Sr. Melanie Wolfers: "Atlas der unbegangenen Wege"
Eine Reise zu dir selbst
- Das Buch "Atlas der unbegangenen Wege" gleicht einer Landkarte, die helfen soll durch das Leben zu navigieren.
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Im Sommer sind viele Menschen auf Reisen. Eine der aufregendsten Reisen
ist jene ins eigene Innere. „Das Leben liegt vor uns wie eine unbekannte
Landschaft, die es zu durchqueren gilt“, schreibt die Ordensfrau Melanie
Wolfers in ihrem Buch „Atlas der unbegangenen Wege“.
Jeder Reise geht eine Sehnsucht voraus: nach dem Meer oder den Bergen, nach Ruhe und Erholung, nach einem sorgenfreien Leben. Und so setzen wir uns in Bewegung und erkunden eine neue Umgebung, eine neue Landschaft.
Eine solche – immer wieder neue – Landschaft wartet auch im Inneren jedes Menschen darauf, erkundet und durchschritten zu werden. Da gibt es finstere Täler der Traurigkeit, unerwartete Abzweigungen und lichte Höhen der Freude. Manches liegt versteckt hinter einer Bergkette: Wünsche, Gefühle, Bedürfnisse und Ängste sind vielleicht aus dem Blick geraten.
„Die innere Dynamik des
Lebens drängt immer weiter vorwärts.“
„Die innere Dynamik des Lebens drängt immer weiter vorwärts“, schreibt die Salvatorianerin Melanie Wolfers in ihrem neuen Buch „Atlas der unbegangenen Wege“, das sie gemeinsam mit dem Priester und Ordensmann Andreas Knapp geschrieben hat. Das Leben führe manchmal in eine Krise hinein, weil etwas Neues Raum einfordere und der Übergang in eine neue innere Wachstumsstufe notwendig sei. Egal ob ein Abschied und Neuanfang von außen oder innen kommen, egal ob sie aus Bedrängnis oder Begeisterung erwachsen: Es gelte, stets voranzuschreiten auf der Reise zu sich selbst, so Wolfers.
Die Burg der heiligen Teresa
Die heilige Teresa von Avila vergleicht die Seele mit einer durchscheinenden inneren Burg, in der sich Wohnungen konzentrisch um eine Mitte reihen. Der geistliche Weg bestehe darin, sich immer wieder von neuem Gott zuzuwenden, ohne dabei etwas an sich selbst zu verdrängen oder abzuwerten. Es sei ein Weg nach Innen, in die Tiefe der eigenen Seele, deren Reichtum uns Menschen oftmals kaum bewusst sei. Da wir Gott in uns tragen, schreibt Teresa, besäßen wir im Inneren eine Quelle unversiegbaren Glücks und einen Motor für wirkliches geistliches Wachstum.
Am Anfang jeder Reise steht die Erkundung des Standorts: Was bestimmt derzeit meinen Alltag? Welche Wünsche und Träume locken mich? Wo erlebe ich Freude? Was raubt mir den inneren Frieden? Die Richtung, wohin die Reise gehen soll, gibt die Sehnsucht vor. Doch an diesem Punkt hapere es, so Wolfers, denn viele Menschen wüssten nicht, was sie wirklich wollen. Vielleicht liegt die Sehnsucht unter einem Berg an eigenen Erwartungen und denen anderer Menschen begraben. Oder alltägliche Pflichten haben sie verschüttet. Solche Fragen können sie zu Tage befördern: Wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte, wie würde ich die Zeit verbringen? Wenn ich einem neugeborenen Baby einen Rat mit auf den Lebensweg geben sollte: Wie würde der lauten? Aber auch Zeiten der Stille und der Muße helfen, die Sehnsucht wieder zu entdecken.
Berge und Täler
Wer sich auf den Weg macht, begegnet irgendwann Barrieren: Zweifeln, Ängsten und der Macht der Gewohnheit. Es ist hilfreich, Ängste und Widerstände zu benennen, denn dann üben sie nicht mehr so viel Macht aus: Was hält mich davon ab, das zu leben, was mir wichtig ist? Wozu ist mein Beharren gut? Es kann auch zu Rückschlägen kommen: Krisen sind wie tiefe Täler, Orientierungspunkte fallen weg. Wie erlebe ich Unsicherheit? Traue ich unsicheren Zeiten ein kreatives Potential zu? In diesen Zeiten entdecken viele Menschen innere Quellen, die sie nähren.
In der Bibel, in Märchen und auch im Hauptwerk der Teresa von Avila, „Wohnungen der Inneren Burg“, wird am Ende eine Hochzeit gefeiert: ein Bild der Integration. Gegensätze werden vereint bzw. sind in Gott aufgehoben. Diese menschliche Reifung wird von Christen als spirituelles Geschehen gedeutet: Ich bin geborgen in der Liebe Gottes, und ich bin beim Namen gerufen, das heißt in meiner wahren Identität erkannt und geliebt. PH
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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