Pilgerorte der Welt: Tschenstochau
Wallfahrtsort mit großen Emotionen
- Am 13. April 2013 wurde in Tschenstochau die weltgrößte Statue von Johannes Paul II. enthüllt, der eng mit dem Wallfahrtsort verbunden war. Die XXL-Statue des 2005 verstorbenen Pontifex misst 14 Meter.
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Der größte polnische Wallfahrtsort ist ein Ort des Glaubens für jährlich Millionen von Pilgern. In der wechselvollen Geschichte des Landes bietet Tschenstochau nationale Identität.
Die Geschichte des Klosters in Tschenstochau auf Jasna Góra (Dt. Klarenberg oder Heller Berg) beginnt im Jahre 1382, als der Herzog von Oppeln Władysław die Pauliner vom Hellen Berg in Buda in Ungarn geholt hat. Die Anfänge waren sehr bescheiden: eine Holzkirche und ein gemauerter Verteidigungsturm. Die ersten 16 Mönche siedelten sich dort an. Im Jahr 1384 schenkte der Herzog dem Kloster eine aus der Region um Halytsch (der heutigen Westukraine) stammende Ikone der Gottesmutter Maria.
Ikone im Zentrum der Verehrung
Der Legende nach wurde diese Marien-Ikone vom Evangelisten Lukas auf Holz des Tisches der Heiligen Familie geschrieben. Tatsächlich stammt diese Ikone aus der Zeit der Klostergründung in Tschenstochau und wurde im byzantinischen Stil gefertigt. Diese Ikone ist schnell zum Zentrum des religiösen Kultes in der Region geworden.
Noch im 14. Jahrhundert hat der polnische König Władysław II. Jagiełło das Kloster mit Ländereien reicher ausgestattet. Das Kloster wurde im Jahr 1430 von Räubern überfallen und geplündert. Im 17. Jahrhundert wurde eine größere Kirche gebaut.
Die Agenten haben alle lautstark die religiösen Lieder mitgesungen.
Der zweite nordische Krieg (1655–1660) war für den Wallfahrtsort und seine Bedeutung für Polen entscheidend. Die schwedischen Streitkräfte hatten Polen-Litauen weitgehend eingenommen. Als das Kloster in Tschenstochau belagert wurde, konnten 100 Mönche und 160 Soldaten die schlecht befestigte Anlage gegen ca. 4.000 Soldaten erfolgreich verteidigen. Dieser erste Erfolg der polnischen Streitkräfte wurde schnell der Fürsprache Mariens zugeschrieben. Das Kloster wurde später auch in verschiedenen Kriegen Zeuge von Schlachten und Belagerung. So wurde nach und nach die Muttergottes von Tschenstochau zur Schutzpatronin Polen-Litauens. An dem Bild haben polnische Könige, die auch Großherzöge von Litauen waren, gebetet und gedankt.
Bedeutung während Sozialismus
Besonders bedeutend für Jasna Góra in Tschenstochau war die Zeit des Sozialismus. Der polnische Primas Stefan Kardinal Wyszyński hat 1953 gemeinsam mit den Bischöfen einen Brief an die Regierung verfasst. Dieser Brief, den man in Polen unter dem Namen „Non possumus“ („Wir sind nicht imstande“) kennt, richtete sich gegen den Versuch, die katholische Kirche unter die Kontrolle der Regierung zu bringen. Daraufhin wurde Kardinal Stefan Wyszyński bis 1956 inhaftiert. In der Haft entschied er, das Land an Maria noch einmal zu weihen. Die feierliche „Weihe der Nation“ fand am 26. August 1956 auf Jasna Góra statt.
Die Bedeutung der katholischen Kirche für die Bevölkerung Polens nach 1945 ist kaum zu unterschätzen. Sie war ein Symbol der Freiheit und die Stimme gegen Entgleisungen des staatlichen Machtapparates. Auch wenn die Geistlichen punktuell verfolgt wurden und die Behörden dem Bau neuer Kirchen immer im Wege standen, konnte die katholische Kirche einen Raum schaffen, in dem die polnische Identität sich frei entfalten konnte.
Ich erinnere mich an die Erzählungen älterer Menschen, die über Gottesdienste und Wallfahrten berichteten, bei denen auch die Geheimpolizei stark vertreten war. Die Agenten haben aber alle lautstark die religiösen Lieder mitgesungen – sie hätten es nie gewagt, öffentlich gegen die Ausübung der Religion vorzugehen. Auch die Beamten des Staates ließen ihre Kinder teilweise heimlich taufen und zur Erstkommunion gehen.
Jährlich 3,5 Millionen Pilger
Es ist heute kaum vorstellbar, was es damals bedeutete, in einer Fußwallfahrt nach Jasna Góra zu gehen. Es war ein anderes Leben – getragen von Glauben, Gemeinschaft und Freiheit. Jährlich gab und gibt es viele Fußwallfahrten aus allen Ecken Polens, die älteste ist rund 400 Jahre alt, die größte zählt 7.000 Personen. Manche Pilger legen dabei mehr als 600 Kilometer zurück.
Diese und viele andere Wallfahrten ziehen noch heute jährlich mehr als 3,5 Millionen Pilgerinnen und Pilger an. Jasna Góra ist für viele in Polen immer noch ein sehr emotionaler Ort. Manchmal aufgrund von Erinnerungen, manchmal aufgrund eines tiefen Glaubens. Es war z. B. lange Zeit eine Tradition, dass Maturaklassen dorthin gefahren sind – mit der Bitte um gute Ergebnisse und den Segen Gottes.
Auch ein komplizierter Ort
Tschenstochau ist heute aber auch eine komplizierte Stadt. Ein Ort des lebendigen Glaubens von Millionen. Aber auch ein Ort der Politik, der oft Bühne für all das bietet, was in der Kirche nichts zu suchen hat. Tschenstochau hat Geschichte – seit der Gründung ist dieser Ort vor allem mit starken Emotionen beladen – und bleibt auch heute spannend, verbindend und trennend.
Jasna Góra ist in Polen mit Abstand der größte und wichtigste Wallfahrtsort. Viele pilgern dorthin in der Hoffnung, Heilung, einen guten Rat und Segen zu finden. Wenn man in der Kapelle des Bildes der Muttergottes ankommt, kann man auch rund um dieses Bild einen Opfergang machen. Fast alle tun dies auf Knien – davon zeugen auch die Spuren im Steinboden.
Tschenstochau ist immer voll von Menschen. Es gibt viele geistliche Angebote: Beichte, heilige Messen, Andachten, Katechesen u. v. m. Die Infrastruktur ist gut ausgebaut – mit riesigen Parkplätzen und Gaststätten. Man kann auch ruhige Plätze finden – auf den Mauern der Festung oder in der Stadt darunter. Überall sind betende Menschen jeden Alters anzutreffen.
Jasna Góra ist auf jeden Fall einer der beeindruckendsten Wallfahrtsorte Europas und von St. Pölten nur 500 Kilometer entfernt.
Reisetipp
Wenn man nach Polen fährt, empfiehlt sich die Route: Krakau – Auschwitz – Tschenstochau – und Breslau. Beim Besuch dieser Orte bekommt man einen guten Eindruck dafür, was Polen ist und wer die Menschen sind, die dieses schöne Land bewohnen.
Tschenstochau (Częstochowa) liegt an der Warta (Warthe), dem drittlängsten Fluss in Polen. Die 1220 erstmals erwähnte Stadt zählt heute rund 230.000 Einwohner. Wichtigstes Bauwerk ist das Paulinerkloster auf dem Jasna Góra.
Basilika
Seit 1906 trägt die Kirche den Rang einer Basilika. Vorher trug sie den Namen „Kirche des Heiligen Kreuzes und der Heimsuchung der Gottesmutter“. Sie besteht in ihrer heutigen Form seit Anfang des 18. Jahrhunderts, als sie nach dem Brand von 1690 als dreischiffige Basilika im Barockstil wiedererbaut wurde.
Kurzer Ruf, der auf Jasna Góra oftmals gebetet wird
Maria, Königin Polens! /
Maria, Königin Polens! /
Ich bin bei dir und ich gedenke deiner /
ich bin bei dir und wache!
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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