3. Sonntag: P. Siegi Kettner
Corragio! Fassen wir Mut, uns dem Herrn zuzuwenden und dem Nächsten

Der Jugendapostel Don Bosco, der am 31. Jänner gefeiert wird, steht für Neues, Aufbruch und Mut. | Foto: Salesianer Don Boscos
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  • Der Jugendapostel Don Bosco, der am 31. Jänner gefeiert wird, steht für Neues, Aufbruch und Mut.
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Auch Evangelisten schreiben ein Vorwort: Da fehlt doch etwas! Der Abschnitt des Evangeliums nach Lukas, der uns an diesem Sonntag verkündet wird, beginnt zwar mit dem 1. Kapitel, aber plötzlich setzt er bei Kapitel 4 fort. Die Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu: ausgelassen! Die Taufe durch Johannes am Jordan: fehlt! Die Versuchung durch den Teufel in der Wüste: keine Rede davon!

Bevor im 4. Kapitel vom ersten öffentlichen Auftreten Jesu in seiner Heimatstadt Nazaret berichtet wird, gibt der Evangelist eine Art „Erklärung“ ab. Er gibt an, warum er sein Evangelium verfasst hat: Er will „der Reihe nach“ aufschreiben, was andere zwar schon aus der mündlichen Überlieferung schriftlich festgehalten haben, aber scheinbar unzusammenhängend und ohne roten Faden.

Die Verheißung soll jetzt Wirklichkeit werden: Arme dürfen Hoffnung schöpfen, Gefangene kommen zur Freiheit ...!

Dabei hat er einen konkreten Leser im Sinn, den er auch beim Namen nennt: Theóphilus. Der Name bedeutet „von Gott geliebt“ oder „der Gott liebt“. Ist damit vielleicht der Auftraggeber dieses Werkes gemeint? Ein Mäzen? Oder ist es eine fiktive Anrede? Mir scheint, dass der Evangelist jeden Leser und jede Leserin seines Werkes meint, seien es seine Zeitgenossen damals oder wir heute. Er nennt auch seine Absicht: er will den Lesenden von der „Zuverlässigkeit“ der Lehre überzeugen. Er zeigt dabei einen Weg, diese Lehre zu leben. Und diesen Weg geht Jesus voran.

Jetzt ist die Zeit!

In unserem Evangeliums-Abschnitt ergreift Jesus beim wöchentlichen Sabbat-Gottesdienst die dargebotene Schriftrolle, um daraus vorzulesen. „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat mich gesalbt.“ Das erinnert an den Vers, den wir wenige Zeilen zuvor finden: „In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück.“ Jesus weiß sich vom Geist Gottes erfüllt und in seiner Sendung bestätigt. Was er dabei an heftige Reaktionen bei seinen Zuhörern auslöst, davon wird das nächste Kapitel berichten.

Unabhängig von der Meinung anderer gilt für Jesus: Die Verheißung, die der Prophet Jesaja seinem Volk Jahrhunderte zuvor verkündet hat, soll jetzt Wirklichkeit werden. Arme dürfen neue Hoffnung schöpfen, jene, die gefangen sind, in Ausbeutung durch andere oder Selbstbetrug, können Freiheit erlangen, Blinden gehen die Augen auf. Kurzum: Neubeginn! Ein Gnadenjahr! Jetzt! – Die Voraussetzung dafür: das Herz Gott zuwenden!

Neujahrsvorsätze: je konkreter, desto besser

Hand auf’s Herz! Hat in irgendeinem Ihrer Neujahrsvorsätze Ihre Beziehung zu Gott einen Niederschlag gefunden? Oder das Verhalten zum Nächsten? Als Christinnen und Christen wissen wir, dass Gottes- und Nächstenliebe nicht zu trennen sind.

Mit Gott im Gebet intensiver, regelmäßiger oder überhaupt in Kontakt treten, das wäre doch ein wertvoller Vorsatz! Oder den Sonntag als einen heiligen Tag begehen, der nicht zuerst der Freizeitgestaltung dient, sondern vor allem Ausdruck der Dankbarkeit Gott gegenüber ist. Das Sakrament der Versöhnung, d. h. die Beichte, neu entdecken, weil mir da Gott als liebevoller Vater entgegenkommt. Und was soll und muss ich ändern im Umgang mit anderen und im Denken über sie? Wie soll meine Unterstützung für jene konkret aussehen, die Hilfe brauchen? Und, und, und …

Gelegenheit zu mutigem Neuanfang

In diesen Tagen, ganz genau am 31. Jänner, gedenkt die Kirche des großen Jugendapostels Johannes Bosco. „Coraggio!“, „Mut!“ hat der heilige Don Bosco seinen Jugendlichen oft zugerufen. Wagen wir Neues! Fassen wir Mut, uns neu dem Herrn zuzuwenden und auch unserem Nächsten! Damit sich an uns und durch uns seine Verheißungen erfüllen.

Das Heilige Jahr, das Papst Franziskus nach der Tradition der Kirche für dieses Jahr proklamiert hat, kann so auch ohne eine Romreise und ohne das Durchschreiten der Heiligen Pforte zu einem Gnadenjahr werden. Coraggio!

Der Jugendapostel Don Bosco, der am 31. Jänner gefeiert wird, steht für Neues, Aufbruch und Mut. | Foto: Salesianer Don Boscos
P. Siegfried M. Kettner SDB wurde 1963 in Waidhofen/Ybbs geboren. 1985 trat er in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. Es folgten Studien der Philosophie, Sozialpädagogik und Theologie in Benediktbeuern. 
1995 empfing P. Siegi die Priesterweihe. Dann übernahm er verschiedene Aufgaben in der Jugendarbeit des Ordens und war Pfarrer in Wien. Seit 2020 ist er Provinzial der Salesianer Österreichs. P. Siegi ist auch Vorstandsmitglied der Österreichischen Ordenskonferenz.  | Foto: z.Vg
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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