Die Heilige Woche
In sieben Schritten auf Ostern zu

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Die Karwoche ist für die Christen die wichtigste Woche des Jahres. Sie wird auch „Heilige Woche“ genannt und gibt uns Gelegenheit, die zentralen Ereignisse der Erlösung vertieft zu betrachten.

In seinem Buch „Sieben Schritte ins Leben. Ostern entgegengehen – ein spiritueller Weg“ leitet Anselm Grün an, jeden Tag der Karwoche ganz bewusst zu begehen. Wir stellen das Buch und einige Gedanken daraus vor.

Die Vorsilbe „Kar“ leitet sich vom althochdeutschen „kara“ oder „chara“ für Klage, Kummer, Trauer ab. Doch nicht alles in der Karwoche ist von Klage und Kummer überschattet, wie Anselm Grün in seinem Buch „Sieben Schritte ins Leben. Ostern entgegengehen – ein spiritueller Weg“ verdeutlicht.

In der Betrachtung der jeweiligen Tagesevangelien der Kartage sowie der sieben Worte Jesu am Kreuz lädt der geistliche Begleiter ein, bewusst auf Ostern zuzugehen. Und da gibt es doch einiges, was uns aufbaut und Mut macht. Wir dürfen bei der Betrachtung des Evangeliums von der Salbung Jesu den Duft der Erlösung schnuppern, in einer Meditation wie der Lieblingsjünger an der Brust von Jesus ruhen und uns in dunklen Stunden beim Schauen auf das Kreuz der Liebe Gottes sicher sein.

Zu keiner anderen Zeit im Kirchenjahr verdichtet sich die christliche Botschaft so sehr wie in der Karwoche. „Schon im vierten Jahrhundert hat die Kirche nicht nur das triduum sacrum (die heiligen drei Tage von Karfreitag bis Ostersonntag) gefeiert, sondern die ganze Woche als heilige Woche begangen“, schreibt Anselm Grün.

In seinem Buch führt er in die Spiritualität der einzelnen Tage der Karwoche ein und schildert, wie diese in Gottesdienst und Liturgie gefeiert werden. Pater Anselm Grün versteht das bewusste Begehen der Karwoche als Anleitung zum christlichen Leben: „Es soll eine Woche sein, die uns heilig ist und die uns heiligt und heilt.“

In der Karwoche hilft uns auch die Musik. Heinrich Schütz und Joseph Haydn haben die sieben Worte Jesu am Kreuz vertont. Anselm Grün schätzt diese Kompositionen ganz besonders: „Die Musik hat die Fähigkeit, auch unbewusste Schichten unserer Seele anzusprechen, sodass die Worte Jesu in ihrer heilenden und erlösenden Wirkung in uns eindringen. Indem wir die Musik hören, geschieht an uns Erlösung.“

1. Palmsonntag –
Sehnsucht nach Frieden

Am Palmsonntag erinnern wir uns an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem. „Der, der in dieser Woche als Verbrecher ans Kreuz geschlagen wird, ist der eigentliche König Israels“, schreibt Anselm Grün. Jesus kommt als Friedensfürst und bringt den Frieden, nach dem sich die Menschen sehnen.

Auch in der Palmprozession der Pfarrgemeinde, die nach der Palmweihe mit Liedern in die Kirche einzieht, drückt sich diese Sehnsucht nach Frieden aus. In der Kirche kommt die gesamte Passionsgeschichte zu Gehör und nimmt uns mitten hinein in das Passionsgeschehen.

2. Montag –
der Duft der Erlösung

Am Montag der Karwoche steht das Evangelium von der Salbung Jesu in Bethanien im Zentrum. Erwähnt wird das wertvolle Nardenöl der Maria, das einen köstlichen Duft verbreitet. „Gottes Liebe, die im Tod Jesu zur Vollendung kommt, verbreitet einen angenehmen Duft. Das ganze Haus, die ganze Kirche, die ganze Welt wird davon erfüllt und verwandelt“, deutet Anselm Grün diese Stelle.

Der Evangelist Johannes zeige hier, dass die Wirklichkeit Gottes mit allen Sinnen wahrzunehmen sei.

3. Dienstag –
wie der Lieblingsjünger sein

Im Tagesevangelium schildert Johannes das Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Plötzlich steht die Frage nach dem Jünger, der Jesus verraten wird, im Raum. Das Evangelium zeige uns drei Möglichkeiten, auf die Liebe Jesu zu reagieren: An der Brust Jesu zu ruhen wie sein Lieblingsjünger Johannes, wie Judas Jesus zu verraten und wie Petrus ihn zu verleugnen.

Wichtig sei, sich in allem Versagen und in aller Schuld als Jünger „wie Petrus der Liebe Jesu auszusetzen und darauf zu vertrauen, dass die Liebe Jesu größer ist als unsere Schuld“, betont Anselm Grün. Die Betrachtung der „Johannesminne“ – sich meditierend vorzustellen, wie Johannes an der Brust Jesu zu ruhen –, beruhige und heile uns.

4. Mittwoch –
sich aus- und überliefern

Das Evangelium des Tages thematisiert den Verrat des Judas, der zur Auslieferung Jesu an den Hohen Rat führen wird. „Es geht in der Passion Jesu um traditio, um Auslieferung und Überlieferung. Jesus liefert sich in der Eucharistie und im Abendmahl uns aus. Er überliefert sich uns. Er übergibt sich uns.

Das ist der tiefste Kern aller Überlieferung, aller Tradition, die wir in der Kirche hochhalten: dass in der Tradition uns Jesus selbst überliefert wird.“ Auch unser Leben bringe Frucht, wenn wir uns auslieferten – an unsere Aufgabe, an Gott selbst.

5. Gründonnerstag –
drei große Themen

Das deutsche Wort Gründonnerstag kommt von „greinen=weinen“, die Franzosen nennen ihn „Jeudi Saint=Heiliger Donnerstag“. Für Anselm Grün sind es drei wichtige Themen, die wir an diesem Tag meditieren sollten: „Das eucharistische Mahl, das Jesus uns als Vermächtnis seiner Liebe hinterlassen hat, die Fußwaschung als Ausdruck seines ganzen Lebens und seiner Liebe sowie die Einsamkeit des Ölbergs, in der Jesus allein mit dem Vater ringt.“

Sein Vorschlag: Wir können nach der Liturgie des Abendmahls allein hinaus in die Dunkelheit gehen und uns fragen, was Gottes Wille für uns ist.

6. Karfreitag –
Sichtbarwerdung der Liebe

In der katholischen Liturgie wird die Passion vorgetragen oder noch besser gesungen. Das Kreuz wird feierlich enthüllt und verehrt. Im Passionstext heißt es immer wieder, dass Jesus am Kreuz „verherrlicht“ werde. „Verherrlichung meint Sichtbarwerdung der Liebe vor aller Welt“, erklärt Anselm Grün.

Ursprung der feierlichen Kreuzverehrung sei das Wort: „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ und die typisch griechische Sehnsucht, durch Schauen verwandelt zu werden: „Indem ich auf das Kreuz schaue und auf das geöffnete Herz Jesu, werde ich verwandelt, werde ich von Jesu Liebe erfüllt.“

7. Karsamstag –
im Schattenreich

Der Karsamstag ist der stillste Tag des Kirchenjahres. Wir meditieren, dass Jesus im Grab liegt. Er ist in das Tor des Todes, die letzte Einsamkeit des Menschen, hinabgestiegen.

Wir können, so Anselm Grün, an diesem Tag mit Jesus auch bewusst hinabsteigen in das Schattenreich unserer Seele und uns von ihm durchleuchten lassen.

Ausblick auf Ostern
In Bezug auf Ostern konzentriert sich Anselm Grün auf eine Meditation des Wortes „Pascha“: Dieses hat die frühe Kirche mit „transitus=Übergang“, Hinübergehen übersetzt. Vor allem für das Johannesevangelium gilt: „Jesus ist ständig in Bewegung. Er geht über vom Himmel zur Erde, von innen nach außen, von oben nach unten, von der Erde zum Himmel.

Der eigentliche Übergang und Überstieg geschieht dann in der Passion und in der Auferstehung Jesu. Da überschreitet Jesus die Grenze des Todes, da geht er aus dieser Welt über in die Welt des Vaters.“

Anselm Grün Dr. theol., geb. 1945, Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, geistlicher Begleiter und Kursleiter in Meditation, Fasten, Kontemplation und tiefenpsychologischer Auslegung von Träumen. Seine Bücher sind weltweite Bestseller.

Anselm Grün, „Sieben Schritte ins Leben. Ostern entgegengehen“. Herder Verlag 2021, 128 Seiten; EUR 10,30

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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