Glaubenszeugnis
Gegen den Strom schwimmen

Radikal für andere da sein – das möchte Michal Klučka.
  • Radikal für andere da sein – das möchte Michal Klučka.
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Taufe mit 18, Ordenseintritt zehn Jahre später: Heute arbeitet Michal Klučka im
Begegnungszentrum Quo Vadis und spielt Theater.

Michal Klučka ist in der Slowakei geboren und als Kind mit seiner Mutter nach Österreich gezogen. In der tschechischen Schule in Wien lernt der heute 36-Jährige die Salesianer kennen und ist begeistert.

MICHAL KLUČKA

Alter: 36
Wohnort: 3. Bezirk, Ausbildungs- gemeinschaft der deutschsprachigen salesianischen Provinzen Lebensmotto: Ein Gott suchender Mensch bin ich!
Gott ist für mich: Offenheit.
Sonntag bedeutet für mich: ein ganz besonderer Tag mit Gott.


Dass Sie Ordensmann werden, hat sich in Ihrem Leben lange nicht abgezeichnet. Sie sind erst mit 18 getauft worden. Wie kam es dazu?
Meine Taufe war geplant, als ich zwölf Jahre alt war. Ich habe in der Slowakei die Vorbereitung begonnen, aber nicht zu Ende gemacht, weil wir nach Wien gezogen sind. Hier in Wien habe ich in der tschechischen Schule den Religionsunterricht besucht und war sehr interessiert an Fragen wie „Wer ist Gott?" und „Wer ist der Mensch?" Mein Religionslehrer war Salesianer, und ich bin dadurch in das salesianische Milieu gekommen. Vier Jahre lang war ich auf einer anderen Schule. Als ich wieder zurückgekommen bin, habe ich gemerkt: Die Gemeinschaft zieht mich an, hier fühle ich mich wohl. Auf einer Reise hat mich die Pastoralassistentin angesprochen, ob ich mich denn nicht taufen lassen will.

Dass Jugendliche sich taufen lassen, kommt selten vor …
Ich hatte nie ein Problem damit, gegen den Strom zu schwimmen. Ich wusste: Das ist mein Weg. Bald habe ich auch gemerkt, dass ich mehr will. Ich wurde Salesianischer Mitarbeiter, war Teil der Salesianischen Jugendbewegung.

Was genau hat Sie an den Salesianern so begeistert?
Die Art und Weise, wie hier Kirche gelebt wird, hat mich sehr angezogen. Die Offenheit und Freude. Die Salesianer gehen auf die Jugendlichen zu, interessieren sich für sie. In der Slowakei hatte ich die Kirche eher „düster" in Erinnerung.

Sie haben sich entschieden, selbst Salesianer zu werden.
Ich wollte mein Leben ganz den Jugendlichen widmen und habe mich 2013 als 28-Jähriger für den Ordenseintritt entschieden. Für mich bedeutet das, Gott und die Wahrheit zu suchen und für andere in einer radikalen Form da zu sein. Den Jugendlichen zeigen, dass sie geliebt sind, sie motivieren. Wie bei den Emmausjüngern den Weg gemeinsam gehen und hoffen, dass sie durch das Gehen mit uns Jesus sehen.

Sie arbeiten im Quo Vadis, dem Begegnungszentrum der Ordensgemeinschaften. Was ist Ihre Aufgabe?
Einerseits bin ich dort präsent und rede mit den Menschen, die hereinkommen und um ein Gespräch bitten. Viele schütten ihr Herz aus, erzählen von Schicksalsschlägen oder davon, dass sie nicht mehr weiter wissen. Es ist eine echte Gnade auch für uns, die wir ihnen zuhören. Andererseits biete ich Veranstaltungen für junge Erwachsene an. Ich leite zum Beispiel eine Theatergruppe. Wir spielen Improtheater und haben vor, auch ein Theaterstück aufzuführen.

Warum gerade Theater?
Weil ich Theater lebe. Ich habe bereits in ein paar Theaterstücken gespielt und selbst einen theaterpädagogischen Lehrgang absolviert. Theaterspielen hat ganz viel mit dem Leben zu tun. Wir haben ja alle unsere Rollen, die wir spielen. Wenn man Theater spielt, lernt man eine wichtige Fähigkeit: sich in die Schuhe eines anderen hinein zu denken. Es ermöglicht Empathie. Das war Don Bosco so wichtig:
Es ist gemeinschaftsstärkend, wenn man weiß, wie es dem anderen geht.

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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