Gastkommentar von MMag. Armin Haiderer
Abtreibung: Ein Menschenrecht?

MMag. Armin Haiderer, Präsident der KA St. Pölten
  • MMag. Armin Haiderer, Präsident der KA St. Pölten
  • Foto: Wolfgang Zarl/Archiv
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Sagen wir’s so: Mein Vertrauen in das EU-Parlament und seinen Repräsentanten wurde durch die Annahme des Matic-Berichtes nicht gerade gestärkt. Die Auswirkungen sind noch gar nicht absehbar. Ich male nicht gleich den (theoretisch möglichen) Teufel an die Wand, dass künftig jede Kritik an Abtreibung eine Menschenrechtsverletzung darstellt oder Ärzte verpflichtet werden, Abtreibungen durchzuführen, auch wenn sie es aus Gewissensgründen gar nicht wollen. Das sind, ebenso wie die staatlichen Finanzierungen der Abtreibungen, Ziele des Reports.

Abtreibung als Menschenrecht? Warum nicht gleich auch als Notwehr? Es hat ja leider schon Methode, dass das Thema Abtreibung kaum für sich selbst steht, sondern immer im Windschatten von Kampagnen daherkommt, gegen die kaum jemand etwas haben kann: Das jüngste Frauenvolksbegehren oder eben jetzt der Matic-Report mit dem Kernanliegen Frauengesundheit.

Die Verantwortung für die Annahme tragen unsere Politiker. Dafür wurden sie auch gewählt. Hier finde ich persönlich bei den Befürwortern des Berichts so einiges schizophren: Ein von mir geschätzter SPÖ-EU-Mandatar posierte noch vor wenigen Tagen in der „Krone“, weil „unsere Sumsis“ (Bienen) mehr Schutz benötigen. Süß. Überhaupt lautet ein Slogan der SPÖ „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen“. Der geborene wohlgemerkt. Das Menschenfischen der Grünen im katholischen Wählerpool ist legitim und durchaus erfolgreich. Doch der Schutz des ungeborenen Menschen? Seit jeher Fehlanzeige, denn die Grünen vergessen beim Thema Nachhaltigkeit und Ökologie den (ungeborenen) Menschen. Immer schon. Und bei den Neos denke ich mir manchmal, sie sind bei manchen Themen dagegen, bloß weil die Kirche dafür ist. Soll ja auch schon vorgekommen sein. Gegen den Bericht gestimmt haben die ÖVP und die oft als „menschenverachtend“ titulierte FPÖ.

Durch das doch deutliche Abstimmungsergebnis spüren nun fundamentalistische Abtreibungsbefürworter Rückenwind. Die einzige Lösung für mich: Gerade in Österreich unseren Politikern verstärkt kommunizieren, dass Skeptiker der Abtreibung nicht jene Fundamentalisten sind, als die sie gerne dargestellt werden, sondern dass die überwiegende Mehrheit dieses Landes solche Beschlüsse und Praktiken tatsächlich ablehnt.

Übrigens: Der deutsche Bundestag hat beschlossen, ab 2024 das Töten von Hühnerembryonen im Ei nach dem 6. Bebrütungstag zu untersagen. Weil Schmerzempfinden nicht auszuschließen ist. Find ich gut. Bei Küken verboten, beim Menschen erlaubt? Ich versteh’s nicht… !

Anm.: Gastkommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion von „Kirche bunt“ wieder.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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