Entwaffnender Friede
- Das Licht des Friedens dürfe im Dunkel des Krieges und der Gewalt nicht übersehen werden. Dies gibt Papst Leo XIV. in seiner Friedensbotschaft zum Jahresbeginn zu bedenken. Den Gottesdienst am Neujahrstag, dem katholischen Weltfriedenstag, feierte er im Petersdom.
- Foto: KNA
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Die Weltfriedensbotschaft von Papst Leo XIV. zum Beginn des Jahres 2026 ruft zur „Entwaffnung der Herzen“ auf.
Der Friede sei mit dir!“ Nach Papst Leo ist dies nicht nur ein Wunsch, sondern das Schaffen einer Veränderung in denen, die ihn annehmen. Diese Änderung der Denkrichtung auf den Frieden hin ist für ihn notwendig, um dem Frieden näher zu kommen. Ist diese Umkehr aber heute nicht illusorisch? Ist der Weg zu einem „unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“, wie ihn der Papst in seiner Weltfriedensbotschaft vor Augen hat, nicht unbegehbar gemacht durch die herrschenden Kriege und durch den Ruf nach immer stärkerer und besserer Bewaffnung?
Tatsächlich ist es unter den gegebenen Bedingungen so, dass Aufrüstung notwendig erscheint, um dem Frieden überhaupt eine Chance zu geben. Aber in all diesen Verwerfungen ist der Papst der Überzeugung, dass der Friede existiert, „er will in uns wohnen, er hat die sanfte Kraft, den Verstand zu erleuchten und zu weiten, er widersteht der Gewalt und überwindet sie. Der Friede hat den Atem der Ewigkeit: Während man dem Bösen entgegenruft ‚Genug!‘, flüstert man dem Frieden zu: ‚Für immer!‘“.
Gerade in einer Welt, in der das Dunkel des Krieges und der Gewalt den Blick auf das Licht des Friedens verdecken, gilt es für Leo XIV., die Aussicht auf Frieden zu öffnen. Dieses Licht zu übersehen, „ist leider möglich: Man verliert dann den Wirklichkeitsbezug und überlässt sich einer partiellen und verzerrten Vorstellung von der Welt, die von Dunkelheit und Angst geprägt ist.“ In dieser Friedens-Vergessenheit ist es unsere Aufgabe, den Frieden für Entscheidungen bestimmend zu machen, über Bewaffnung und Rüstung hinauszudenken auf die gemeinsame Würde aller Menschen hin. Dabei gilt es, die „Logik der Gegensätzlichkeit“ zu überwinden, die für den Papst „der derzeit relevanteste Umstand für die globale Destabilisierung“ ist, „die jeden Tag dramatischer und unvorhersehbarer wird.“ In einem solchen Denken bleibt nämlich der Friede ausgeklammert, er fungiert vielleicht als utopisches Ideal, nicht aber als gelebte Wirklichkeit, die den Dialog anregt.
Unter dem Vorzeichen einer allgemeinen Geschwisterlichkeit hingegen können Gedanken des Friedens wurzeln, Gedanken und Taten, die auch auf der politischen Ebene entwaffnend wirken – etwa der Weg der Diplomatie, der Vermittlung, des Völkerrechts, „der leider durch immer häufigere Verstöße gegen mühsam erzielte Vereinbarungen konterkariert wird“. Wir brauchen in einer Zeit des Misstrauens und der Täuschung den Aufbau von Vertrauen auf allen menschlichen Existenz-Ebenen. Als Frucht des „Heiligen Jahres der Hoffnung“ wünscht Papst Leo, dass viele Menschen „in sich jene Entwaffnung des Herzens, des Geistes und des Lebens“ beginnen, auf die Gott „mit der Erfüllung seiner Friedensverheißungen“ antworten würde. Machen wir dieser Hoffnung Beine.
Leopold Neuhold
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.