Glaubenszeugnis
Die Schicksale der Kinder bewegen mich sehr

Foto: Elijah
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Der SONNTAG spricht mit Emilia Proksch einen Tag nach dem fulminanten Erfolg des österreichischen Damenfußballteams bei der Europameisterschaft 2022.

Emilia, unser Fußballnationalteam hat gestern den Einzug ins EM-Achtelfinale geschafft. Als leidenschaftliche Fußballerin hast du das Match bestimmt vor dem Bildschirm mitverfolgt.
Ich habe mir das Spiel mit meiner Familie angeschaut. Dass es die Frauen ins Achtelfinale geschafft haben, habe ich nicht erwartet. Aber dann war plötzlich das Tor da! Natürlich schlägt mein Fußballerherz da höher.

Beim Projekt ‚Elijah‘ bist du unter anderem Fußballbeauftragte. Welche Rolle spielt Fußball bei ‚Elijah‘?
Wir haben ein Fußballteam gegründet, mit dem wir auch bei Turnieren antreten. Fußball ist super, weil man nur einen Ball dazu braucht. Es ist einfach zu lernen und hilft, Ehrgeiz zu entwickeln. Wir versuchen bei ‚Elijah‘ auch Mädchen dafür zu gewinnen, das ist hier in Rumänien noch nicht so verbreitet. Beim letzten Turnier waren sogar zwei Mädchen mit dabei und haben fast besser als die Burschen gespielt.

Was machst du bei ‚Elijah‘, wenn du gerade nicht Fußball spielst?
Ich gehe zusammen mit meinen Kollegen zu den Roma-Familien, lerne sie kennen und schaue, wo sie Hilfe benötigen. Oft bin ich auch bei der Nachmittagsbetreuung der Kinder, helfe bei den Hausaufgaben und spiele mit ihnen.

Ihr betreut Kinder und ihre Familien, baut Häuser für sie und nehmt verwahrloste Kinder, in eurer Wohngemeinschaft auf. Du gewinnst Einblick in viele Schicksale.
Die Einzelschicksale der Kinder bewegen mich oft sehr. Ich denke da etwa an eines der Mädchen, die im Fußballteam spielt. Sie stammt aus ganz schwierigen Verhältnissen und kommt doch jeden Tag gepflegt ins Sozialzentrum und feiert am Abend oft die Messe mit, bevor sie wieder in ihr chaotisches Familienleben zurückkehrt. Oder ein anderes Mädchen, das eine Zeitlang bei uns gewohnt hat: Bei ihr zu Hause lebt sie mit elf Geschwistern in einem Raum in schlimmen Zuständen, dreckig mit Läusen und Flöhen. Sie ist ein tolles, organisiertes junges Mädchen. Es ist schön zu sehen, wie die Kinder bei ‚Elijah‘ aufblühen.

Gemeinsames Gebet spielt eine wichtige Rolle bei ‚Elijah‘.
Das spirituelle Leben hier im Haus schenkt mir sehr viel Kraft. Wir beten jeden Morgen das Morgengebet, lesen das Tagesevangelium, sagen, wofür wir dankbar sind und sprechen Fürbitten. Das habe ich von Pater Georg [Sporschill] gelernt, eine Lebenseinstellung, die mir sehr gefällt: Zuerst Dankbarkeit üben, dann Fürbitten. Wir tauschen uns auch über Schwierigkeiten aus und bringen alles vor Gott. Am Abend feiern wir die Messe. Da sind alle willkommen und es kommen auch immer wieder Frauen aus dem Dorf und die Kinder sind die Ministranten. Bei der Messe sind alle möglichen bunten Menschen dabei. Wir sind verschieden und doch alle gleich und vereint.

Deine Arbeit bei ‚Elijah‘ und dein Privatleben sind eng miteinander verwoben. Wie ist das für dich?
Die Vormittage habe ich frei, da ist klar, dass ich mich mir selbst und meinem Studium widme. Am Nachmittag bin ich meist im Sozialzentrum, oft sind abends Kinder bei uns zum Abendessen.

Was sagen deine Eltern dazu, dass du auch weiterhin in Rumänien leben wirst?

Meine Eltern merken, dass es mich erfüllt und dass das genau das ist, was ich machen möchte. Sie unterstützen mich total.

Das Projekt ELIJAH online
Zur Reportage "Der Rabenvater"

Autor:

Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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