Viele sind historisch interessant
Gläubige lieben ihre uralten Filialkirchen

In manchen Pfarren gibt es uralte Filialkirchen, die von der Bevölkerung mit großer Liebe gehegt und gepflegt werden. Den Gläubigen ist es oft besonders wichtig, dass diese Kirchen nicht nur als altehrwürdig betrachtet werden, sondern lebendig bleiben. Etwa, indem darin Gottesdienste gefeiert werden. Beispiele sind u. a. die Filialkirchen St. Anna (Pfarre Pöggstall), Rems (St. Valentin), Franzhausen (Nußdorf ob der Traisen), Lanzendorf (Böheimkirchen), Kleinzwettl (Gas­tern) oder Obernondorf (Waldhausen).

Eine weitere interessante Filialkirche befindet sich, etwas versteckt abseits der Durchzugsstraße, in Altweitra. Bei der aus Granitquadern errichteten Filialkirche handelt es sich um eine der ersten Kirchen im Waldviertel, einer sogenannten Urkirche. Vermutlich zur Sicherheit der damaligen Fernstraßenverbindung vom Süden über Weitra nach Böhmen wurde in der Zeit zwischen 1182 und 1197 aus Granitquadern eine Wehrkirche erbaut, die auch dem Schutz der Bevölkerung diente. Das Dachgeschoß war bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts Pilgerherberge und Wehr- und Fluchtgeschoß. Als dann einige Zeit später die Stadt Weitra entstand und dort die heutige Pfarrkirche errichtet wurde, verlor die Urkirche in Altweitra die Pfarrrechte und wurde als Filialkirche von Weitra geführt.

Als besonderes Merkmal ist zu erkennen, dass diese Kirche einen neuromanischen Giebelreiter mit Glocke besitzt. 1863 wurde eine Gesamtrenovierung des Bauwerkes vorgenommen. Heute kümmert sich eine Gruppe von Ortsbewohnern um die laufende Pflege der Kirche im Innen- und Außenbereich (Bild li.). Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

50 Jahre Freundeskreis

Am 5. Februar 2022 werden es 50 Jahre, dass sich der „Verein zur Erhaltung der Kirche St. Agatha“ gebildet hat. Die Wurzeln dieser Filialkirche der Pfarre Amstetten-Herz Jesu datieren aus dem 9. Jahrhundert. Gegründet wurde die sagenumwobene Kirche vom bayerischen Stift Metten aus. Mit diesem gab es zuletzt einen regen Austausch und gegenseitige Besuche. Auch erfolgreiche Revitalisierungsversuche gab es in den letzten Jahren, daher ist das Kirch­lein sehr beliebt für Taufen oder Hochzeiten. Die Initiative zum Freundeskreis ging vor 50 Jahren von Bürgermeister Johann Pölz und Dechant P. Josef Bloderer aus. „Die Kirche war damals kurz vor dem endgültigen Verfall. Das Dach war kaputt, was massive Wasserschäden zur Folge hatte“, erinnert sich Nationalrat a. D. Günter Kiermaier. Viel hat die Kirche in all der langen Zeit schon zuvor durchmachen müssen. „Am ärgsten war es in der Zeit der Franzosenkriege, wo sie sogar zu einem Pferdestall entweiht wurde“, so Kiermaier.

In den letzten Jahrzehnten haben sich viele um diesen „kleinen Schatz“ im Ortsteil Eisenreichdornach verdient gemacht: Gemeinde, Bundesdenkmalamt, Salesianer-Orden, Berufsschüler, Regionalentwicklungsverein Amstetten und Einzelpersonen. „Beachtenswert sind die drei frühgotischen Wetterheiligen in der Kirche, das alte Christophorus-Fresko sowie die drei glücklicherweise erhalten gebliebenen Glocken aus dem 16. und 17. Jahrhundert“, erzählt Kirchenführerin Sonja Jandl gerne. „Man muss nicht immer die Kunstschätze in der Ferne suchen, wir haben sie auch zu Hause“, sagen Kiermaier und Ortsvorsteher Andreas Gruber. Das trifft wohl auf viele Filialkirchen zu.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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