Gedanken zum Evangelium vom Dreifaltigkeitssonntag
Geborgen sein

Der beeindruckende Gnadenstuhl in der Pfarrkirche Pöggstall in Niederösterreich, Diözese St. Pölten
  • Der beeindruckende Gnadenstuhl in der Pfarrkirche Pöggstall in Niederösterreich, Diözese St. Pölten
  • Foto: M. Beranek
  • hochgeladen von Der SONNTAG Redaktion

Johannes 3, 16–18

Das Dreifaltigkeitsfest hat mir schon einiges an Mühe gekostet. Aber aus einer auf den ersten Blick etwas abstrakten Glaubenswahrheit ist im Laufe der Zeit für mich die Zusage geworden, dass Gott ein Netz der Beziehung webt, zu dem auch ich gehöre.

Natürlich ist Gott kein alter Mann mit weißem Bart und natürlich ist der Heilige Geist kein Vogel. Das haben auch jene Künstler gewusst, die die Darstellungen des „Gnadenstuhls“ geschaffen haben.

Gott Vater trägt die Tiara, wie sie die Päpste früher als Krone verwendet haben und er trägt einen roten Mantel. Ein festliches liturgisches Gewand, Ausdruck der Würde und Erhabenheit Gottes, die der Künstler damit wohl zum Ausdruck bringen wollte. Er ist in sitzender Haltung dargestellt, wie auf einem Thron. Mit seinen weit ausgebreiteten Armen hält er den entblößten, tödlich am Kreuz verwundeten Jesus, seinen Sohn, in den Armen, mehr noch, er taucht ihn richtig ein in diese Welt. Dieses Motiv befindet sich in der Kirche auf einer Säule, so dass beim Betrachten von unten der Blick vor allem auf das Gesicht Jesu fällt.

Dieses Motiv des Gnadenstuhls erzählt und illustriert mir das heutige Evangelium. Gott macht sich in Jesus am Kreuz verwundbar, angreifbar. Ich tue mir immer mit Menschen leichter, deren wunde Seiten ich kenne. Dann sind sie keine furchteinflößenden Idealbilder, sondern dann wird für mich oft ihre Persönlichkeit und ihre Leidenschaft spürbar. Und so macht diese barocke Darstellung des gekreuzigten Jesus, den der Vater in die Welt und damit auch in mein Leben hineinhält, Gott für mich angreifbar.

Der Vater macht sich selbst im Sohn verwundbar und gleichzeitig hält er ihn ganz fest in seinen starken Armen und zwischen den beiden Knien. Da ist viel Nähe und ganz viel Rückhalt da. Das Bild ermutigt mich, dass meine eigenen Verwundungen nicht zwischen mir und Gott stehen müssen, sondern dass ich mit all meinen eigenen Grenzen, Wunden und Fehlern ebenso von Gott gehalten und getragen und bei ihm geborgen bin.

So entsteht ein Dialog zwischen dieser barocken Skulptur und sie erschließt mir auf diesem Weg etwas vom Wesen Gottes. „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab“, heißt es im Johannesevangelium. Der Sohn wird verwundbar, stirbt am Kreuz, damit wir nicht verloren gehen.

Es gibt so Momente in meinem Leben, da fühle ich mich wie verloren. Das sind Momente von Müdigkeit und Erschöpfung, wo ich mich auch zu anderen Menschen ziemlich auf Distanz fühle und wo auch Gott für mich nicht so greifbar ist. Da helfen mir dann oft solche Darstellungen, meine eigenen Verwundungen wahrzunehmen – meine Traurigkeit, meine Enttäuschung – was auch immer. Indem ich sie aber wahrnehme, kommt in mir oft etwas ins Fließen, das mir hilft, mich auf Gott hin zu öffnen.

Im heutigen Evangelium lesen wir: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“ – Glaube, das ist für mich ein oft unbeholfener Versuch, mich auf Gott hin aus zu strecken. Anhand solcher Darstellungen entdecke ich, dass der Versuch ein Weg ist, der mich in die pulsierende Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn hineinzieht.

Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Markus Beranek aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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