Zum 200. Geburtstag von Sebastian Kneipp
Kraft schöpfen mit der Kneipp-Philosophie

Das Kurhaus der Marienschwestern Bad Mühllacken liegt im wildromantischen Naturschutzgebiet Pesenbachtal.
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  • Das Kurhaus der Marienschwestern Bad Mühllacken liegt im wildromantischen Naturschutzgebiet Pesenbachtal.
  • Foto: Curhaus Bad Mühllacken /www.LARESSER.com
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Der 200. Geburtstag des legendären Sebastian Kneipp ist Anlass für uns, mit Elisabeth Rabeder, Kneipp-Expertin und Leiterin des Kurhauses der Marienschwestern Bad Mühllacken, zu sprechen. Sie erklärt im SONNTAG-Interview, was aus der Sicht des Wasserdoktors besonders wichtig für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist. Grundlage der Kneipp-Therapie sind die fünf Säulen Lebensordnung, Wasser, Bewegung, Ernährung und Pflanzenheilkunde.

Am 17. Mai 1821, vor genau 200 Jahren, erblickte der berühmte Wasserdoktor das Licht der Welt. Seit 2004 leitet Kneipp-Kennerin Elisabeth Rabeder das Kurhaus der Marienschwestern in Bad Mühllacken.

Elisabeth Rabeder
Elisabeth Rabeder
ist Betriebsleiterin des Kurhauses der Marienschwestern in Bad Mühllacken, Fastenbegleiterin und Expertin für die Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp.

Die diplomierte Lebensberaterin mit Ausbildungen in Logotherapie und Existenzanalyse begleitet Menschen beim Fasten und steht ihnen zur Seite. Mit Sebastian Kneipp und seiner Gesundheitslehre setzt sie sich seit vielen Jahren auseinander und ist bis heute fasziniert vom genialen Zusammenspiel der fünf Säulen. Sie freut sich, dass im Kurhaus der Marienschwestern die Kneippsche Lehre noch in ihrer Echtheit praktiziert wird.

  • Worauf beruht die Therapie nach Sebastian Kneipp und wie wirkt sie?

ELISABETH RABEDER: Sebastian Kneipp hat den Menschen immer in seiner Ganzheit gesehen und hat dieses Therapiekonzept so angelegt, dass man immer den einzelnen Menschen anschaut: Seine Bedürfnisse, Wesenszüge und Temperamente werden mitbedacht. Bei der Kneipp-Therapie arbeiten wir mit Wickeln, Güssen, Bädern und Waschungen. Es ist eine Regulations- und Reiztherapie, die über das vegetative Nervensystem auf alle Organsysteme einwirkt – auf das Immunsystem, die Gefäße, auf den Herz-Kreislauf, natürlich auch auf die seelische Komponente.

Die Kunst eines Kneipp-Arztes ist, dass er sich wirklich einlässt auf den Menschen, der ihm gegenüber sitzt und das funktioniert nun mal nicht in einem Gespräch von fünf Minuten.

  • Welche Rolle spielt dabei das Wasser?

Kneipp sagte zu seinen Patienten: Wir brauchen das Wasser zum Auflösen, zum Reinigen/Ausleiten und zum Stärken.

Zum Auflösen von Stoffen, die sich im Bindegewebe, in den Gelenken und in den Organen abgelagert haben und die einfach nicht zu uns gehören. Das war zu Kneipps Lebzeiten ein Thema, genauso wie heute, man denke nur an die vielen Zusatzstoffe in industriell gefertigten Lebensmitteln. In unserem Zuviel an Genuss und oft Zuwenig an Bewegung speichern wir vieles ein.

Da brauchen wir das Wasser als Transportmittel für die innere Reinigung von Stoffwechselendprodukten, aber auch dafür, dass man die hochwertigen Vitalstoffe in die Zelle bringt. Wasser ist das allerwichtigste Lebensmittel zum Stärken und Nähren.

  • Welche Anwendungen gibt es?
  • Viele fürchten ja das kalte Wasser.

Wir können in der Wassertherapie aus 140 Anwendungen schöpfen. Dabei gibt es auch viele warme und wechselwarme Anwendungen und nur wenige mit kaltem Wasser. Der Kaltreiz ist immer nur ein ganz kurzer Impuls. Das Wassertreten in kaltem Wasser bedeutet kurze Impulse von 20 bis 30 Schritten im Storchengang. Kaltwasser-Anwendungen dürfen nur an warmen Körperteilen gemacht werden. Der Körper muss immer durchwärmt sein.

  • Wie hat Sebastian Kneipp seine Therapie entwickelt?

Kneipp stammte aus einfachen Verhältnissen und wollte unbedingt in seiner Jugend Pfarrer werden. Während des Studiums ist er selber an Tuberkulose erkrankt. Er hat sich mit eiskalten Bädern in der Donau selber geheilt. Das war eine Rosskur. Er hat im Laufe der Zeit gelernt, dass es ausreicht, Kältereize fein zu dosieren.

Bei der Kneipp-Kur geht es nie um möglichst starke oder lange Behandlungen, sondern man baut das immer ganz langsam auf. Man fängt nie mit einem großen Blitzguss an. Das ist für den Organismus ein viel zu großer Reiz, wenn Menschen nicht daran gewöhnt sind.

  • Was zählt noch zur Therapiemethode?

Mich fasziniert die geniale Komplexität der fünf Säulen von Sebastian Kneipp. Fundament ist die Lebensordnung. Kneipp hat den Menschen immer in seiner Ganzheit gesehen, die Harmonie von Körper, Geist und Seele betont. Ich kann mich noch so gesund ernähren, wenn ich permanent über meine Grenzen gehe und die Lebensordnung außer Acht lasse, wird sich kein Wohlbefinden einstellen.

  • Was versteht Sebastian Kneipp unter Lebensordnung?

Es gibt dazu ein Zitat von Sebastian Kneipp: „Erst als ich Ordnung in die Seelen der Menschen brachte, wurden auch ihre körperlichen Gebrechen heil.“ Seine Lebensordnungs-Lehre, zu der auch die Glaubens- und Sinnfrage gehören, hilft uns in die Balance zu kommen und Alltagsstrukturen bewusst und achtsam zu leben. Er betont zum Beispiel den gesunden Schlaf, idealerweise sieben bis acht Stunden zwischen zehn Uhr am Abend und sechs Uhr am Morgen. Der Schlaf vor Mitternacht ist laut Kneipp sehr heilsam. Auch regelmäßige Essenszeiten gehören dazu und die Achtsamkeit beim Essen verbunden mit Dankbarkeit.

Zur Lebensordnung gehört es auch, die Jahreszeiten mit zu leben, Ruhephasen einzulegen, die Feste und Rituale im Jahreskreis bewusst zu leben. Als Priester gab er den Festen im Jahreskreis eine besondere Bedeutung. Wir wissen, wie sehr es den Menschen Halt gibt, Feste zu begehen. Auch das wohltuende Beisammensein gehört zur Lebensordnung.

  • Welche Rolle spielen Heilkräuter in der Therapie von Sebastian Kneipp?

Für jegliche Beschwerden sei ein helfendes Kraut gewachsen, sagte Kneipp.

Heilpflanzen kommen in der Kneipp-Therapie als Tees, in der Küche als Bade- und Wickelzusätze, als Duft und Räucherwerke zum Einsatz. Ganz zentral bei den Wickeln sind die Heublumen, diese wunderbare Kraft der Heilkräuter, die auf einer Blumenwiese wachsen. Wickel sind wesentlicher Teil einer klassischen Kur und ein Hausmittel für die ganze Familie.

Ein Heublumensack ist ein Leinensack mit Bioheublumen mit bis zu 50 verschiedene Pflanzen. Wenn man das über Dampf warm macht, entfalten sich über die 1.000 verschiedene Wirkstoffe, die über Haut und Nase wieder in unseren Körper gelangen und so für Heilung und Wohlgefühl sorgen. Das Eingewickeltwerden ist eine besondere Form der Zuwendung und des Sich-Geborgen-Fühlens.

  • Was sagt die Kneipp-Therapie zum heute so wichtigen Thema „Ernährung“?

Ernährung ist eine wesentliche Säule. Sebastian Kneipp war durch und durch ein Genießer und legte Wert auf hochwertige Lebensmittel. Er rief die Menschen dazu auf: Schaut, dass ihr hochwertige Lebensmittel in euren Küchen habt. Er erkannte auch, dass es immer wieder Fast- und Entlastungstage mit Erdäpfel, Reis und Suppe braucht. Er nannte diese Schalt­tage. Regelmäßig eingesetzt, helfen sie zu einem besseren Körpergefühl und stärken die Gesundheit. Die Zeiten beim Essen sind wichtig – so sollte man nicht zu spät am Abend essen.

Kneipp war kein Vegetarier, bevorzugte aber eine pflanzlich betonte ausgewogene Ernährung mit hochwertigen Lebensmitteln. Auch die Zubereitung der Speisen war ihm wichtig: Das Kochen ist etwas Besonderes, dem man nach Kneipp Aufmerksamkeit schenken und es nicht nebenbei machen soll. Man schmeckt, mit welcher Haltung gekocht wird. Die Regionalität der Produkte war zu Kneipps Zeit natürlich gegeben.

  • Warum war ihm Bewegung so wichtig?

Kneipp erkannte, dass ein gesunder Stoffwechsel die regelmäßige Bewegung braucht, um gut zu funktionieren. Er sagte, ausreichend Bewegung ist die Basis für einen gesunden Körper, einen wachen Geist und für eine ausgeglichene Seelenlandschaft. Er schickte Patienten mit Bewegungsdefizit zum Holzjacken.

Meine Empfehlung ist: Bewegung muss Freude machen. Da sollte man schauen, was zu einem passt, ob Wandern, Radfahren, Nordic Walking, Fußball… Da kann ich dann auch das innere Gleichgewicht wiederherstellen und auch meine positive Lebenseinstellung stärken. Wichtig ist, dass ich etwas habe, um den Bewegungsmangel auszugleichen.

Informationen zu den Kneippangeboten
der Marienschwestern: curhaus.at

Serie: Sebastian Kneipp

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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