Hl. Bernhard von Clairvaux
Der Bräutigam kommt

Darstellung des sogenannten Amplexus: Christus am Kreuz nimmt den heiligen Bernhard von Clairvaux in den Arm. Deckenfresko im Stift Viktring.
 | Foto: Arcomonte26/CC BY-SA 4.0
  • Darstellung des sogenannten Amplexus: Christus am Kreuz nimmt den heiligen Bernhard von Clairvaux in den Arm. Deckenfresko im Stift Viktring.
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Der heilige Bernhard von Clairvaux, dessen Gedenktag am
20. August gefeiert wird, ist vor allem als Mitgründer des Zisterzienserordens bekannt. Sein Leben war bestimmt von der Sehnsucht nach Christus.

Gebt uns eine Religion ohne Kreuz! So umschreibt der bereits verstorbene US-Fernsehbischof Fulton Sheen die Aufforderung der Hohepriester, die über Christus am Kreuz sagten: „Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben“ (Mk 15,32). Doch gerade im Kreuz liegt das Geheimnis unseres Glaubens. Im Leiden Christi liegt Erlösung. Im Leiden jedes Einzelnen kann nur dann ein Sinn gefunden werden, wenn es sich am leidenden Christus orientiert. Das eigene Leid, aber auch das Leid Christi anzunehmen, gehört zum Kern des Glaubens.

Einer, der immer auf der Suche nach der Vereinigung mit dem leidenden Christus war, war Bernhard von Clairvaux: So sieht man ihn in zahlreichen Darstellungen, wie er Christus am Kreuz umarmt, wie sich beide gegenseitig umfangen; es ist nicht klar, ob Bernhard ihm vom Kreuz herabhilft oder Christus ihn zum Kreuz hinaufzieht.

Das Lied der Lieder

Die Vereinigung zweier Seelen, das ist Thema jenes Buches im Alten Testament, das so viele Deutungsmöglichkeiten hat wie kaum ein anderes: Das Hohelied beschreibt auf der wörtlichen Ebene die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau. Die Dichtung dreht sich um Verlangen, Trennung, Vereinigung und Anziehung – es erzählt auf sinnliche Weise, wie die zwei Liebenden sich annähern, ohne dabei plump oder flach zu werden. Bereits das antike Judentum entdeckte neben dieser Äußerung einen weiteren Sinn: Die Erzählung beschreibt auch die Liebe von JHWH zu seinem auserwählten Volk Israel. Diese Beziehung ist von gegenseitiger Liebe geprägt, aber auch von den Enttäuschungen, die das Volk und Gott voneinander erfahren. Das Christentum, allen voran der heilige Hippolyt, Patron unserer Diözese, bezieht Braut und Bräutigam auf Christus und seine Kirche: Christus nimmt sich seine Kirche zur Braut.

Einer der bekanntesten Ausleger dieser Schrift ist der heilige Bernhard, der in seinen 86 Predigten über das Hohelied eine detaillierte Auseinandersetzung mit diesem dichten, wunderschönen und leicht falsch zu verstehenden Text liefert. Wenn der heilige Bernhard beispielsweise über die Bedeutung der Blumen spricht, die die Braut im Hohelied verwendet, um ihr Bett für die Ankunft des Geliebten zu schmücken, schreibt er, dass sie die guten Werke darstellen, mit denen sich der Mensch und die Kirche auf das Kommen Jesu Christi vorbereiten. Diese Werke sind aber immer zugleich rückverwiesen auf die Quelle und den Typus allen Guten, Jesus Christus: „Er ist zugleich die Blume, die das Brautlager schmückt,
der Spiegel und das Vorbild aller Güte.“

Christus nimmt sich seine
Kirche zur Braut.

Die brennende Sehnsucht nach Gott, die sich in Bernhards Schriften findet, drängte ihn wohl auch dazu, ein so umtriebiger Ordensmann zu sein. Rund 70 Klostergründungen gehen auf ihn zurück und erst durch ihn erhielt der damals junge Reformorden der Zisterzienser sein eigentliches Gesicht: Gelehrsamkeit, Strenge, Frömmigkeit und all dies in und aus der Liebe zu Christus.

Doch wäre seine Gründungstätigkeit nicht genug, war Bernhard auch ein bedeutender Prediger und Kirchenpolitiker. Auch wenn er höhere bischöfliche Würden immer ablehnte, spielte er in der Politik und Kultur seiner Zeit eine große Rolle. Fürsten, Landesherren und Bischöfe hörten ihn und ließen sich von ihm beraten. So bedeutsam war sein Einfluss, dass in der Geschichtsschreibung von der Zeit, in der er lebte, als das „Bernhardinische Zeitalter“ gesprochen wurde.

Dass Bernhard ein Verfechter der Kreuzzüge war, macht ihn aus heutiger Sicht für manche nicht unbedingt sympathisch. Und auch wenn man – wie es immer geboten ist – diesen Aspekt im Kontext seiner Zeit sehen muss, bleibt ein Rest des Widerspruchs zwischen dem Mann, dessen Gottesliebe ihn zu einem der Größten der Kirchengeschichte machte, und dem Prediger für den Kreuzzug.

Was aber auch bleibt, ist das Andenken an einen Mann, der lebte, was er glaubte – und der durch das lebte, was er glaubte: Dass die Kirche die Braut Christi ist, sich für ihn vorbereiten muss und durch ihn vollendet wird.
Von Matthias Wunder

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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