ORF-Stiftungsrat Bernhard Tschrepitsch
Medien sind die neue Form der Kanzel

ORF-Stiftungsrat Bernhard Tschrepitsch: „Mein Anspruch ist, dass der Stellenwert der Religion im ORF abgesichert ist.“
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  • Foto: Markus A. Langer
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Seit März 2020 ist Bernhard Tschrepitsch ORF-Stiftungsrat. Eine Aufgabe, in der er die Entwicklung der Medien genau beobachtet. Im Gespräch mit dem SONNTAG sagt der Theologe und Betriebswirt, warum die Religionsexpertise wichtig ist, in welche Richtung sich der ORF entwickeln sollte und wo er Aufholbedarf sieht.

Welchen Stellenwert hat die Religion im ORF – Stichwort: religiöse Sendungen zu Randzeiten in der Früh oder in der Nacht?
Bernhard Tschrepitsch: Der öffentlich-rechtliche Auftrag sichert die Religionsberichterstattung. Aber natürlich steht die Religion in Konkurrenz zum Sport, zur Kultur und zur Unterhaltung. Da gibt es ökonomische Notwendigkeiten. Was ich aber feststelle ist, dass die Expertise schon geschätzt wird. Beispielsweise hat Barbara Krenn von der Religionsabteilung das Gesetz zum assistierten Suizid in den Nachrichten kommentiert. Durch das Archiv könnte auch Neues entstehen. Ich denke an Namenstage. Warum werden Tag für Tag Horoskope verbreitet, wenn wir Schätze im Archiv haben und so auch Namenspatrone vorstellen könnten?

Was kann ein Stiftungsrat im Riesenunternehmen ORF bewirken?

Mein Anspruch ist, dass der Stellenwert der Religion im ORF abgesichert ist. Es sollten Sendungsformate zur Verfügung stehen, die für eine positive Verkündigung und Lebenshilfe stehen. Es ist ein gesellschaftliches Thema, dass wir eine Art Neoheidentum beobachten können. Die kirchlichen Angebote müssen daher niederschwelliger werden. Eine Chance des ORF ist es, durch Ehrlichkeit und journalistische Qualität Zugang zu Zielgruppen zu bekommen. Ein Beispiel sind Kindersendungen, wo Eltern sicher sein können, dass die Inhalte vertrauenswürdig sind.

Am 10. August wird eine neue Leitung für den ORF gewählt. Welches Anforderungsprofil sollte eine Generaldirektorin oder ein Generaldirektor erfüllen?

Die Leitung sollte die Medienstruktur in Österreich kennen, Visionen entwickeln können und die Regionalität des Landes nicht außer Acht lassen. Das unterscheidet uns nämlich positiv von Deutschland oder der Schweiz. So sollte es dem ORF möglich sein, wirtschaftlich in die Zukunft zu gehen. Mit einem guten Programmangebot kann man Bindungen schaffen, auch bei jungen Menschen. Ich denke in der Sendung „Neun Plätze, neun Schätze“ ist das gut umgesetzt. Außerdem gibt es einen Generationenwechsel im Unternehmen. In den kommenden fünf Jahren stehen 500 Pensionierungen an. Die Religionsabteilung hat die erste gemeinsame Redaktion für Radio, TV und Digitales. In meiner Beobachtung ist sie aber unterbesetzt. Und so müssen junge Menschen gefunden werden, die den digitalen Aufholbedarf schaffen. Social Media sind eine Chance, aber das sollte bitte geordnet und geregelt sein. Ich sehe es kritisch, wenn private Meinungen unter dem Deckmantel des Mediums verbreitet werden. Also: Klar ist, wir haben in den Medien eine digitale Struktur. Die digitale Reise ist offen. Ich weiß auch nicht, wo es hingeht, aber sicher ist: Der ORF muss nicht nur reagieren, er muss agieren.

Autor:

Sophie Lauringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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