2. Sonntag Osterzeit: Abt Norbert M. Lesovsky
Glaube ist niemals einsam

„Der ungläubige Thomas“ ist eines der berühmtesten Gemälde des italienischen Barock-Meisters Caravaggio, geschaffen um 1601–1602.  | Foto: Gemeinfrei
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  • „Der ungläubige Thomas“ ist eines der berühmtesten Gemälde des italienischen Barock-Meisters Caravaggio, geschaffen um 1601–1602.
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Manch einer von uns hat wohl schon einmal ein größeres Fest ausgerichtet oder daran teilgenommen. Ein Fest von Bedeutung erfordert nicht nur Zeit, sondern auch Hingabe und Aufmerksamkeit – oft braucht es mehrere Tage, um die Tiefe und Fülle eines solchen Festes wirklich zu erleben und zu feiern. Doch diese äußere Dimension, die Zeitspanne des Feierns, ist nur ein Teil dessen, was ein Fest ausmacht. Viel wichtiger ist die geistige und seelische Erfahrung, die durch das Zusammensein entsteht. Ein Fest, das man alleine begeht, verliert seinen wahren Glanz. Es wird leer, trostlos und ohne das lebendige Pulsieren der Gemeinschaft.

Ein Fest lebt von Gemeinschaft, von der Verbundenheit der Menschen, die zusammenkommen, ihre Freude teilen. So haben wir nun acht Tage lang Ostern gefeiert – das strahlende Fest der Auferstehung, das die Dunkelheit des Todes durchbricht und das Licht des Lebens hervorbringt. Für alle, die zu Ostern die Auferstehung Jesu Christi feiern, wird deutlich, dass ein solches Fest niemals eine einsame Angelegenheit sein kann. Glaube ist zutiefst persönlich, doch er ist niemals einsam. Ein Mensch, der wirklich gläubig werden möchte, braucht die Gemeinschaft als geistige Heimat, als Kraftquelle und als Spiegel, in dem der eigene Glaube wachsen und reifen kann.

Bedeutung der Gemeinschaft

Gerade in Bezug auf Gemeinschaft lohnt es sich, unseren Blick auf Jesus selbst zu richten, auf seine Worte zu hören. Ein besonders eindrucksvolles Bild für Gemeinschaft finden wir im Evangelium immer wieder im gemeinsamen Essen. Das gemeinsame Brechen des Brotes war für Jesus ein heiliger Raum, ein Ort, an dem Heilung geschah und Versöhnung möglich wurde. Es ist ein Zeichen dafür, dass Gemeinschaft Präsenz erfordert – das bewusste Zusammensein und Teilen dessen, was uns nährt und trägt. So zeigt sich, dass Gemeinschaft nicht nur eine äußere Zusammenkunft ist, sondern ein spiritueller Raum, in dem Gottes Liebe erfahrbar wird.
Ein weiteres tiefgreifendes Zeichen von Gemeinschaft ist das Vater Unser. Es beginnt nicht mit „Mein Vater“, sondern mit „Unser Vater“. Dieses Gebet offenbart, dass Glaube bei Jesus nie eine einsame Sache ist, sondern immer eine gemeinschaftliche Erfahrung. Jesus sendet seine Jünger meist zu zweit aus, weil der Weg des Glaubens alleine schnell schwer und einsam werden kann. Gemeinschaft bei Jesus bedeutet, einen sicheren Ort zu schaffen, an dem Unvollkommenheit willkommen ist und in dem die Liebe Gottes durch das Miteinander lebendig wird.

Thomas Zweifel sind nachvollziehbar

Das Sonntags-Evangelium erzählt von Thomas, einem Menschen, der mit seinem Glauben rang. Er wird oft als „ungläubiger Thomas“ bezeichnet, doch eigentlich ist er ein Suchender mit kritischem Verstand. Thomas möchte nicht leichtgläubig sein, wenn es um die Auferstehung Jesu geht, wie ihm die anderen berichten. Seine Zweifel sind menschlich und nachvollziehbar. Doch bemerkenswert ist, dass die anderen Jünger ihn nicht verurteilen oder ausgrenzen. Sie tragen ihn in der Gemeinschaft, schenken ihm Zeit und vertrauen darauf, dass Jesus selbst ihn überzeugen wird.

Diese Haltung offenbart eine tiefe Wahrheit: In der Kirche gibt es einen wichtigen Dienst, nämlich den, Zweifel mitzutragen und auszuhalten. Zweifel sind kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Teil des Glaubensweges. Für das Leben mit dem Zweifel braucht jeder Mensch die Gemeinschaft, das offene Gespräch mit anderen, die glauben oder vielleicht dieselben Fragen haben. Zweifel sind kein Grund, sich von der Gemeinschaft der Gläubigen abzuwenden. Vielmehr laden sie uns ein, uns tragen zu lassen von der Gemeinschaft, in der Jesus uns das Brot reicht.

Möge auch uns die Gemeinschaft öffnen, die Augen für das Wunder der Auferstehung und die Kraft der Liebe Gottes. Mögen wir, durch diese Gemeinschaft gestärkt, wie Thomas aus tiefstem Herzen bekennen: „Mein Herr und mein Gott.“ So wird unser Glaube lebendig, getragen von der Liebe, die uns verbindet und heil macht.

„Der ungläubige Thomas“ ist eines der berühmtesten Gemälde des italienischen Barock-Meisters Caravaggio, geschaffen um 1601–1602.  | Foto: Gemeinfrei
Abt Norbert Mario Lesovsky | Foto: Stift Geras
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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