Umweltschutz und Nachhaltigkeit
Kirchen starten in die Schöpfungszeit

Die Umwelt- und Sozialenzyklika von Papst Franziskus erschien vor zehn Jahren im Jahr 2015 und hat in Kirche, Zivilgesellschaft und Politik zahlreiche Prozesse angestossen. | Foto: Getty-Unsplash
  • Die Umwelt- und Sozialenzyklika von Papst Franziskus erschien vor zehn Jahren im Jahr 2015 und hat in Kirche, Zivilgesellschaft und Politik zahlreiche Prozesse angestossen.
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Die Kirchen in Österreich machen ab dem 1. September, dem Weltgebetstag für die Schöpfung, wieder auf die Dringlichkeit der Bewahrung der Schöpfung aufmerksam. Die Schöpfungszeit steht ganz im Zeichen der vor zehn Jahren veröffentlichten Umwelt- und Sozial-Enzyklia von Papst Franziskus – Laudato si’.

Bis zum 4. Oktober, dem Fest des heiligen Franz von Assisi und offiziellem Ende der fünfwöchigen Schöpfungszeit, finden österreichweit themenbezogene Veranstaltungen und Gottesdienste statt. So gibt es für die Pfarren von den Umweltbeauftragten der Diözesen Unterlagen für die Gestaltung von schöpfungsverantwortlichen Gottesdiensten. Ausgeschrieben wurde auch wieder der diözesane Umweltpreis, mit dem insgesamt sieben Preise zu je 1.000 Euro für schöpfungsverantwortliche und nachhaltige pfarrliche Aktivitäten ausgezeichnet werden. Heuer wird auch erstmals ein Jugendpreis verliehen.

Ökologische Umkehr

Ganz im Fokus der Schöpfungszeit steht die vor zehn Jahren veröffentlichte Umwelt- und Sozial-Enzyklika „Laudato si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ von Papst Franziskus (2015-2025). Mit dem Lehrschreiben wandte sich das heuer am Ostermontag verstorbene Kirchenoberhaupt nicht nur an die Gläubigen, sondern an „alle Menschen guten Willens“.

Laudato si’ wurde weltweit beachtet, politisch wie religiös diskutiert und hat zahlreiche Prozesse in Kirche, Zivilgesellschaft und Politik angestoßen. Der Begriff der „ökologischen Umkehr“ ist seither zu einem Leitmotiv kirchlicher Umweltarbeit geworden. Das betont auch Bischof Alois Schwarz, der in der Österreichischen Bischofskonferenz (BIKO) u. a. für das Thema Umwelt zuständig ist.

In seinem Beitrag für die Zeitschrift „Gesellschaft & Politik“, die zum zehnjährigen Jubiläum der Enzyklika Laudato si‘ erschienen ist und die Entwicklungen des vergangenen Jahrzehnts zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in verschiedenen Bereichen aufzeigt, betont Bischof Schwarz, dass sich die Österreichische Bischofskonferenz mit dem Erscheinen der Enzyklika noch intensiver mit den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit auseinandersetzt und sich verpflichtet habe, als Kirche in Österreich ökologische und nachhaltige Entwicklungsziele in den Diözesen umzusetzen, was in unterschiedlicher Geschwindigkeit geschehe.

Der Mensch wurde ins Paradies gesetzt, doch in unserer säkularen Gesellschaft meint der Mensch, alles selbst erschaffen und herstellen zu können.

Konkret haben sich die Bischöfe drei Ziele gesetzt: Die Erarbeitung und Beschließung „nachhaltiger Leitlinien“; die Energiewende, um die Energieeffizienz zu steigern und den Energiebedarf zu senken bzw. möglichst aus erneuerbaren Energien zu decken. Als drittes Projekt hat man eine ökosoziale Beschaffungsordnung beschlossen – mit Kriterien wie regionaler Einkauf und faire Produktion. Auch auf die ethische Veranlagungsrichtlinien verständigten sich die Bischöfe. Schwarz: „Kirchliche Finanzmittel dürfen keine zerstörerische Wirkung auf das Klima haben“, daher sei die sogenannte Divestment-Erlärung unterzeichnet worden. Damit sei zusätzlich zum bereits bestehenden Ausschluss von Kohleförderung und Fracking in allen Vermögensklassen auch beschlossen worden, dass die Kirche aus allen Unternehmen aussteigt, die fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Erdgas fördern bzw. produzieren.

„Im Grunde ist der christliche Glaube ein Glaube an den Schöpfer. Der Mensch ist ursprünglich ins Paradies gesetzt worden und es heißt im Buch Genesis von jedem Tag: Es war gut“, schreibt Bischof Schwarz in seinem Beitrag. Er betont: „In unserer säkularen Gesellschaft, in der viele Menschen keinen unmittelbaren Bezug mehr zur Schöpfung und zu den Gaben der Schöpfung haben, meinen sie in der Folge daraus, alles selbst erschaffen und herstellen zu können. Der Mensch erschafft sich seine eigene Welt und scheint Gott nicht mehr zu brauchen.“ Abschließend unterstreicht Schwarz die Wichtigkeit, dass die Bemühungen um eine gemeinsame Welt in eine Form von Spiritualität eingebettet werden, „durch die anerkannt und respektiert wird, dass nicht der Mensch das Ganze bildet, sondern dass es einen Gott gibt, der über allem wirkt und uns Menschen in unserer Lebendigkeit erhält. Alle ökologischen Aktivitäten können hilfreich sein, wenn sie rückgebunden sind an ein größeres Ganzes“.
„Frieden mit der Schöpfung“
Die katholischen und evangelischen Umweltbeauftragten Österreichs sehen im Motto der diesjährigen ökumenischen Schöpfungszeit „Frieden mit der Schöpfung“ Ziel und Handlungsaufforderung zugleich. In der kirchlichen Umweltarbeit passiere schon vieles. „Trotzdem gibt es leider noch immer genug Pfarren und kirchliche Einrichtungen, für die Schöpfungsverantwortung bestenfalls ein Randthema ist“, bedauert Markus Gerhartinger, Sprecher der Umweltbeauftragten. „Auch die wollen wir erreichen und motivieren, Taten sprechen zu lassen.“

Um Handlungsempfehlungen, „Good practise“-Beispiele und Wissenswertes rund um die kirchliche Umweltarbeit besser präsentieren zu können, haben die Umweltbeauftragten ihr Online-Portal www.schoepfung.at komplett überarbeitet. Neben Hinweisen auf Aktionen wie Autofasten, „Natürlich feiern“ zur schöpfungsfreundlichen Gestaltung von Pfarrfesten, „Radln in die Kirche“ (heuer am 21. September) oder das EMAS-Programm zur Integration von kirchlichem Umweltmanagement in den Alltag finden sich auch zahlreiche Praxisbeispiele aus Pfarren und kirchlichen Einrichtungen, die zum Mit- bzw. Nachmachen einladen: von denkmalschutzkonformen Photovoltaikanlagen über nachhaltiges Bauen bis hin zu Beispielen wie Lebensmittelrettung.

Um bereits umgesetzte Taten zu würdigen, haben die Umweltbeauftragten gemeinsam mit Kooperationspartnern den kirchlichen Umweltpreis 2025 in den Kategorien Mobilität-“Schöpfungsfreundlich mobil“ und Biodiversität-“Lebensfreundlich aktiv“ ausgeschrieben. Pfarren und kirchliche Einrichtungen können ihre Projekte bis zum Ende der Schöpfungszeit am 4. Oktober einreichen (Infos: www. schoepfung. at/umweltpreis).

Umweltgerechtigkeit ist eine dringende Notwendigkeit,
die über den bloßen Schutz der Umwelt hinausgeht.

Papst Leo XIV. mahnte in seiner Botschaft zum Weltgebetstag, dass die Umweltgerechtigkeit nicht länger als „abstraktes Konzept oder fernes Ziel betrachtet werden könne. Sie sei eine dringende Notwendigkeit, die über den bloßen Schutz der Umwelt hinausgehe. „Es handelt sich in Wirklichkeit um eine Frage der sozialen, wirtschaftlichen und anthropologischen Gerechtigkeit“, schreibt Papst Leo. „In verschiedenen Teilen der Welt ist mittlerweile offensichtlich, dass unsere Erde im Verfall begriffen ist“, betont Leo. „Extreme Naturereignisse, die durch den vom Menschen verursachten Klimawandel hervorgerufen werden, nehmen an Intensität und Häufigkeit zu, ganz zu schweigen von den mittel- und langfristigen Auswirkungen der menschlichen und ökologischen Verwüstung durch bewaffnete Konflikte“, so das Kirchenoberhaupt. Überall würden Ungerechtigkeit, die Verletzung des Völkerrechts und der Rechte der Völker, die Gier und die daraus resultierende Ungleichheit zu Entwaldung, Umweltverschmutzung und Verlust der Biodiversität führen. Angesichts der Umweltzerstörung rief er zu konkreten Taten auf. Der Papst: „In einer Welt, in der die Schwächsten als Erste unter den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels, der Entwaldung und der Umweltverschmutzung leiden, wird die Bewahrung der Schöpfung zu einer Frage des Glaubens und der Menschlichkeit“, so der Papst. Möge man sich immer mehr für den Weg einer ganzheitlichen Ökologie entscheiden, damit sich die „Samen der Hoffnung“ vermehrten.

Schöpfungstag und -zeit

Seit 2015 ist der Schöpfungstag am 1. September offiziell als „Weltgebetstag für die Schöpfung“ im katholischen Kalender eingetragen. Bereits 1989 hatte der damalige Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Dimitrios I., „die ganze orthodoxe und christliche Welt“ eingeladen, am 1. September „zum Schöpfer der Welt zu beten: mit Dankgebeten für die große Gabe der geschaffenen Welt und mit Bittgebeten für ihren Schutz und für ihre Erlösung“. Diese Initiative wurde 1992 von der gesamten orthodoxen Kirche übernommen, katholische und evangelische Ortskirchen folgten. 2007 weitete die dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu/Hermannstadt (Rumänien) dies aus und empfahl, „dass der Zeitraum zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird, um den Klimawandel aufzuhalten“.
KAP/Red.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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