Gedanken zum Evangelium: 3. Adventsonntag
Mitten in der Wüste: Bitte wenden!

Die Symbolik der Straßenschilder sagte mir: Es geht darum, im Leben die richtige Richtung einzuschlagen.
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In der Judäischen Wüste sind mir die Straßenschilder in Erinnerung, die den Weg zum Toten Meer und in die entgegengesetzte Richtung den Weg nach Jerusalem weisen. – Über die Symbolik von Verkehrsschildern und einen Grund zur Freude im steinigen Gelände.

Unterwegs am Toten Meer stieß ich einmal auf ein Schild, auf dem ein Pfeil nach Jerusalem und ein anderer Pfeil nach Sodom zeigten. Als enthusiastische Theologiestudentin deutete ich damals beinahe alles im Heiligen Land symbolisch: Die Schilder wiesen für mich den Weg zum Leben oder aber zum Tod; den Weg zur Stadt Gottes oder aber den Weg in das vom Feuer zerstörte Land von Sodom und Gomorra, einst ein Garten Eden, nun ein verlorenes Paradies. Die Symbolik der Straßenschilder sagte mir: Es geht darum, im Leben die richtige Richtung einzuschlagen.

Zur Judäischen Wüste gehört auch die steinige Gegend am Jordan, wo Johannes der Täufer wirkte, taufte und seine Drohreden hielt. Im heutigen Evangelium kündigt er an, dass bald die Spreu vom Weizen getrennt werde, und in nie verlöschendem Feuer verbrennen werde. Sofort ist man an Sodom erinnert und vielleicht auch an die Frau von Lot, die zur Salzsäule erstarrt, weil sie noch einmal zurück, also in die falsche Richtung schaut.

So muss es den Leuten ergangen sein, die in Scharen zu Johannes gezogen waren, um sich taufen zu lassen. Verzweifelt fragten sie: „Was sollen wir tun?” Die Antwort des Johannes ist einfach: Wer genug zum Essen und zum Anziehen hat, soll anderen etwas abgeben. Wer mit Finanzen zu tun hat, soll andere nicht ausbeuten. Und wer Macht über andere hat, soll sie nicht erpressen. Das ist alles. Die „Feuertaufe”, die Bewährungsprobe wird sich im Alltag stellen.

Die Taufe des Johannes wird als „Taufe der Umkehr” bezeichnet, eine Taufe mit Richtungswechsel also. Johannes dürfte keinen einmaligen Richtungswechsel meinen, nicht bloß eine Taufe mit feierlichem Bekenntnis, bei dem man dem alten Leben abschwört. Nein, nicht so spektakulär. Johannes ruft zu einem ständigen Richtungsabgleich auf, damit wir in der Wüste des Alltags Jerusalem nicht aus den Augen verlieren.

Ach ja, heute ist der Sonntag der Freude, „Gaudete“. Entgegen verbreiteten Klischees ist diesmal vor allem die Lesung aus dem Alten Testament eine Freudenbotschaft: Jubelt, jauchzet, frohlocket, ruft uns der Prophet Zefanja zu. Aber gibt es auch im Evangelium etwas Erfreuliches? Ja. Denn schon beim Nächsten, der zur Taufe in den Jordan steigt, wird sich der Himmel öffnen und der Geist Gottes sich herabsenken.

Die Bibel wäre nicht die Bibel, wenn nicht mitten in der Wüste etwas Neues beginnt, mitten im steinigen Gelände eine Blume zu blühen beginnt, mitten im Dunkel ein Licht aufgeht, mitten im Feuerofen einer ein Lied singt und irgendwo an einer Kreuzung ein Schild nach Jerusalem weist.

Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Stefanie Jeller aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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