Gedanken zum Evangelium: 5. Fastensonntag
Vom Sinn des Weizenkorns

Auch wir sind Weizenkörner, die es Jesus gleichtun sollen. Wir sind dazu berufen, reiche Frucht zu bringen und das neue Leben, das uns durch ihn geschenkt ist, zu vermehren.
  • Auch wir sind Weizenkörner, die es Jesus gleichtun sollen. Wir sind dazu berufen, reiche Frucht zu bringen und das neue Leben, das uns durch ihn geschenkt ist, zu vermehren.
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Jesus spricht heute im Evangelium von seinem eigenen Tod – und verwirrt damit seine Zuhörer. Eigentlich wollten Andreas und Philippus ihm ja nur sagen, dass einige Griechen ihn sehen wollen. Doch Jesus antwortet ihnen mit dem Bild vom Weizenkorn, das sterben muss. Es hat eine Aufgabe zu erfüllen. Jesus spricht hier von sich selbst – meint aber auch uns!

Als ich klein war, hat meine Oma jedes Jahr im Frühling mit mir Bohnen gesetzt – draußen im Garten. Um mir zu zeigen, was unter der Erde passiert, wenn die Bohnen austreiben, hat sie immer auch ein paar in ein leeres Marmeladenglas gelegt und so mit Erde bedeckt, dass ich von außen zuschauen konnte, wie sie wachsen. Das hat mich endlos fasziniert. Zuerst quellen die Bohnen vom Wasser auf, die Haut bricht auf und der Keimling kommt hervor. Dann streckt sich das Pflänzlein nach oben, während unten die Wurzeln heraustreiben. Die Keimblätter recken sich dem Himmel entgegen – und nehmen die ursprüngliche Bohne quasi mit nach oben an die Sonne.

Ich hatte dabei nie den Eindruck, dass die Bohne „stirbt“, um die neue Pflanze hervorzubringen. Als Same ist es doch ihre Bestimmung. Sie tut nur, wofür sie vorgesehen ist. Sie erfüllt ihre Lebensaufgabe. Das Austreiben von neuem Leben im Frühjahr hat bis heute etwas Wundersames für mich.

In diesem Sinne habe ich auch Jesu Wort vom Weizenkorn immer verstanden. Wie die Bohnen meiner Oma ist auch das Weizenkorn ein Same und daher dazu gedacht, auszutreiben, zu einer neuen Pflanze zu werden und so Frucht zu bringen. Wenn es dagegen in der Scheune liegen bleibt, modert es bloß im Staub vor sich hin und geht irgendwann einfach kaputt. Dann hat es seinen Sinn nicht erfüllt, ist seiner Lebensaufgabe nicht nachgekommen, hat quasi nicht getan, wofür es vorgesehen war.

Wenn Jesus hier vom Weizenkorn spricht, dann spricht er zunächst von sich selbst. Es geht um seinen eigenen Tod, den er in diese Richtung interpretiert. Jesus selbst ist dieses Weizenkorn, das stirbt und in die Erde gelegt wird, um neues Leben hervorzubringen. Das ist seine Lebensaufgabe. Dazu ist er gekommen, um seine „Stunde“ zu erfüllen und durch seinen Tod neues Leben zu schaffen – neues Leben aber nicht nur für sich selbst, sondern für alle, die ihm nachfolgen.

Es geht daher in diesem Wort vom Weizenkorn auch um uns. Auch wir sind Weizenkörner, die es Jesus gleichtun sollen. Wir sind dazu berufen, reiche Frucht zu bringen und das neue Leben, das uns durch ihn geschenkt ist, zu vermehren. Dazu sind wir „auf seinen Tod getauft“. Es ist kein Zufall, dass wir Ostern im Frühjahr feiern, wenn rund um uns herum das Leben neu aufbricht. Die Rede von Tod und Auferstehung hätte keinen Sinn, würden wir diesen Glauben nicht in unserem eigenen Leben verwirklichen wollen.

Jesus sagt uns heute auch: „Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, wird auch mein Diener sein.“ Um beim Bild vom Weizenkorn zu bleiben… im Idealfall wären wir als Kirche dann gemeinsam mit Jesus ein wunderbares Weizenfeld!

Impulse

Inspiriert vom Evangelium

  • Bin ich bereit,es Jesus gleich zu tun und reiche Frucht zu bringen?

  • Wie gut gelingt es mir, mich selbst zurückzunehmen und für andere da zu sein?
  • Ist mir bewusst, dass ich auch auf seinen Tod getauft bin?
Evangelium und Kommentar als PDF
Autor:

Franziska Madl aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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