Die Kirche wird Weltkirche
Der erste Amerikaner als Kardinal
- John McCloskey war der fünfte Bischof der Diözese New York. Das Foto ist eine Aufnahme aus dem Jahr 1860.
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Vor 150 Jahren wurde mit John McCloskey der erste Nicht-Europäer zum Kardinal ernannt. Das weltweite Wachstum der Kirche wurde ab diesem Zeitpunkt auch in den kirchlichen Strukturen sichtbar.
Für die heutige Zeit ist es ganz normal, dass Bischöfe aus der ganzen Welt zu Kardinälen erhoben (kreiert) werden. Erst bei der letzten Kardinalskreierung durch Papst Franziskus am 7. Dezember 2024 zeigte sich die Weite der Weltkirche: Die 21 neuen Kardinäle stammen aus allen Teilen unserer Erde, von Amerika über Asien und den Nahen Osten bis nach Australien war alles dabei. Aus Europa stammen hingegen nur acht, fünf davon aus Italien. Doch: Das war nicht immer so.
Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein waren es ausschließlich Europäer, denen der Kardinalshut verliehen wurde. Doch die Kirche begann mit Ende des Mittelalters, vor allem mit der Entdeckung des amerikanischen Kontinents, weit über die Grenzen Europas hinauszuwachsen. Besonders schnell waren die kirchlichen Strukturen schließlich in Nordamerika gewachsen, vor allem nachdem im Zuge der Großen Hungersnot 1845 bis 1849 Millionen von katholischen Iren in die USA emigriert waren. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts, besonders dann in der Regierungszeit Abraham Lincolns (1861–1865), mehrten sich die Rufe nach einem amerikanischen Kardinal.
1875 kreierte Pius IX. elf Kardinäle, darunter vier Nicht-Italiener.
Mit der Auflösung des Kirchenstaats im Jahr 1870 verlor das Kardinalskollegium seine Funktion als politisches Gremium. Damit war der Papst nun freier in der Wahl seiner Kandidaten für die Kardinalswürde. Dem seit 1846 regierenden Pius IX. war bewusst, dass er aufgrund des Verlustes seiner politischen Macht alles darin setzen musste, die katholische Welt unter sich zu einen. Besonders wichtig waren dafür die neuen katholischen Gebiete, vor allem in den Ländern des amerikanischen Kontinents.
Im Konsistorium am 15. März 1875 kreierte Pius IX. elf neue Kardinäle, darunter auch vier Nicht-Italiener, in dessen Schuld sich der Papst für deren Unterstützung bei der Dogmatisierung der Unfehlbarkeit auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869-1870) sah. Einer von diesen war John McCloskey, seines Zeichens Erzbischof von New York und somit zugleich der erste Amerikaner innerhalb des Kardinalskollegiums.
Am Konklave 1878 nahmen 61 Kardinäle teil, am Konklave 2013 waren es 115.
McCloskey zählte selbst zur damals stärksten Gruppe unter den amerikanischen Katholiken: den irischstämmigen Einwanderern. Seine Familie war allerdings schon früher, zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten gekommen. Mit nur 34 Jahren empfing er bereits die Bischofsweihe und wurde zum Koadjutor im Erzbistum New York ernannt. 1847 leitete er als erster Bischof die neugegründete Diözese Albany. Im Jahr 1864 wurde er Erzbischof von New York. Dort widmete er sich besonders dem 1858 begonnenen Bau der großen St. Patrick’s Cathedral, der allerdings zunächst während des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861–1865) ins Stocken geriet. Erst 1879 konnte sie fertiggestellt und geweiht werden.
Nachdem Papst Pius IX. im Jahr 1878 verstorben war, machte sich Kardinal McCloskey auf nach Rom, um an der Wahl des Nachfolgers teilzunehmen. Aufgrund der damals sehr eingeschränkten Reisemöglichkeiten schaffte er es allerdings nicht rechtzeitig: Er kam erst in der Ewigen Stadt an, als der neue Papst Leo XIII. bereits gewählt war.
Erst 1939 änderte sich die
Vorherrschaft von Europäern im Kardinalskollegium.
Der Erzbischof von New York war zwar der erste Amerikaner, der zum Kardinal ernannt wurde, allerdings nicht der erste Bischof einer amerikanischen Diözese, dem die Kardinalswürde verliehen wurde: 1836 ernannte Papst Gregor XVI. den Erzbischof von Bordeaux, Jean-Louis Lefebvre de Cheverus, zum Kardinal. Dieser war vor seiner Rückkehr nach Frankreich der erste Bischof der 1808 errichteten Diözese Boston. Seinen Kardinalshut konnte dieser allerdings aufgrund seines frühzeitigen Ablebens nicht mehr persönlich entgegennehmen.
Die Ernennung McCloskeys zum Kardinal blieb allerdings auch für die Zeit danach eine Ausnahmeerscheinung. Nicht-europäische Kardinäle blieben weiterhin eine Seltenheit. Auch die Berufung des Erzbischofs von Baltimore, James Gibbons, im Jahr 1886 stellte eine Besonderheit dar. Erst mit dem Pontifikat Pius XII. ab 1939 setzte eine Trendwende ein und die Vorherrschaft der Europäer im Kardinalskollegium fand ein Ende. Die Zahl der Kardinäle wurde ab Mitte des 20. Jahrhunderts außerdem zunehmend an die gewachsenen weltkirchlichen Strukturen angepasst. Am Konklave im Jahr 1878 nahmen 61 Kardinäle teil, während beim letzten Konklave 2013 insgesamt 115, also fast doppelt so viele, Papstwähler zusammentraten. Felix Deinhofer
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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