spiele in Paris (2024) neu entfacht zu werden.

Sportbegeisterung (nebst Sportindustrie und Sportmarketing, Doping, etc.) hin oder her – zumindest für eine Zeit lang war ersichtlich, wie Menschen von unterschiedlichen Kontinenten und aus unterschiedlichen Kulturen sich einer Idee gemeinsam verschreiben und sich olympischen Idealen unterordnen: Citius, altius, fortius (Schneller, höher, stärker). Dieses lateinische Motto der Olympischen Spiele geht auf den Dominikaner Henri Didon zurück. Bei einem Schülersportfest 1891 kam es bereits zur Anwendung. Und bei dieser Veranstaltung war Pierre de Coubertin, zentraler Mitbegründer der neuzeitlichen Olympischen Spiele, als Wettkampfleiter mit dabei.

Der Sport zeigt es vor: Große Teile der Welt sind allem Weltpessimismus zum Trotz dazu in der Lage, sich in gemeinschaftlicher Art und Weise zu organisieren, zu koexistieren und sich dennoch untereinander unter einem – mehr oder weniger – klaren Regelwerk zu messen. Das Besondere dabei: Es ist für alle Platz und selbst ein Kriegsgebiet wie Syrien ist heuer im „Medaillenspiegel“ zu finden.

Was aus sportlicher Perspektive möglich ist, scheint aus politischer Perspektive unmachbar zu sein. Dabei gäbe es viele globale Themen, die keineswegs nur Einzelstaaten betreffen: Ernährung, Friede, Gerechtigkeit, Umwelt, etc. Warum? Für internationale politische Lösungsansätze gibt es keine Medaillen. Und das sportliche Motto schneller-höher-stärker scheint auf einen ersten Blick kein unmittelbarer Beitrag dafür zu sein, diese und andere Herausforderungen zu meistern. Vielleicht handelt es sich bei schneller-höher-stärker aus politischer und ökonomischer Sicht eher um das Problem.

Autor:

Wolfgang Linhart aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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