Gedanken zum Evangelium: 2. Sonntag nach Weihnachten
Gott ist das Wort


Johannes 1,1-18

Das heutige Sonntagsevangelium gehört sicherlich nicht zur leichtesten Kost der vier Evangelien. Der Prolog, wie er auch genannt wird, ist ein Ausdruck und Bekenntnis des göttlichen Wortes für die Menschheit. Der englische Theologe Michael Mullins schrieb einmal, dass der Prolog wie eine Ouvertüre eines großen musikalischen Werkes ist, die für Zuhörer eine tiefgreifende Auswirkung hat.

Am Beginn heißt es da: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ Für Johannes beginnt das Heilsgeschehen nicht mit der Geburt Jesu, sondern er erinnert uns an den Schöpfungsbericht: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde“ (Genesis 1,1). Johannes geht noch viel weiter, er spricht nämlich nicht über den Anfang der Schöpfung, sondern über den absoluten Anfang. Das übersteigt das menschliche Denken. Das Wort, das von Gott kommt, im Griechischen „Logos“ genannt, wird zum Urgrund alles Geschaffenen, und als letzter Akt wird Christus selber das fleischgewordene Wort Gottes. „Denn er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand“ (Kol 1,17).

Er befindet sich seit dem Anfang in einer personalen Gemeinschaft mit Gott und dem Heiligen Geist. Er ist wesenhaft und wirklich wie Gott selbst. Deshalb beten wir im großen Glaubensbekenntnis: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott von wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesen mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen“.

Wir Menschen versuchen viele Dinge in Worte zu fassen, sei es im Gebet oder im gegenseitigen Mitteilen. Dabei machen wir die Erfahrung, dass es Dinge gibt, die man nicht in Worte fassen kann. Wie weit kann man Liebe in menschliche Worte fassen?

Deshalb ist Gott zum menschgewordenen Logos geworden. Er hat sich selbst mitgeteilt, und so ist das Wort als seine grenzenlose Liebe für uns gedacht.

Darum ist Jesus Christus für uns zum Wegweiser zum Vater geworden. Der heilige Paulus schreibt: „Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt seine Söhne und Töchter zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, zum Lob seiner herrlichen Gnade“ (Eph 1,5).

Mit anderen Worten: Es gibt keine besonderen Bedingungen, es genügt, Ihn in mir aufzunehmen und zu glauben, dass mit der Geburt in Bethlehem Gott zu uns gekommen ist. Vielleicht schaut die Aufnahme Gottes bei jedem etwas anders aus, trotzdem sind wir miteinander verbunden, weil Er uns liebt.

Autor:

Günter Mayer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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