Kommentar: Die Kirche & ich
Äpfel und Birnen, Blut und Impfung

Jeder Christ hat das Recht zu sagen, was ihn bewegt. Er sollte es nur gewissenhaft tun, will er ein guter Christ sein.
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Auf den Bildern der Demonstration gegen Corona-Maßnahmen am Samstag in Wien waren auch Menschen zu sehen, die religiöse Slogans auf ihre Transparente geschrieben haben. Einer lautete zum Beispiel: „Christi Blut heilt – nicht die Impfung!“

Nimmt man diese Aussage wörtlich, ist sie in beiden Teilen richtig: Christi Blut heilt tatsächlich. Und keine Impfung heilt, sie beugt ja nur vor. Nimmt man die Aussage, wie sie wohl gemeint war, ist sie eher unsinnig: Die Heilswirkung der Eucharistie (oder des Kreuzesopfers Christi) ist eine ganz andere Kategorie als das, was eine Impfung für die Gesundheit tut – man kann daher das eine nicht mit dem anderen vergleichen.

Dass die Liebe wärmt, ist kein Argument gegen eine Heizung. Und dass der Leib Christi nährt, ist kein Grund, um aufs Schwarzbrot zu verzichten.

Aber: Man darf als Christ Bedenken gegen Impfungen haben. Und man soll als Christ auf Gottes Heilsplan vertrauen. Und es muss keine Inquisition einschreiten, um Christen daran zu hindern, öffentlich Unsinn zu verbreiten. Jeder Christ hat das Recht zu sagen, was ihn bewegt. Er sollte es nur gewissenhaft tun, will er ein guter Christ sein.

Das ist für Vertreter des Lehramts kein Freibrief, Unsinn zu verkünden. Sie haben sich zu einem spezifischen Dienst an der Wahrheit verpflichtet.

Aber an sich ist die Kirche ein ganz weiter Freiraum, in der alle Arten von Sündern mit ihren Sorgen, Hoffnungen und Ängsten lautstark zuhause sein dürfen: vernünftige und unvernünftige, gescheite und dumme, überkandidelte und unterkandidelte, Verschwörungstheoretiker, Verschwörungspraktiker und ganz und gar Unverschworene. Ist das nicht großartig?

Autor:

Michael Prüller aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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