Projekte im riesigen Mukuru-Slum
Wie die Sternsinger Straßenkindern helfen

Müll sammeln, Schuhe putzen und Betteln sind für viele in Mukuru die einzige Einkommensquelle.
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  • Müll sammeln, Schuhe putzen und Betteln sind für viele in Mukuru die einzige Einkommensquelle.
  • Foto: Dreikönigsaktion
  • hochgeladen von Markus A. Langer

Der Jahreswechsel naht mit Riesenschritten. Vom 27. Dezember bis zum 6. Jänner bringen die Heiligen Drei Könige den Segen für das Jahr 2020 zu allen Menschen im Land. Segen bringen sie auch zu Mitmenschen in den Armutsregionen der Welt. Mit den Spenden werden jährlich Sternsinger-Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt. In der heurigen Kampagne steht der Mukuru-Slum in Nairobi im Mittelpunkt.

Der Mukuru-Slum in Kenias Hauptstadt Nairobi gilt als Afrikas größtes Armutsviertel. Schätzungen zufolge leben hier 700.000 Menschen auf engstem Raum zusammen. Die Hütten bieten kaum Schutz gegen Hitze und Regen. Fehlende Toiletten, Kanalisation und Müllbeseitigung verursachen Krankheiten. Kinder leiden besonders an der Armut. Rund 60.000 leben in Nairobi auf der Straße, ohne ausreichend zu essen, ohne Unterstützung durch ihre Familien. Ein Schulbesuch und eine Ausbildung, um ihre zukünftige Existenz zu sichern, bleibt für viele ein unerfüllter Traum. Viele überleben nur, indem sie betteln, Schuhe putzen oder Müll sammeln.

Aufgewachsen in Mukuru

„In Mukuru gibt es gemauerte Häuser. Die meisten sind aus Lehm gefertigt, Laken hängen vor den Fenstern, kein Glas. Das Schockierende daran ist, dass diese Häuser einigen Vermietern gehören. Zwar ist die Miete nicht hoch, aber ein Haus, das nur zehn mal zehn Meter misst, wird von fünf bis acht Personen bewohnt. Ein Bett gibt es auch nicht für jeden, und die Wellblechdächer sind undicht. Viele liegen am Boden und wenn dann Überschwemmungen kommen, die auch in die Häuser das Wasser und den Lehm spülen, kann man sich nicht vorstellen, was das bedeutet“, schildert Anne Muthoni Wachira, die selbst in Mukuru aufgewachsen ist. Die heute 39-Jährige hatte Glück: Als Jugendliche wurde sie von Schwester Mary in das von der Dreikönigsaktion unterstützte Sozialzentrum MSDP (Mukuru Slums Development Projects) aufgenommen.

„Die Unterstützung gab mir die Möglichkeit, mich schulisch zu entwickeln. Ich konnte sogar einen Universitätsabschluss erreichen“, erzählt Anne Muthoni Wachira. Sie machte mit einem Team aus Mitstreitern auf einer Informationsreise quer durch Österreich im Vorfeld der Dreikönigsaktion in Wien Station. Mit Unterstützung des MSDP konnte Anne Muthoni Wachira das Studium zur Sozialarbeiterin abschließen und einen Weg aus der Armut finden. Sie ist heute Programm-Organisatorin des MSDP.

Den Kindern Bildung ermöglichen

Bildung ist der zentrale Schlüssel für die Kinder von Mukuru, um aus der Armut auszubrechen. MPC (Mukuru Promotion Centre), Partner-Organisation der Dreikönigsaktion vor Ort, steht den Menschen im Mukuru-Slum tatkräftig zur Seite. Sozialarbeiterinnen versorgen die Straßenkinder mit Nahrung, Kleidung und medizinischer Betreuung. Kinder und Jugendliche werden dazu ermächtigt, auf eigenen Füßen zu stehen. Das beginnt bei einer guten Schulbildung: MPC betreibt selber insgesamt sechs Schulen. Danach erfolgt eine Berufsausbildung, z.B. in Gastronomie, Sanitärinstallation, Kosmetik oder Schneiderei.

„Ich bin der Dreikönigsaktion in Österreich so dankbar, dass sie unser Projekt unterstützt, weil es den Kindern und Jugendlichen eine Chance gibt, der Armut zu entkommen“, sagt Anne Muthoni Wachira. „Die vielen Mädchen, die bei uns schulische und berufliche Ausbildung erhalten, haben eine Chance auf Zukunft. Ich kämpfe darum, möglichst viele aus dem Slum herauszuholen, das habe ich mir zur Aufgabe gemacht.“
85.000 Sternsinger unterwegs
In ganz Österreich sind in den Tagen zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag (6. Jänner 2020) heuer wieder Zigtausende als Sternsinger verkleidete Kinder von Haus zu Haus unterwegs, mit Segenswünschen und einer Sammelbox, um für die Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion wie jene im Mukuru-Slum zu sammeln. Mit den Spenden werden insgesamt jährlich rund 500 Sternsinger-Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt.

Das Besondere der Sternsingeraktion ist, dass Kinder das Fundament der größten entwicklungspolitischen Spendenaktion bilden. Im vergangenen Jahr hat die österreichische Bevölkerung mit 17,6 Millionen Euro ihre solidarische Unterstützung bewiesen. Die Heiligen Könige leben einerseits den alpenländischen Brauch des Sternsingens und setzen sich andererseits global für Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika ein. 85.000 Kinder sind in ganz Österreich unterwegs, unterstützt von 30.000 erwachsenen Helfern. Traditionell wird auch eine österreichische Sternsinger-Delegation beim Neujahrsgottesdienst von Papst Franziskus am 1. Jänner teilnehmen.

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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