Sigi Kulterer im Gespräch mit Carina Müller über Umweltschutz und Mutter Erde
„Contemporary Witness“ – Wir alle als Zeugen der Umweltzerstörung

„Madonna mit Kind“ – Sigi Kulterer und Provisor Johann Dersula im Pfarrhaus Griffen | Foto: Carina Müller
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  • „Madonna mit Kind“ – Sigi Kulterer und Provisor Johann Dersula im Pfarrhaus Griffen
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Im Mittelpunkt Ihrer Kunst stehen der Mensch und die Konfliktbewältigung mit der Umwelt. Auf was wollen Sie mit Ihrer Kunst besonders aufmerksam machen?
Kulterer: Mein Ziel ist es, die Menschen auf ihren Umgang mit der Umwelt und Natur aufmerksam zu machen und gleichzeitig zum Nachdenken anzuregen. Auch unsere Kinder und Enkelkinder sollen in einer schönen und gesunden Welt aufwachsen und leben können.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit diesem Thema?
Kulterer: Ich befasse mich schon seit 30 Jahren mit dem Thema Umwelt und habe auch laufend Serien dazu gemalt. Mit der Serie „Contemporary Witness“ – sprich Zeitzeuge – habe ich bei der Hamburger Biennale zum Thema „Umwelt im Ökologiediskurs – Erneuerbare Energien“ den Publikumspreis gewonnen. Wir sind alle Zeugen der Umweltzerstörung, und das drücke ich mit meiner Kunst aus.

Welche Auswirkung hatte Ihr Werdegang auf Ihre Kunst?
Kulterer: Naja, nach der Kunstakademie ist man nicht gleich der große Künstler und verdient mit der Kunst seinen Unterhalt. Um Geld zu verdienen, musste ich zuerst etwas anderes machen und arbeitete mich deswegen bei einer Versicherung hoch. Ich habe Unmengen verdient, jedoch wurde mir bewusst, dass das nicht ich bin. Ich brauche das alles nicht. Ich habe lieber weniger, aber bin glücklich und im Einklang mit dem, was ich mache. Deswegen entschied ich mich, mich vollkommen auf die Kunst zu konzentrieren und lieber mit weniger zu leben.

Können Glaube und Spiritualität zum Umdenken inspirieren?
Kulterer: Ja, auf alle Fälle. Die Menschen brauchen den Glauben, sonst würde die Welt ins Chaos stürzen. Wir müssen uns an etwas festhalten können.

Hat Glaube Sie in Ihrem Schaffen begleitet?
Kulterer: Ja, definitiv. Ich glaube einerseits an die Liebe und an die Natur. Auch glaube ich an etwas Größeres, an einen Schöpfer mit der Erde und der Menschheit als Schöpfung. In meiner Kunst ist es mir wichtig, die Frau in der Geschichte des Glaubens hervorzuheben. Jesus hatte auch viele Anhängerinnen – das ist für mich zu weit in den Hintergrund gelangt. Eines meiner besondersten Werke ist deswegen das Bild „Madonna mit Kind“, welches im Pfarrhaus in Griffen hängt.

Welche Bedeutung hat dieses Bild?
Kulterer: Dieses Bild ist eine Sakralmalerei. Im Gegensatz zu meinen Werken über die Umwelt, welche aufrühren sollen, drückt dieses Bild Ruhe aus. Es ist aus einer tiefen inneren Stille entstanden – einer Kraft spendenden Stille. Diese Art der sakralen Malerei regt zum Nachdenken an, man fühlt die Dankbarkeit und die Demut im tiefsten Inneren und bringt diese nach außen.

Ihre aktuelle Serie heißt „Dantes göttliche Schöpfung“. Wie ist es dazu gekommen?
Kulterer: Gustave Doré beschrieb und illustrierte in seinem Buch Dantes Schöpfung. Dieses faszinierte und beeindruckte mich so sehr, dass ich versuchen wollte, die Szenen daraus selbst malerisch zu interpretieren.

Was wollen Sie mit dieser Serie zum Ausdruck bringen?
Kulterer: In dieser Serie ist das Verhalten der Menschen im Vordergrund. Wie Menschen zueinander stehen und miteinander umgehen. In weiterer Folge auch, wie sie mit der Umwelt umgehen. Für mich gehört das zusammen.

Ihre Bilder zeigen von einem „nie ermüdenden Suchen nach einem erfüllten Leben und nehmen sich des Menschen im Gesamtkontext an“. Können Sie mir das näher erklären?
Kulterer: Für mich stellt sich hier die Frage des Fortschrittes. Ist es wirklich Fortschritt, den wir jetzt leben? Für mich ist es eher ein Rückschritt. Noch nie hat der Mensch so viel Zerstörung angerichtet wie in den letzten 100 Jahren. Mensch, Tier, Umwelt – dieses einstige Gleichgewicht ist uns leider verloren gegangen.

Könnte man neue Technologien nicht dazu verwenden, um diese globale Krise zu stoppen?
Kulterer: Dem stehe ich eher skeptisch gegenüber. Um etwas zu verändern, müssen die Menschen komplett umschalten und ihre Lebensart überdenken. Werte, die verloren gegangen sind, müssen wieder mehr zählen. Was ist uns wirklich wichtig? Ist es wichtig, so schnell wie möglich von einem Ort zum anderen zu gelangen oder ist es wichtiger, in einer Familie intakt zu leben – mit weniger, aber umso glücklicher? Bei dieser Frage erinnere ich mich an meine Kindheit. Wir hatten nicht viel, dennoch waren die Menschen ruhiger und glücklicher. Wir müssen versuchen, dorthin zurückzukommen.

Zur Person

Sigi Kulterer (*1955) lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in St. Nikolai bei Ruden. Er studierte an der Kunstakademie in Wien und absolvierte weitere Ausbildungen in der Sommerakademie Salzburg und der Kunsthochschule in Zürich. Als Dozent unterrichtete er u. a. schon an der französischen „Ardeche-Academie“ in Banne, im Seminarzentrum „les Blancards“ in Lauranc-en-Vivarais, an der Sommerakademie in Moosburg und der Art und Design Akademie in Kairo.
Zu einigen seiner Auszeichnungen zählen: der Artist of the Year 2019 Award – Mantova, der „Franzisco Goya Award“ auf der Biennale in Barcelona 2017 sowie das Ehrenzeichen des Landes Kärnten für Kunst und Kultur.

Autor:

Carina Müller aus Kärnten | Sonntag

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