Von 1848 bis ins digitale Zeitalter
Die älteste aller Kirchenzeitungen

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Sie hat schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1848 – wenige Wochen nach den revolutionären Märztagen als „Wiener Kirchenzeitung“ gegründet und somit mit ­Unterbrechungen 172 Jahre alt – startet der „SONNTAG“ ­gerade erneut durch: ins digitale Zeitalter mit E-Paper, unter www.dersonntag.at erneut mit einer eigenen Homepage und einem Social-Media-Auftritt.

Cover der Erstausgabe 1848
Mehr über die
Anfänge der Kirchenzeitung 1848

finden Sie hier

Österreich hatte gerade ein neues Pressegesetz erhalten, das die Freiheit des Wortes ­ermöglichte. Einer, der die ­Gelegenheit dazu ergriff, war der Priester Dr. Sebastian Brunner. Er ­gründete die „Wiener Kirchenzeitung für Glauben, Wissen, Freiheit und Gesetz in der katholischen Kirche“ und legte damit den Grundstein der katholischen Publizistik.

Zunächst erschien sie dreimal pro Woche mit jeweils vier Seiten und war als Informationsorgan für den niederen Klerus gedacht. Mit spitzer Feder schrieb er gegen echte und vermeintliche Feinde der Kirche: die ­Kommunisten, das politische ­Judentum, ­Liberale oder Freimaurer. Wegweisend war die ­„Wiener Kirchenzeitung“ damals allerdings in der sozialen Frage: Schon früh bemühte sich Brunner um den Ausgleich sozialer Gegensätze und hob die christliche Grundlage der katholischen Soziallehre hervor.

Nach 13 Jahren hatte Brunner genug und übergab die Redaktion an den 31-jährigen Priester Dr. Albert Wiesinger, der die Arbeit in seinem Sinn fortsetzte. Doch ­verschiedene Gerichtsprozesse zermürbten ihn. Bald erschien die „Wiener Kirchenzeitung“ nur noch am Samstag, dafür aber mit 16 Seiten. Finanzielle Probleme führten 1874 schließlich zur Einstellung des Blattes.

1918 - ein Neubeginn

Nach 44 Jahren „Pause“ erschien das „Wiener Kirchenblatt“ am 1. Dezember 1918 – wenige Wochen nach dem Untergang der Donaumonarchie – unter Prälat Johann Mörzinger wieder. Nun aber als „Wochenschrift für die Katholiken Wiens“ und mit besonderer Unterstützung des Wiener Erzbischofs Kardinal Piffl. Von da an stand nicht mehr die Politik, sondern die religiöse Erbaulichkeit im Vordergrund. „Es ging vor allem um die Verbreitung eines volkstümlichen ­Katholizismus.“

Mörzingers Konzept war erfolgreich: Das „Wiener Kirchenblatt“ begann 1919 mit ­einer wöchentlichen Auflage von 2.000 Stück, 1925 wurden bereits 80.000 Stück und in den Dreißigerjahren bis zu 135.000 Stück österreichweit vertrieben. Auch das „Jugend-Kirchenblatt“, das von 1930 bis 1941 erschien, erreichte eine ähnliche Auflage und wurde nur vom „Kleinen Kirchenblatt“ für die Kinder übertroffen, das von 1924 bis 1940 in einer Auflage von mehr als 260.000 Stück erschien.

Leben trotz NS-Herrschaft

Nachdem am 12. März 1938 Hitlers Truppen die österreichische Grenze überschritten, wurde binnen kurzer Zeit die österreichische Presselandschaft völlig aufgerieben oder gleichgeschaltet. Das „Wiener Kirchenblatt“ jedoch durfte weiter erscheinen, weil es politisch unverdächtig war.

Es begann eine Zeit, in der Mörzinger ein feines Gefühl dafür entwickelte, was zwischen den Zeilen gesagt werden kann, ohne die Veröffentlichung zu gefährden. Nun als „Bistumsblatt der Erzdiözese Wien“ wurde ihm eine größere Bedeutung im Dienste der Glaubensverkündigung zugestanden. Statt aktueller Berichterstattung aus Bistum und Pfarren wurde angesichts des stark eingeschränkten Religionsunterrichts besonderes Augenmerk auf die Kinderseelsorge gelegt. 1941 kam „aus kriegswirtschaftlichen ­Günden“ auch für das Kirchenblatt das Aus.

Es geht wieder los!

Schon kurz nach den ersten Aufräumarbeiten im zerstörten Wien erschien am 21. Oktober 1945 die erste Nachkriegsausgabe. Auf acht Seiten und ­einer Auflage von 100.000 Stück meldete sich das „Wiener Kirchenblatt“ unter Prälat Jakob Fried wieder zu Wort. Der 1909 ­geweihte Priester hatte u.a. bereits den ­Katholikentag 1933 organisiert und interessierte sich schon früh für das Presse­wesen. Auch wenn er die NS-Zeit großteils im Gefängnis verbracht ­hatte, sah er sofort das Potenzial der Zeitung. Bereits am Fest „Maria Namen“ 1945 fand unter seiner Leitung die erste Redaktionskonferenz statt. Nach dem Tod Prälat ­Mörzingers 1944 soll „ein Kirchenblatt geschaffen werden, das den Katholiken von heute eine Antwort auf alle dringenden Fragen der ­Gegenwart gibt“, war sein Ziel.

Von Anfang an war klar, dass das „Wiener Kirchenblatt“ mit Unterstützung Kardinal Innitzers die offizielle Zeitung der Erzdiözese Wien ist. Im Mai 1959 übergab Prälat Fried die Schriftleitung dem Geistlichen Dr. Franz Gstaltmeyr, 1961 übernahm das eb. ­Ordinariat auch die Herausgabe. Ab 1962 lag die redaktionelle Verantwortung mit Dr. Martin Riedlinger, der dieser Tage ­seinen 100. Geburtstag feiert, und Jaro ­Kaspar ­erstmals nicht in geistlicher Hand.

1964 beginnt eine neue Epoche

Die erste Ausgabe des Jahres 1964 leitete Kardinal König bereits mit den Worten ein: „... Statt dem gewohnten Wiener Kirchenblatt haben Sie heute die neue, großformatige ,Wiener Kirchenzeitung‘ in Händen. Damit will die ,Kirchenzeitung‘ das Gespräch mit der Welt in moderner Form eröffnen.“ Durch einen Medienverbund mit dem Burgenland 1966 – 2010 (zwei Drittel der „Eisenstädter Kirchenzeitung“ entstanden in Wien, ab den 1990er-Jahren dann 8 von 24 Kleinformat­seiten) wurde erneut eine Gesamtauflage von 200.000 Exemplaren erreicht.

Im März 1965 folgte mit Walter Raming ein weiterer Laie als Chefredakteur, im folgten 1970 Dr. Anton Fellner und ab 1975 der laiisierte Priester Josef Bauer. Ab 1993 kam mit Mag. Marie-Theres Hemberger die erste Chefredakteurin, die mit einem Zwischenspiel von Dr. Erich Leitenberger – er war auch Leiter der Nachrichtenagentur „kathpress“ und der Medienstelle – zur Jahr­tausendwende von Mag. Elvira Groiss abgelöst wurde. 2004 wurde der Name in „Der SONNTAG“ geändert. 2013 übernahm Dr. Michael Prüller die Geschicke der ­Zeitung und seit 2016 ist Mag. Michael Ausserer Chefredakteur.

Freude am Glauben

Heute fokussiert sich der „SONNTAG“ unter dem Motto „Zeit für meinen Glauben“ sehr stark auf persönliche Geschichten, Interviews und ­Glaubens­themen, in denen die „Freude am Glauben“ für unsere Leserinnen und Leser spürbar wird. Ziel ist es, den Pfarren, religiösen Gemeinschaften und den Gläubigen Impulse für eine „wachsenden“ Kirche zu geben.

Wer schon immer Papier sparen und ­dafür die Zeitung unterwegs am Tablet oder ­Handy lesen wollte, hat seit diesem Jahr die Gelegenheit dazu: Die Zeitung wird bereits am Mittwochmittag freigeschaltet und verfügt über eine sehr komfortable ­„Lesefunktion“: Wer die aktuelle Ausgabe durchblättert, erkennt, dass die Texte grau unterlegt sind. Klickt man auf einen ­solchen Textkasten, wird der Artikel in einem neuen Fenster „lesefreundlich“ präsentiert. Probieren Sie es aus – als Abonnent können Sie das E-Paper noch bis Jahresende gratis dazubestellen.

Digital-Abo für bestehendes Print-Abo

Gemeinsam mit den übrigen österreichischen Kirchenzeitungen entstand in diesem Frühjahr das Internetportal „meinekirchenzeitung.at“. Es präsentiert, meist zeitversetzt, die interessantesten Artikel der Printausgabe und gibt einen Überblick über die Vielfalt kirchlichen Lebens in Österreich. Weiters ermöglicht eine Gratis-App den ­Zugang zu allen österreichischen Kirchenzeitungen, wobei die ersten sechs Seiten gratis geöffnet werden können. Und wir haben einen eigenen Facebook-Kanal eröffnet, über den wir jeden Tag auf besonders interessante Themen hinweisen: www.facebook.com/DerSONNTAG.Wien

Zeitungsgeschichte zum Nachlesen
Autor:

Kooperation Kirchenzeitungen aus Salzburg & Tiroler Teil | RUPERTUSBLATT

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