40 Jahre Medjugorje
Wo Menschen ihr Leben radikal ändern

Medjugorje: Gebet und Beichte prägen das Dorf südwestlich von Sarajevo.
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  • Medjugorje: Gebet und Beichte prägen das Dorf südwestlich von Sarajevo.
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Vor vierzig Jahren begannen die Erscheinungen in Medjugorje.

Der SONNTAG sprach mit Maria Stelzer und Dechant Stefan Reuffurth, die durch die Botschaft von Medjugorje tiefe Glaubenserfahrungen gemacht haben.

Maria Stelzer, eine gebürtige Kroatin aus Bosnien-Herzegowina, kommt aus der Pfarre Medjugorje, wie sie im Gespräch mit dem SONNTAG erzählt. Sie ist mit einem Österreicher verheiratet, den sie in Medjugorje kennengelernt hat, und lebt jetzt mit ihm und den vier Töchtern in Wien.

Maria Stelzer
wuchs in Medjugorje auf und kennt die Seherkinder von Jugend an.

1981 war Stelzer 15 Jahre alt, wie auch die meisten Seherkinder, als in der kommunistischen Ära im damaligen Jugoslawien sechs Jugendliche erzählten, dass sie am Nachmittag des 24. Juni 1981 die Muttergottes gesehen hätten.

„Die Botschaft der Muttergottes war einfach und klar“, sagt Stelzer: „Sie möchte, dass wir uns versöhnen. Sie bittet um Versöhnung der Menschen untereinander und mit Gott.“ Anders formuliert, so Stelzer: „Die Muttergottes kommt, damit wir uns unser Leben ändern.“

Die Botschaft von Medjugorje bringt sie so auf den Punkt: „Die Muttergottes ist gekommen als Königin des Friedens. Das ist ihr Name in Medjugorje. Und sie hat uns den Weg zu diesem Frieden gezeigt. Eigentlich ist es die Bekehrung zu Gott, zum christlichen Leben. Es handelt sich um keine Endzeit-Botschaft, sondern darum, dass wir als Christen fröhlich und glücklich werden.“

Charakteristisch für Medjugorje seien bis heute die Eucharistische Anbetung und die Beichte. Medjugorje hat Stelzer „ein ganz neues Gottesbild“ geschenkt. „Die Muttergottes möchte, dass unsere Beziehung zu Gott auch eine liebende Beziehung wird.“ Die vielen geistlichen Berufungen und die vielen Berufungen zur christlichen Ehe führt Stelzer darauf zurück, dass die Menschen „einfach Antwort geben auf das, was sie erlebt haben, was ihnen geschenkt wurde“.

Zu den Früchten von Medjugorje zähle, dass „viele Menschen, die nach Medjugorje gekommen sind, angefangen haben, ihr Leben zu ändern. Sie haben angefangen zu beten und sie haben auch gehandelt und geholfen, wenn wo zu helfen war. Sie sind einfach hellhörig geworden für die Nöte der Menschen in unserem Land, auf verschiedenste Art und Weise.“ Stelzer: „Die Menschen, die nach Medjugorje gekommen sind und kommen, haben diese Liebe Gottes erfahren, und sie haben auch die Liebe zur Kirche wiederentdeckt.“

Die Liebe zur Kirche wiederentdecken

Stefan Reuffurth, ein gebürtiger Deutscher, heute Dechant des Dekanats Wien 13 und Pfarrer in Unter St. Veit-Zum Guten Hirten und St. Hemma, ist 1989 nach Österreich gekommen. Damals war er getaufter evangelischer Christ, aber nicht praktizierend. Aus reiner Neugier fuhr er mit 17 Jahren mit einem Freund und dessen Familie im Oktober 1987 nach Medjugorje.

Dechant Stefan Reuffurth
erlebte in Medjugorje eine neue Erfahrung von Kirche.

Er sah in Medjugorje eine alte kroatische Frau, die im strömenden Regen barfuß gegangen ist und den Rosenkranz gebetet hat. „Das hat mich sehr berührt“, erzählt Reuffurth dem SONNTAG: „Das hat in mir gearbeitet. Die ganze Zeit in Medjugorje war wirklich eine Erfahrung, die mich zum Christen gemacht hat.“

Reuffurth: „Ich habe hier Kirche erlebt, eine betende Kirche, Menschen aus aller Herren Länder unterschiedlicher, sozialer Stellung, vom Universitätsprofessor über einen Bankmanager bis hin zur alten kroatischen Bäuerin. Und alle haben gemeinsam gebetet, Eucharistie gefeiert, sind beichten gegangen und es war eine unglaubliche Freude und ein großer Friede, den ich dort erfahren habe. Also eine ganz tolle Erfahrung von Kirche.“

In Reuffurth ist langsam die Berufung zum Priestertum gereift. Die Botschaft von Medjugorje fast er so zusammen: „Es geht um den inneren Frieden, der aus der rechten Beziehung zu Gott und zu den Menschen kommt. Deshalb ist auch die Beichte dort so wichtig, also die Möglichkeit, zu diesem Frieden zu kommen, in die rechte Beziehung mit Gott und zum Nächsten zu kommen, auch zu sich selbst.“

  • Warum in Medjugorje nachhaltige Bekehrungen und eine totale Neuausrichtung des Lebens auf Gott hin gleichsam auf der Tagesordnung stehen?

Reuffurth: „Im Beichtstuhl in Medjugorje habe ich immer wieder einen tiefen, echten Willen zur Umkehr erlebt. Ich glaube, dass die Menschen sich angenommen fühlen, so wie sie sind. Und sie spüren, dass sie in ihrem Leben etwas ändern müssen, aber nicht in der Weise, dass ihnen jemand den Zeigefinger ins Gesicht steckt und ihnen Vorwürfe macht, sondern weil sie die Liebe spüren, die Liebe Gottes und die Liebe der Mutter Jesu.“

Hier könne unsere Kirche „etwas neu lernen“, jenseits aller Strategien und Pläne, ist Reuffurth überzeugt: „Man kann als Priester in Medjugorje keinen Meter gehen, ohne dass einen jemand anspricht. Die Menschen wollen beichten, sie wollen einen Segen haben, sie wollen ein spirituelles Gespräch haben. Die wollen einfach mal jemanden haben, der ihnen zuhört. Sie bitten um das Gebet für jemanden.“ Er könne „jedem Priester in einer Krise“ nur empfehlen, nach Medjugorje zu fahren. „Er wird dort sein Priestertum neu entdecken“, betont der Dechant: „Und ich kann mir vorstellen, dass auch viele junge Menschen dort ihre Berufung erfahren, weil sie spüren, wie wunderbar das ist, dass man ein Teil der großen Kirche sein darf und und mitwirken, mithelfen darf.“

Die „Früchte von Medjugorje“ für die Kirche in Österreich fasst Reuffurth so zusammen: „Da gibt es zahlreiche geistliche Berufungen und Berufungen zum Eheleben. Es gibt Gebetsgruppen, es gibt das wunderbare Friedensgebet, einmal jährlich im September, wo der Stephansdom gesteckt voll ist. Es gibt Wallfahrten von verschiedenen Pfarren und Gemeinschaften nach Medjugorje. Und es gibt vor allem viele Menschen, die ihr Christsein wirklich sehr, sehr ernst nehmen, seitdem sie in Medjugorje gewesen sind.“

Den Umstand, dass der Vatikan die Ereignisse in Medjugorje schon so lange prüft, sieht Reuffurth eher nüchtern: „Es ist so wunderbar, dass die Muttergottes in Medjugorje so oft erscheint und das bis heute. Aber gerade dadurch ist es für die Kirche auch schwierig, jetzt schon eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Denn solange die Erscheinungen anhalten und solange die Botschaften kommen, kann die Kirche noch kein endgültiges Urteil fällen. Die Erscheinungen müssen also wohl erst einmal abgeschlossen sein, damit eine endgültige Beurteilung möglich ist, weil die Kirche in diesem Punkt sicher gehen möchte.“

14. Friedensgebet
am 14. September von
16 bis 21 Uhr im Stephansdom.
Mit Kardinal Christoph Schönborn und Marija Pavlovic-Lunetti aus Medjugorje. friedensgebet.at

Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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