Projekt Kirchturmtiere beobachten
Tiere, die in unseren Kirchen wohnen

Der Stephansdom ist ein bevorzugter Nist- und Brutplatz von Turmfalken.
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  • Der Stephansdom ist ein bevorzugter Nist- und Brutplatz von Turmfalken.
  • Foto: Elisabeth Fürst
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Für Vögel gelten keine Reisebeschränkungen. Sie kommen jetzt aus ihren südlichen Winterquartieren zurück, um in unseren Breiten ihre Jungen aufzuziehen. Viele nützen Kirchtürme als bevorzugten Nistplatz und sie sind nicht die einzigen tierischen Bewohner unserer Gotteshäuser.

Markus Gerhartinger, Umweltbeauftragter der Erzdiözese Wien, erzählt uns wie wir Kirchturmtiere beobachten und schützen können.

Markus 
Gerhartinger
Markus Gerhartinger
ist Umweltbeauftragter der Erzdiözese Wien und Co-Leiter des Projekts „Kirchturmtiere beobachten“.

Dass Tiere in Gotteshäusern leben, wird schon in der Bibel berichtet. So heißt es in Psalm 84,4-5 „Auch der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen, deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König.“ In unserer Zeit ist es nicht anders.

Besonders im Frühling kehrt Leben ein auf Klostermauern, rund um Kirchtürme, Friedhöfe und in Gärten in unmittelbarer Nähe zu Sakralbauten. Viele Vögel kehren aus ihren Winterquartieren im Süden zurück, um bei uns ihre Jungen aufzuziehen. Kirchtürme gelten als besonders beliebtes Brutquartier für Mauersegler und Turmfalken. Aber auch Schwalben, Fledermäuse, Eidechsen und viele Insektenarten zählen zu den Bewohnern von Kirchen.

Um die Erhaltung dieses Lebensraumes zu ermöglichen, haben die Umweltbeauftragten der katholischen und evangelischen Kirche in Kooperation mit „Bird Life Österreich“ und dem Naturschutzbund das Projekt „Kirchturmtiere beobachten“ ins Leben gerufen. „Es sind alle Menschen eingeladen, Tiere, die sie am Kirchturm oder rund um die Kirche im Radius von 100 Metern beobachten, zu fotografieren und uns über die App oder per Mail zu schicken“, sagt Markus Gerhartinger, Umweltbeauftragter der Erzdiözese Wien im Gespräch mit dem SONNTAG.

Mit Hilfe der Daten wird das Wissen über die Besiedelung von Kirchen durch Vögel und andere Tierarten verbessert. Für gefährdete Tiere können dann bessere Schutzmaßnahmen erarbeitet werden. „Man bekommt auch Rückmeldung, um welches Tier es sich handelt, das man hier fotografiert hat“, führt Markus Gerhartinger aus.

Einen Spaziergang zur Kirche machen
Manche können vielleicht von ihrem Fenster aus Tiere rund um einen Kirchturm beobachten (im Radius 100 Meter) oder bei einem Spaziergang, der an einer Kirche vorbeiführt.

Die Kirchen sind trotz der Pandemie geöffnet und laden zum Kommen ein. „Man kann das gut Corona-konform manchen“, freut sich Markus Gerhartinger. Die meisten haben beim Spazierengehen das Handy ohnehin mit. Werden Tiere rund um die Kirche beobachtet, ergibt sich vielleicht die Gelegenheit ein Foto zu machen und dieses einzuschicken.

Die Idee zum Projekt geht auf den ehemaligen Umweltbeauftragten der Erzdiözese Salzburg, Johann Neumayer, zurück, der auch Biologe ist. „Ihm ist aufgefallen, dass Kirchen ein wertvoller Lebensraum sind. Er hat selbst immer wieder Tiere entdeckt“, berichtet Markus Gerhartinger. „Er hatte auch bemerkt, dass bei Sanierungen und Umbauten an Kirchen oft durch Unwissenheit Fehler gemacht wurden und Tiere unnötig ausgesperrt oder ihre Lebensräume beschnitten wurden.“

Kirchen stellen für viele Tierarten wichtige Lebens­räume dar. Die alten und daher meist biologischen Baumaterialien und nicht zuletzt auch ein gewisses Maß an Ruhe und Stille bieten ideale Lebensbedingungen. Vögel finden zunehmend schwierigere Lebens- und Nistbedingungen vor.

Für Turmfalken – z. B. auf dem Stephansdom oder in Stift Heiligenkreuz –, sind Brutplätze an Kirchen daher besonders beliebt. Eier und Jungvögel sind im Kirchturm vor Wind und Wetter, starker Sonneneinstrahlung, aber auch vor Räubern gut geschützt. Der Bruterfolg ist so meist hoch und der Nistplatz wird im nächsten Jahr wieder „bezogen“.

Bei der Sanierung und ...
„Kirchen sind kein totes Gestein, sondern im wahrsten Sinne des Wortes lebendig und lebensspendend für die eine oder andere Tierart. Wir wollen die Pfarren für das Thema sensibilisieren“, betont der Wiener Umweltbeauftragte.

Wenn der Pfarrgemeinderat z. B. die Sanierung des Turms oder der Kirche in Angriff nimmt, sollte darauf geachtet werden, Einflugöffnungen und Nischen mit Nistplätzen nicht zu verbauen. Ebenso empfiehlt es sich, Renovierungsarbeiten außerhalb der Brutzeiten z. B. im Herbst zu machen.

... Beleuchtung der Kirche achtgeben
Auch bei der Beleuchtung des Kirchturms kann die Pfarre auf tierische Bewohner Rücksicht nehmen. Markus Gerhartinger: „Viele Kirchtürme werden beleuchtet, was ja auch grundsätzlich gut ist.

Es macht aber keinen Sinn gerade die Einflugschneisen der Fledermäuse oder anderer Tiere die ganze Nacht zu beleuchten, weil man sie damit sehr stark stört.“ Hier besteht die Möglichkeit, die Einflugschneise weniger zu beleuchten. Viele Pfarren würden die Beleuchtung der Kirche um 23 oder 24 Uhr abschalten, denn zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh sei das nicht nötig.

Das Projekt „Kirchturmtiere beobachten“ ist durchaus auch gedacht, jüngere Leute anzusprechen, die sich mit Apps erfahrungsgemäß leicht tun.

„Man kann es z. B. in den Firmunterricht einbauen und Firmlingen schmackhaft machen, den Kirchturm auch diesbezüglich zu erkunden.“ Aufgrund der Corona-Pandemie seien derzeit weniger Firmgruppen aktiv. Naturgemäß sollen sich aber alle Altersstufen angesprochen fühlen und bei Kirchturmtieren von jetzt an am besten „tierisch neugierig“ werden.

Weiterführende Infos zum Thema:
schoepfung.at
kirchturmtiere.at
naturbeobachtung.at

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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