Gedanken zum Evangelium: Fest der Heiligen Familie
Erfülltes Leben

Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! Und der Friede Christi triumphiere in eurem Herzen. (aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolóssä).
  • Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! Und der Friede Christi triumphiere in eurem Herzen. (aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolóssä).
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Lukas 2,22-40

Im heutigen Evangelium geht es eigentlich nicht um Simeon oder Hanna, sondern um ihr Zeugnis über Jesus, dieses besondere Kind, mit dem Licht, Herrlichkeit und Erlösung in die Welt kommt. Bei mir bleibt aber meist etwas anderes hängen: Simeons Lobpreis: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht … in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen.“

Simeon kann mit seinem Leben dankbar abschließen, er kann es loslassen und zufrieden zurückgeben, weil er etwas erlebt hat, das sein Leben abrundet und erfüllt. Er hat „das Heil gesehen“. Was für ein Segen ist es, das sagen zu können, denke ich dann immer. Was müsste ich gesehen haben, was müsste ich erleben, um so etwas über mich sagen zu können?

Und dann denke ich an meine Oma, die vor wenigen Wochen ihren 100. Geburtstag gefeiert hat. Sie hatte ein schweres, von Armut und allerlei Nöten geprägtes Leben und ist zweifache Witwe. Ich erinnere mich an Zeiten, wo sie sehr viel über diese schwierigen Zeiten gesprochen hat, über ihre Angst und Trauer, ihre Scham, arm zu sein, ihren Schmerz, den Kindern nicht viel bieten zu können.

All das ist in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten. Von Bitterkeit über Erlittenes erlebe ich bei ihr keine Spur mehr. Stattdessen überwiegt bei ihr heute Freude und Dankbarkeit. Ihre Lebensenergie und Freude, ihre Aufgeschlossenheit und ihr Interesse für jedes ihrer zahlreichen Kinder, Enkerl und Urenkerl sind staunenswert.
Erst vor kurzem hat sie mir am Telefon erzählt, wie froh sie über ihr ganzes Leben ist.

Jeden Tag danke sie Gott, sagte sie, denn sie könne zurückblicken auf ihr Leben und sehen, dass alles darin gut war. Ihre beiden Männer, ihre Kinder, ihre Erfahrungen, die guten und schlechten Zeiten – alles ist für sie ein Grund zu danken.

Sie nimmt jeden Tag, den sie noch lebt, freudig als unverhofftes Geschenk an, aber klammert sich nicht ans Leben. Sie ist das, was in der Bibel mit „alt und lebenssatt“ bezeichnet wird: Ein gesegneter Mensch, der irgendwann wie Simeon etwas vom Heil erlebt hat, der etwas vom Licht in der Welt gesehen hat und deshalb „in Frieden scheiden“ kann, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Nach dem Telefonat habe ich beschlossen, ebenso offen zu sein für das Licht in meinem Leben; offen zu sein für das Heil, das mir begegnet; und offen zu sein für Christus, der auch mein Erlöser ist. Damit ich wie Simeon und wie meine Oma, wenn es einmal soweit ist, in Frieden, alt und lebenssatt und mit dem Herrn vor Augen scheiden kann. 

Impulse

Inspiriert vom Evangelium

  • Was hindert mich, mein Leben als erfüllt zu betrachten?
  • Wo sind für mich unerledigte Dinge, die abgeschlossen werden müssen, bevor es zu spät ist?
  • Wo erahne ich in meinem Leben etwas vom Licht, das in die Welt gekommen ist?
Evangeliumskommentar als PDF
Autor:

Elisabeth Birnbaum aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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