Corona und die Kirche
Kultusministerin Raab: „Gottesdienste werden anders“

Bischofsvikar und Weihbischof Stephan Turnovszky hielt in Kleinschweinbarth bei der Marienstatue am Fatima-Berg eine Maiandacht.
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  • Bischofsvikar und Weihbischof Stephan Turnovszky hielt in Kleinschweinbarth bei der Marienstatue am Fatima-Berg eine Maiandacht.
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Anlässlich der Gottesdienst-Öffnung am 15. Mai haben wir Kultusministerin Susanne Raab (ÖVP) zu den Hintergründen befragt.

Viele Menschen freuen sich auf die Gottesdienste. Doch angesichts der weiterhin starken Einschränkungen fragen viele in der Kirche: Wie lange wird das jetzt auf diesem Niveau bleiben?

Bundesministerin Susanne Raab
MMag. Dr. Susanne Raab ist Bundesministerin im Bundeskanzleramt. Die in Vöcklabruck geborene Juristin ist unter anderem für Frauenfragen, Kultus- und Integrationsthemen zuständig.

Susanne Raab: Als Kultusministerin war es mir in enger Abstimmung mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften wichtig, dass wir nun mit 15. Mai die Wiederaufnahme von Gottesdiensten ermöglichen. Das ist mit der aktuellen Vereinbarung gelungen: Durch Abstandhalten, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, eine Höchstanzahl von Gläubigen im Gotteshaus und mit einer regelmäßigen Desinfektion der verwendeten Flächen soll das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus so weit wie möglich minimiert werden.

Die Gottesdienste werden nun zwar anders sein, als wir es gewöhnt sind. Aber diese Maßnahmen sind notwendig, um uns als Gesellschaft und unsere Nächsten zu schützen.

Als Sie mit Kardinal Schönborn die Grundregeln zur Gottesdienst-Öffnung bekanntgaben, war von 20 Quadratmetern Platz pro Person die Rede, wenige Tage später waren es zehn. Wie kam es zu dieser Halbierung – in so kurzer Zeit?

Die Bundesregierung evaluiert die Situation in Österreich laufend und geht bei den Lockerungen schrittweise vor. Sie erfolgen im Allgemeinen im Zwei-Wochen-Rhythmus, um auf die Entwicklung der Infektionszahlen auch reagieren zu können. Bei der Wiederaufnahme der Gottesdienste war es uns wichtig, dass es eine Vereinfachung parallel zu anderen Lockerungen gibt. Damit können nun mehr Gläubige an den Gottesdiensten teilnehmen, aber zugleich kann trotzdem der Schutz der Menschen gewährleistet werden.

Von manchen Kreisen in der Kirche wird den Bischöfen unterstellt, sie hätten bei den Gottesdiensteinschränkungen zu wenig offensiv die Wiederöffnung verlangt. Wie haben Sie die Gespräche mit der Kirche erlebt? Haben Sie mit mehr Widerstand gerechnet?

Ich habe in den letzten Wochen regelmäßig mit den Vertretern aller Kirchen und Religionsgemeinschaften gesprochen und weiß, dass diese Zeit für sie und die Gläubigen keine einfache war. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften haben ja bereits sehr früh freiwillig Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen ausgesetzt. Aber da sich die Infektionszahlen in Österreich so positiv entwickeln, kann das öffentliche religiöse Leben nun Schritt für Schritt wiederaufgenommen werden.

Diese Entscheidung ist gemeinsam mit allen 16 anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften getroffen worden und wird auch von allen mitgetragen. Dafür möchte ich ihren Vertretern ausdrücklich danken.

Bei der Präsentation zur Öffnung der Gottesdienste ab 15. Mai haben Sie betont, dass es sich um eine Einigung mit den Religionsgesellschaften handelt, nicht um einen Erlass. Dennoch spielen andere Erlässe in das kirchliche Leben herein. Heißt das nicht, dass es bei Zuwiderhandeln Strafen geben kann? Wie könnten diese ausfallen?

Alle Religionsgesellschaften haben sich darauf geeinigt, den Empfehlungen der Bundesregierung zu folgen. Ab 15. Mai können Gottesdienste wieder stattfinden, das ist ein ganz wichtiger Schritt für alle Gläubigen. Gleichzeitig müssen wir auf unsere Gesundheit achten und die notwendigen Vorkehrungen treffen. Die detaillierte Umsetzung obliegt den Kirchen und Religionsgesellschaften.

Eine Frage an Sie als Frauenministerin: Was erwarten Sie sich von der katholischen Kirche in Sachen gleicher Zugang von Frauen und Männern zu (Weihe-)Ämtern?

Dabei handelt es sich um eine innere Angelegenheit der Kirche. Als Katholikin beobachte ich Entwicklungen innerhalb der Kirche natürlich mit Interesse, aber der Staat hat hier nicht einzugreifen.

Da Sie auch für Integration zuständig sind: Ein nicht unwesentlicher Teil der engagierten Katholi­k/innen fragt sich, warum Österreich nicht wenigstens eine kleine Gruppe von Flüchtlingen und Migrant/innen – vor allem Frauen und Kinder – aus Griechenland aufnimmt. Warum ist das so?

Österreich hat in der Flüchtlingskrise 2015/2016 Enormes geleistet. Auch jetzt unterstützen wir selbstverständlich vor Ort: Deshalb haben wir eine Million Euro via UNHCR nach Griechenland gesendet. Durch die Verdoppelung der Spendenaktion von „Nachbar in Not“ werden zudem vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auch für die syrische Krisenregion Idlib hat Österreich drei Millionen Euro Soforthilfe aus dem Auslandskatastrophenfonds bereitgestellt.

Die Aufnahme eines neuen Flüchtlings bedeutet im Durchschnitt einen Familiennachzug von drei weiteren Personen. 500 neue Flüchtlinge aufzunehmen heißt also für unsere Gesellschaft, 2.000 Menschen langfristig in Österreich integrieren zu müssen.

Das Interview führte Heinz Niederleitner, Linz.

Bischofsvikar und Weihbischof Stephan Turnovszky hielt in Kleinschweinbarth bei der Marienstatue am Fatima-Berg eine Maiandacht.
Susanne Raab ist Bundesministerin im Bundeskanzleramt. Die in Vöcklabruck geborene Juristin ist unter anderem für Frauenfragen, Kultus- und Integrationsthemen zuständig.
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Der SONNTAG Redaktion aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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