Einkochen wie in Bibel und Kloster
Mit Vertrauen die Vorratskammer füllen

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Igel tun es, Eichhörnchen tun es und auch die Menschen machen es seit alter Zeit: Sie sammeln Vorräte, um gut über den Winter zu kommen. Das Anlegen von Vorräten spielt schon in der Bibel eine große Rolle, wie unsere Expertin Jutta Henner vom Bibelzentrum Wien ausführt. Sr. Hedwig Prommegger aus dem Kloster Wernberg verrät uns ein Rezept für eingelegte Zucchini.

Die Schöpfung beschenkt uns im Sommer mit frischen Früchten und Gemüsen, mit Blüten und Kräutern. Genial ist, dass wir die Gaben der Natur nicht nur frisch geerntet verwenden können, sondern Sie auch in eingekochter oder getrockneter Form für später aufbewahren. In den letzten drei Folgen unserer Sommerserie „Den Sommer genießen“ geht es um das Haltbarmachen von Obst, Gemüse und Kräutern, begleitet von Rezepten und Expertentipps. Schauen wir zunächst mit Theologin Jutta Henner auf die Bibel: Was steht darin zum Thema „Vorräte“ und konnten damals die Menschen Nahrungsmittel bereits haltbar machen?

Vorräte - ein Zeichen des Segens
Als es weder Gefrier- noch Kühlschrank gab, war das Anlegen von Vorräten von existentieller Bedeutung, so auch für die Menschen in den Texten der Bibel. „Im Haus des Gerechten gibt es reichen Vorrat...“, heißt es schon im Buch der Sprichwörter (Kap 15,6). „Das Vorhandensein von Vorräten wird hier als Zeichen von Weisheit und Segen Gottes angesehen“, erklärt Jutta Henner, Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft und Lehrende an der Universität Wien, im Gespräch mit dem SONNTAG.

Datteln, Feigen und Rosinen
„Das prominenteste Beispiel von geschätzter Vorratshaltung ist mit Sicherheit Josef in Ägypten, der in den sieben ,fetten‘ Jahren Getreidevorräte anlegen lässt, die in den sieben ,dürren‘ Jahren die Bevölkerung ernähren – und darüber hinaus auch Menschen in den Nachbarländern, wie Josefs Brüder (Genesis 41)“, sagt die Bibelexpertin.

Auch Noah (Gen 6,21) wird ausdrücklich aufgefordert, in die Arche einen Vorrat mitzunehmen.
„In Zeiten, als es noch keine Kühlung gab, war insbesondere das Trocknen von Früchten eine ganz selbstverständliche Art der Haltbarmachung“, erklärt Jutta Henner. „Ob Datteln, Feigen oder Weintrauben (als Rosinen) – diese Früchte waren Zucker- und Energielieferanten, die man gerne getrocknet hat und dann gegessen oder weiterverarbeitet hat.“

Eine Bibelstelle, die davon berichtet ist 1 Samuel 25,18, in der Abigajil König David mit entsprechendem Proviant entgegenreist: „Da nahm Abigajil in aller Eile zweihundert Brote und zwei Schläuche Wein, fünf schon zurechtgemachte Schafe, fünf Sea geröstetes Korn, hundert Rosinenkuchen und zweihundert Feigenkuchen, lud alles auf Esel…“

Auch Mandeln oder Pistazien waren getrocknet haltbar und ein energiereicher Bestandteil der Nahrung. „Fisch hat man haltbar gemacht, in dem man ihn eingesalzen hat – als eine Art Stockfisch. Dafür war der Ort Magdala am See Genezareth in der Antike bekannt“, sagt Jutta Henner.

Auf Gott vertrauen und Vorräte teilen
Es gibt aber auch Stellen in der Bibel, die das Sammeln von Vorräten kritisch betrachten. „Da ist natürlich die Aussage Jesu in der Bergpredigt zentral, wo es heißt, man solle sich nicht um Essen und Trinken sorgen und sich die ,Vögel unter dem Himmel‘ zum Vorbild nehmen, die weder säen, noch ernten noch sammeln und doch von Gott ernährt werden“, führt Jutta Henner aus. Vorratshaltung könnte hier auf mangelndes Vertrauen auf die Fürsorge Gottes hinweisen.

Im Hintergrund stehe die Geschichte, wie Gott sein Volk während der Wüstenwanderung mit Manna und Wachteln versorgt hat (Ex 16). „Da findet sich die Mahnung, doch nur so viel zu sammeln, wie man an dem Tag essen könne. Aber manche sammelten offenkundig mehr und am folgenden Tag war es verdorben. Lediglich für den Sabbat sollte man einmal auf Vorrat sammeln.“

Überbordende Vorratshaltung wird im Gleichnis vom reichen Kornbauer in Lk 12, 16ff heftig kritisiert: „Dort einerseits mit Hinweis auf die Begrenztheit des menschlichen Lebens. Andererseits ist im Lukasevangelium besonders der Blick auf die Armen wichtig – wer viel hat, mag eher teilen! Und das ist ganz im Sinne des Alten Testaments, wo mit dem Gebot der Nachlese beispielsweise in Lev 19,9f das Teilen mit Bedürftigen wichtig ist“, betont die Theologin.

So heißt es an dieser Stelle: „Wenn ihr die Ernte eures Landes einbringt, sollst du das Feld nicht bis zum äußersten Rand abernten. Du sollst keine Nachlese von deiner Ernte halten. In deinem Weinberg sollst du keine Nachlese halten und die abgefallenen Beeren nicht einsammeln. Du sollst sie dem Armen und dem Fremden überlassen.“ Die Bibel betrachtet das Sammeln von Vorräten also dann kritisch, wenn es aus mangelndem Gottvertrauen oder der fehlenden Bereitschaft zu teilen erfolgt.

Selbstgemachtes schenken
Dazu passt der schöne Brauch, bei verschiedenen Anlässen oder Besuchen Selbsteingemachtes an andere Menschen zu verschenken. Der Sommer bietet reichlich Gelegenheit, diese Geschenke vorzubereiten. Jutta Henner: „Ich denke, das Einkochen erlebt einen neuen Boom – gerade, wenn heuer viele zu Hause bleiben und nicht verreisen.“

Weitere Rezeptideen und Tipps dazu in den kommenden Ausgaben.

Serie: „Den Sommer genießen"

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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