Ausstellung
Heilige Zeiten im Stift Göttweig
- Die hl. Erentrudis.
- Foto: Peter Böttcher, IMAREAL
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Im Benediktinerstift Göttweig verläuft das Leben der Mönche in Beziehung zu der Welt der Heiligen, unter dem besonderen Schutz Mariens und nach dem Regelwerk des heiligen Benedikt von Nursia. Die aktuelle Sonderausstellung im „Museum im Kaisertrakt“ thematisiert die zentrale Bedeutung von Heiligen für die Benediktiner auf dem Stiftsberg. Im Zusammenhang mit Heiligenverehrung finden freilich nicht nur die Gewohnheiten der Benediktiner Berücksichtigung, sondern auch jene der Benediktinerinnen, die bis 1557 in Göttweig lebten.
Es ist ein wichtiger Teil der täglichen klösterlichen Routine, zu Ehren von Heiligen zu beten, zu lesen, zu singen und eben auch zu feiern – wie es vor allem auch alljährlich zum Gedenken des Todestages des Ordensgründers Benedikt von Nursia (um 480-547) am 21. März geschieht. Das Stundengebet, die Messen sowie die private geistliche Lesung sind von Heiligenverehrung geprägt. Das Bibelstudium und die Beschäftigung mit biblischen Heiligen kann in Zurückgezogenheit oder in der Mönchsgemeinschaft erfolgen: d. h. es wird aus der Heiligen Schrift vorgelesen, ebenso aus dem Martyrologium. Hierbei handelt es sich um eine Auflistung von Seligen und Heiligen, die zu allen Kalendertagen des Jahres kurze biographische Angaben enthält. Ein „Römisches Martyrologium“ ist in der heurigen Sonderausstellung zu sehen, die Papierhandschrift entstand im Jahr 1590.
Wie sehr Mönche mit Heiligen verbunden sind, wird an ihren Ordensnamen sichtbar, die gegenüber den Taufnamen Priorität haben. Mit dem Klostereintritt erhält jeder Novize den Namen eines Heiligen, seines künftigen Schutzpatrons. In Göttweig orientiert sich die Vergabe der Ordensnamen besonders an der Bibel und am Leben des heiligen Benedikt.
Um die „heiligen Zeiten“ eines Jahres überblicken zu können, wurden bereits im Mittelalter Heiligenkalender erstellt – unverzichtbare Hilfsmittel, die sich je nach Region, Diözese und Orden unterscheiden konnten. Auf Göttweiger Verhältnisse bezogene Kalender berücksichtigen immer den Stifter Bischof Altmann von Passau (8. 8.) und den Ordensgründer Benedikt von Nursia (21. 3.). So werden die beiden Heiligen selbstverständlich auch in dem einzigen erhaltenen Heiligenkalender der Benediktinerinnen von Göttweig genannt.
Die heilige Erentrudis
Im Unterschied zu Kalendern des Männerklosters findet sich in jenem des Frauenklosters auch der Name der heiligen Erentrudis, schließlich kam ihr als Kirchenpatronin bis ins 15. Jahrhundert besondere Verehrung zu; die Erentrudiskirche, im Südwesten der heutigen Stiftsanlage gelegen, war das Zentrum des Benediktinerinnenklosters.
Der Heiligenkalender der Göttweiger Schwestern bildet den ersten Abschnitt einer Sammelhandschrift aus ihrem Besitz (ca. 1505). Gemäß aktuellem Forschungsstand hat nur diese Handschrift der Klosterfrauen die Zeiten überdauert, und zwar in der Stiftsbibliothek Altenburg; über den restlichen Quellenbestand der Benediktinerinnen ist nichts bekannt. Entsprechend große Bedeutung kommt dem erhaltenen Werk zu, es bietet Einblicke in die Lebensrealität der Nonnen. Wie sehr das Textzeugnis auch von den Göttweiger Benediktinern geschätzt wurde, beweist eine Kopie, die P. Erembert Stiefvater OSB (1712-1788) im Jahr 1762 fertigstellte – die äußerst sorgfältige Abschrift kann im ersten Schauraum der Sonderausstellung bewundert werden.
Göttweiger Email-Kalender
Ein aus kunsthistorischer Sicht höchst bemerkenswertes Ausstellungsobjekt ist der „Göttweiger Emailkalender“ (nach 1730), ein immerwährender Heiligenkalender in Buchform, dessen Korpus aus Holz gearbeitet wurde. Holztafeln mit lachsfarbener Seidenbespannung repräsentieren die einzelnen Kalenderblätter, darauf wurden Silberschilder mit den Monatsnamen sowie Emailmedaillons mit den Portraits der Tagesheiligen montiert. Die hochovalen Medaillons sind charakterisiert durch Farbigkeit und Detailgenauigkeit, glänzende Goldblechrahmen verleihen den kleinen Heiligenbildchen besondere Strahlkraft. Die Emails dürften in Böhmen gefertigt worden sein, den hölzernen Kalenderblock stellte ein Tischler aus der Region Göttweig her. Der Emailkalender ist ein absolutes Unikat und diente als Schaustück der Göttweiger „Kunst- und Wunderkammer“, die in der Amtszeit von Abt Gottfried Bessel (reg. 1714-1749) begründet und stetig erweitert worden ist.
Reine Heiligenkalender finden im klösterlichen Alltag heute kaum noch Verwendung, vielmehr bedienen sich die Benediktiner von Göttweig eines liturgischen Kalenders, der Heiligenfeste und -gedenktage mitberücksichtig: Anhand des sogenannten „Direktoriums für Chorgebet und Eucharistiefeier der Österreichischen Benediktinerkongregation“ kann das Kirchenjahr überblickt werden. Diesem Handbuch ist zu entnehmen, dass der Todestag Bischof Altmanns nur in Göttweig als Hochfest gilt. Am 8. August wird des Heiligen im kleineren Kreis der Göttweig Benediktiner gedacht; die Feierlichkeiten im größeren Rahmen mit einem Hochamt finden dann stets am Altmannisonntag statt, das ist der Sonntag, welcher dem Gedenktag am nächsten liegt.
Heiligenverehrung und
klösterliches Leben bilden
auch heute noch eine Einheit.
Die Verehrung Altmanns als Heiliger setzte unmittelbar nach seinem Ableben ein. Die erhaltenen Reliquien ruhen in einem barocken Schrein (Altmanni-Schrein), der sich in der Stiftskirche Göttweig, genauer in der Altmanni-Krypta befindet – dort beten die Benediktiner die Komplet. Indem die Mönche das Nachtgebet sozusagen in Gegenwart Altmanns abhalten, stellen sie Tag für Tag ihre Verbundenheit mit dem Heiligen unter Beweis. An dieser Tradition wird sichtbar, dass Heiligenverehrung und klösterliches Leben auch heute noch eine Einheit bilden, insbesondere im Hinblick auf den heiligen Altmann und den heiligen Benedikt, aber auch in Bezug auf viele andere Heilige.
Die Sonderausstellung schafft ein Bewusstsein dafür, dass Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Göttweiger Benediktiner vom Glauben an heilige Männer und Frauen bestimmt werden. Kirchen und Kapellen stehen unter dem Schutz von Heiligen, deren Verehrung sich in der Aufbewahrung von Reliquien manifestiert. Künstlerische Darstellungen, besonders in Form von Malereien und Skulpturen, verdeutlichen sowohl in der Stiftskirche als auch in den Kirchen der 28 Stiftspfarren die Präsenz von Heiligen im Leben der Benediktiner, und das zu allen Zeiten.
Im Heiligen Jahr 2025 zählt die Stiftskirche Göttweig zu den „Kirchen der Hoffnung“ in der Diözese St. Pölten: Die Kirche steht Gästen offen, ebenso das Stiftsmuseum mit der Sonderausstellung „Heilige Zeiten – Heilige Vielfalt. Göttweiger Heiligenverehrung seit mehr als 900 Jahren“.
Die Autorin: Mag. Dr. Angelika Kölbl ist die Kuratorin der Sonderausstellung.
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr
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Sonderführungen: jeweils um 14 Uhr mit Kuratorin Dr. Kölbl am 27. Juni, 8. August und 19. September; am 31. Oktober um 18.30 Uhr; und am 5. Dezember ist die Führung um 13 Uhr mit Ute-Eva Thiem. Der Treffpunkt ist jeweils bei der Museumskassa. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Tel. 02732/855 81-231.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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