"Raum der Stille" präsentiert
Engagierte Bauherren prägen Haager Pfarrhof und Pfarrleben
- hochgeladen von Wolfgang Zarl
Diese Kombination trifft sich hervorragend: Einerseits wurde der Pfarrhof in Haag grundlegend renoviert, andererseits findet bis November die Niederösterreichische Landesausstellung in Mauer-Öhling mit dem Titel „Wenn die Welt Kopf steht. Mensch. Psyche. Gesundheit.“ statt. Dazu werden auch Umlandgemeinden einbezogen; jetzt kann der Haager Pfarrer Helmut Prader dazu ein besonderes Projekt präsentieren: den „Raum der Stille“ im Pfarrhof. Dieser war jahrelang eine Rumpelkammer, die langjährige Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer erkannte bei einer Besichtigung die Bedeutung des Raumes, der jetzt im neuen Glanz erstrahlt. Die Pfarre bietet im Raum auch spirituelle Impulse und Pfarrer Prader bietet Gruppen Besichtigungen an. Auch standesamtliche Hochzeiten sind darin möglich.
Schönheit „einzigartig“
Der Raum im nördlichen Obergeschoß lädt mit seinen historischen Fresken aus dem Jahr 1828 – inspiriert von einer Italienreise des damaligen Pfarrers Gottfried von Dreger – zum Träumen und Verweilen ein. Zwischen den zarten Malereien, die Landschaften und Städte zeigen, finden Besuchende einen Ort der Ruhe, Harmonie und inneren Einkehr. „Ein stiller Gegenpol zur schnellen Welt – und ein Ort, an dem man sich selbst wieder spüren kann“, heißt es seitens der NÖ Landesausstellung. „Die Schönheit dieses Raums ist einzigartig, laut Aussagen des Bundesdenkmalamtes gibt es nur zwei solcher Räume in dieser Form in Niederösterreich, im Waldviertel und hier in Haag“, erzählt Pfarrer Prader. Zu sehen sind eine umlaufende Balustrade mit Säulenarchitektur und Ausblicke auf Mittelmeerlandschaften und -städte. Geschaffen wurde das Werk vom Steyrer Künstler Franz Hasenleithner.
Priester und Bauherr
Dreger studierte in Salzburg und schloss seine Ausbildung mit dem Doktorat ab. 1791 empfing er in Wien die Priesterweihe. Nach seiner Weihe wirkte er als Kaplan in Laa/Thaya, 1795 wurde er zum Pfarrer von Waidhofen/Ybbs ernannt und 1812 zum Dechant des Dekanats bestellt. 1825 erhielt Dreger als Pfarrer und Dechant die Berufung nach Haag. Darüber hinaus hatte er an der Kollegiatskirche in Köln ein Kanonikat inne. Er starb 1833 und wurde in Haag begraben.
„Er war sehr eifrig im Predigen und liebte sehr die kirchlichen Feierlichkeiten, die er mit großem Pomp abzuhalten pflegte. Er war ungemein gastfreundlich und heiter und hatte gerne Gesellschaft“, beschreibt ihn sein Nach-Nachfolger Pfarrer Sebastian Reichardt in der Haager Pfarrchronik.
Obwohl er nur acht Jahre in Haag wirkte, zeichnete sich Dreger durch eine rege bauliche Tätigkeit aus. In der Pfarrkirche ließ er die barocken Altar- und Kreuzwegbilder renovieren. Er nahm Restaurierungen am Mesnerhaus, Meierhof und am Pfarrhof vor, gestaltete den Ziergarten und den Springbrunnen neu und ließ den Pfarrhof mit Malereien, neuen Böden und Türen verschönern.
Soziales Engagement Degers
Vom sozialen Charakter des Pfarrherrn zeugt sein intensives Bestreben, in Haag ein Bürgerspital zu errichten. Zunächst an einen kleinen Beginn für acht Personen (vier weiblich, vier männlich) gedacht, wurde bereits bei der Errichtung des Gebäudes im Jahr 1828 auf die Möglichkeit der Erweiterung hingewiesen. Die Verpflegung sollte durch das Armen-Institut der Pfarre sichergestellt werden. Dass Pfarrer Dreger nicht nur durch seine Initiative, sondern auch mit seinem eigenen Kapital den Bau vorangetrieben hat (Schenkung, Bereitstellung des Pfarrgrunds oder Ankauf der Baumaterialien), lässt ihn als Hauptverantwortlichen erkennen.
Obwohl sein Name heute selten genannt wird, zeigt ein Blick in die Quellen, welch beeindruckende Persönlichkeit Gottfried von Dreger war. Seine soziale Sensibilität und sein Sinn für kulturelle Werte laden dazu ein, diesen großen Seelsorger wiederzuentdecken.
Pfarrhof-Segnung am 28. Juni
Bischof Alois Schwarz wird am 28. Juni um 9 Uhr nach 27-monatiger Bauzeit bei einem großen Fest den renovierten Haager Pfarrhof segnen. 25.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden bislang von zahlreichen Engagierten in die Komplettsanierung investiert. Pfarrer Prader ging mit 2.500! geleisteten Arbeitsstunden federführend voran – darunter waren 49 Baubesprechungen mit dem Bundesdenkmalamt. Der Pfarrhof kann für Veranstaltungen genutzt werden. „Kirche bunt“ wird den Bau anlässlich der Segnung genauer vorstellen.
Infos u. Anmeldung für Besichtigungen
im „Raum der Stille“ im Pfarrhof Haag (Tickets inkl. Tierpark Haag):
Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. von 8 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung: Tel. 0664/2315436, E-Mail: haag@dsp.at.
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.