Gedanken zum Evangelium: 4. Sonntag im Jahreskreis
Nicht angenommen werden

Wer das Evangelium hört, wird vor die Entscheidung gestellt, ob er die Botschaft Jesu als Orientierung für das eigene Leben erkennt und annimmt.
  • Wer das Evangelium hört, wird vor die Entscheidung gestellt, ob er die Botschaft Jesu als Orientierung für das eigene Leben erkennt und annimmt.
  • Foto: Salesianer Don Boscos
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Wie oft haben wir schon das Zitat gehört: „Der Prophet im eigenen Land ist nichts wert.“ Das haben so manche Menschen auch bei uns erfahren, gut ausgebildete Techniker, Wissenschaftler und Künstler, die mit ihren Fähigkeiten und Kenntnissen nicht wahrgenommen worden sind. Die Möglichkeit, sich zu entfalten, wurde ihnen nicht gegeben. Erst im Ausland haben sie die Anerkennung bekommen.

Während meiner Tätigkeit in Ghana machte ich die Erfahrung, dass es für Personen, die Karriere machten, nicht immer einfach war, in ihr Dorf zurückzukehren. Denn sie wurden beobachtet, ob sie sich verändert hatten, wie sie sprachen, wie sie sich kleideten.

Der Erfolg wurde auch daran gemessen, welche Geschenke sie mitbrachten, aber vor allem, ob sie die Erwartungen der Familie, der Freunde und der Nachbarn erfüllten. Die Situation wurde dann schwierig, wenn jemand die Wünsche nicht erfüllen konnte und sich selbst nicht an Dingen erfreuen konnte, für die jemand eigentlich nach Hause gekommen war.

Wir erfahren, dass Anerkennung und Ablehnung ganz nahe beieinander liegen. Eine erfolgreiche Person kann für die Daheimgebliebenen schnell zum Versager werden, obwohl diese selbst die Chance, etwas zu verändern, nicht ergriffen haben.

Am Beginn des heutigen Evangeliums waren die Bewohner von Nazareth von den Worten Jesu sehr angetan. Vielleicht wollten sie auch nur sehen, was aus dem Heimkehrer geworden war. „Ist das nicht Josefs Sohn?“, fragten sie.

Es sind die Sensationslust und die Erwartungshaltung der Menschen, die bei dieser Frage mitschwingen, und die eine heftige Reaktion bei Jesus auslösten. Jesus entgegnete den Bewohnern mit den Propheten Elia und Elischa. Auch sie hatten Momente, in denen sie nicht wirken konnten, weil das Volk dafür nicht bereit war; außer zwei Personen, die nicht zum Volk Israel gehörten – die Witwe von Sarepta und der Syrer Naaman.

Jesus zeigt zum Ärgernis der Bewohner, dass er zu ihnen nicht gekommen ist, um Dinge schön zu reden, sondern den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, Hoffnung zu geben und die Botschaft zu verkünden, dass die Liebe Gottes in einem wirkt, wenn man sich Gott zuwendet.

Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Günter Mayer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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