4.Sonntag/Osterzeit: Dr.Richard Tatzreiter
Wer gehört dazu?

Die ältesten Darstellungen zeigen Jesus nicht als Gekreuzigten, sondern als guten Hirten, der für die ihm Anvertrauten sorgt, wie auf diesem Fresko im Mausoleum der Kaisertochter Galla Placidia in Ravenna (um 450). 
 | Foto: Von Feldstein – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, File: Mausoleum der Galla Placidia,  Ravenna, Italien.JPG - Wikimedia Commons
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  • Die ältesten Darstellungen zeigen Jesus nicht als Gekreuzigten, sondern als guten Hirten, der für die ihm Anvertrauten sorgt, wie auf diesem Fresko im Mausoleum der Kaisertochter Galla Placidia in Ravenna (um 450).
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Plötzlich waren meine Eltern und mein Bruder verschwunden und ich stand im Alter von etwa fünf Jahren bei einer Veranstaltung in einem Saal inmitten fremder Menschen allein da. Eine Dame, die meine Situation bemerkte, beugte sich zu mir und sagte: „So wie du ausschaust, gehörst du zur Familie, die gerade hinausgegangen ist.“ Sie nahm mich an der Hand, wir gingen Richtung Ausgang, als ich im Menschengetümmel schon von Weitem die vertraute Stimme meines Vaters hörte, der mich rief. Kurz darauf war ich wieder mit meinen Angehörigen beisammen, dank der äußerlichen Merkmale und dieser aufmerksamen Frau. Damals spürte ich als Kind, wieviel mir die Zugehörigkeit zur eigenen Familie bedeutet.

In verschiedenen Situationen von Begegnungen, auch in der Priesterausbildung, merke ich: Es ist offenbar ein innerer Wunsch und ein tiefes menschliches Grundbedürfnis, nicht in einer völlig isolierten Existenz zu vegetieren, sondern konkrete Zugehörigkeit zu anderen Menschen zu erleben, die Erfahrung zu machen, nicht verloren zu sein.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (Gen 2,18), so spricht Gott selbst die Wahrheit über unser Menschsein aus, die uns in unserem Dasein begleitet. Unsere Verwiesenheit auf ein anderes menschliches „Du“ prägt uns von Anfang an. In Gemeinschaftsbildung und Gruppendynamik spielt es bekanntlich eine große Rolle, wer in welcher Weise dazugehört oder nicht dazugehört: in der Familie, im Freundeskreis, in der Ortschaft, in der Schulklasse, in der digitalen Welt.

Konkrete Antwort auf Berufung durch den Herrn maßgeblich

Der Begriff „Kirche“ ist eine Zugehörigkeitsbezeichnung, die sich auf alle bezieht, die zu Christus Jesus, dem Herrn, gehören. Auf die Frage, wer „eigentlich“ zur kirchlichen Gemeinschaft gehöre und so als Teil der Herde Jesu Christi, des guten Hirten, zu gelten habe, schreibt der große Lehrer Aurelius Augustinus (354-430) in einer Schriftauslegung: „Daraus wird deutlich, wie wir unsere Brüder erkennen. Viele sind drinnen, gleichsam dazugehörig; aber keiner ist draußen, es sei denn, er ist wahrhaftig draußen.“ Damit lenkt der heilige Augustinus den Blick darauf, dass neben den sichtbaren, institutionellen Kriterien dieser Zugehörigkeit zur Kirche (z. B. Empfang von Taufe und Firmung) auch die konkrete Antwort auf die Berufung durch den Herrn zu einem christlichen Leben maßgeblich ist.

Unsere Verwiesenheit auf ein anderes menschliches „Du“ prägt uns von Anfang an.

Letztlich kommt es demnach darauf an, nicht nur formell „dabei“ zu sein, sondern sich mit dem eigenen Leben auf die Spur der Lebenshingabe Jesu Christi einzulassen und so in Wort und Tat dem Ruf seiner Stimme zu entsprechen, ihn zu lieben: „unbewusst, wer dich nicht kennt, sehnsuchtsvoll, wer um dich weiß“, wie es in einem Hymnus heißt.

Bedeutung des Hirtendienstes

Nach dem Zeugnis des Johannesevangeliums versteht sich Jesus im Unterschied zu „Dieben“ und „Räubern“ als der gute Hirte, der „die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen ruft“ (Joh 10,3). Das Hören und Erkennen seiner Stimme stiftet und prägt die Zugehörigkeit zu ihm und zu seiner Herde. Wenn uns an diesem Sonntag dieses persönliche Zu-Christus-Gehören für unser christliches Leben und unsere Existenz als Kirche in dieser Welt in Erinnerung gerufen wird, so denken wir auch daran, dass die fruchtbare Ausübung des geistlichen Hirtendienstes in der Kirche aus dieser grundlegenden Zugehörigkeit genährt wird.

Die ältesten Darstellungen zeigen Jesus nicht als Gekreuzigten, sondern als guten Hirten, der für die ihm Anvertrauten sorgt, wie auf diesem Fresko im Mausoleum der Kaisertochter Galla Placidia in Ravenna (um 450). 
 | Foto: Von Feldstein – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, File: Mausoleum der Galla Placidia,  Ravenna, Italien.JPG - Wikimedia Commons
Regens Kan. Dr. Richard Tatzreiter | Foto: zVg
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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