Weltkirche
„Mutter der Nation“
- María Corina Machado: Erst vor einigen Tagen meldete sich die Nobelpreisträgerin 2025 in einem TV-Interview kämpferisch zu Wort. Mit entschlossener Miene versprach die im Untergrund lebende Politikerin: „Wir werden Venezuela gemeinsam vom Chaos zur Ordnung führen.“ US-Präsident Donald Trump sieht sie als wichtigen Verbündeten bei diesem Vorhaben.
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Friedensnobelpreis 2025. María Corina Machado erhält die Auszeichnung für ihr politisches Engagement in Venezuela.
Das dürfte Venezuelas De-facto-Diktator Nicolas Maduro gar nicht schmecken: Seine ärgste Widersacherin, Oppositionsführerin und Demokratie-Verfechterin María Corina Machado bekommt den Friedensnobelpreis 2025. Das Nobelkomitee würdigte sie am Freitag als „eine Frau, die die Flamme der Demokratie inmitten wachsender Dunkelheit am Lodern hält“. Das mache sie „zu einem der außergewöhnlichsten Beispiele für zivilen Mut in Lateinamerika“.
Tatsächlich ist vieles im Leben der 58-Jährigen außergewöhnlich. Seit mehr als 20 Jahren setzt sie sich in ihrem autoritär-sozialistisch regierten Heimatland für freie und faire Wahlen ein und trotzt dabei der anhaltenden Repression und den ständigen Einschüchterungsversuchen durch die Regierung. Quasi täglich drohen ihr Festnahme und andere Schikanen. Doch anders als Millionen andere Dissidenten hat sie Venezuela nicht verlassen und führt beharrlich den demokratischen Widerstand an.
María – der Name ist Programm
Doch wie wurde die Wirtschaftsingenieurin aus wohlhabendem Hause eigentlich zur Aktivistin und Hoffnungsträgerin einer ganzen Nation? Offensichtlich ist, dass der katholische Glaube eine zentrale Rolle in ihrem Werdegang spielt. Gerne trägt María bei öffentlichen Auftritten Rosenkränze in Venezuelas Nationalfarben um den Hals. Die Tochter einer reichen Unternehmer-Familie könnte als Absolventin einer renommierten Jesuiten-Hochschule in Caracas ein komfortables Leben im Ausland führen. Doch sie wählte einen anderen Weg.
Wirtschaftsliberale Trostspenderin
Der geschiedenen Mutter von drei Kindern flogen die Sympathien im machistisch geprägten Venezuela anfangs keineswegs zu. Lange war sie in der politischen Szene eine Außenseiterin, bis sie 2012 kurzerhand ihre eigene Partei „Vente“ gründete. Das Programm ist vor allem wirtschaftsliberal, setzt auf freien Willen und Eigenverantwortung und damit das Gegenteil von Verstaatlichung und sozialistischer Willkür, für die Maduro steht. Der sieht in seiner Gegenspielerin nicht weniger als eine Vertreterin des Teufels. Machado habe einen „satanischen Pakt“ mit Techmilliardär Elon Musk und einer satanischen Kirche in den USA geschlossen, behauptete er während einer Kundgebung.
María hingegen ist inzwischen so etwas wie die trostspendende Mutter der Nation. Aus wechselnden Verstecken meldet sie sich regelmäßig über Social Media zu Wort, um den nahenden Machtwechsel anzukündigen. Ob sie den Friedensnobelpreis am 10. Dezember in Oslo persönlich entgegennehmen kann, ist indes ebenso unklar wie die Zukunft Venezuelas.
Kathpress/Alexander Pitz
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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