Kommentar: Die Kirche & ich
Heute: Zankapfel im Schlafrock

Nicht-ernst-Nehmen ist aber vielleicht auch eine positive Österreich-Eigenschaft.
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Journalistisch ist er natürlich ein Schmankerl: der im „profil“ veröffentlichte Chatverlauf, in dem Kanzler Kurz und der damalige Generalsekretär des Finanzministeriums Thomas Schmid darüber reden, wie sie Druck auf die Kirche machen, nachdem Kardinal Schönborn und Peter Schipka von der Bischofskonferenz scharfe Kritik an der geplanten Sicherungshaft geübt hatten, also an der Idee, Menschen einzusperren, weil sie vielleicht in nächster Zeit etwas anstellen könnten.

Die Sache ist bei uns nur noch ferne Erinnerung – weil sie folgenlos geblieben ist. Die Kirche musste keine Schlechterstellung durch das Finanzministerium erfahren und unsere Kritik an der Sicherungshaft blieb aufrecht.

Sie ist nur weniger aktuell, weil zwei Monate später das Ibiza-Video die Regierung in die Luft gesprengt hat und die aus Menschenrechts-Sicht bedenkliche Sicherungshaft seitdem in der türkis-grünen Regierungserklärung den Dornröschenschlaf schläft.

Bedenklich ist allerdings auch, dass es so leicht geht, vertrauliche SMS in die Öffentlichkeit zu bringen, die aus Ermittlungen zu einem Fall stammen, der mit diesen SMS gar nichts zu tun hat. In Österreich nimmt man das offenbar nicht sehr ernst.

Nicht-ernst-Nehmen ist aber vielleicht auch eine positive Österreich-Eigenschaft. Trotz offenbar vorübergehender Verstimmung ist nämlich das Gesprächsklima zwischen Kirche und Politik weiterhin gut – wie man zuletzt an der unverkrampften Abstimmung der Bischöfe mit Landeshauptleuten und Ministern aus drei verschiedenen Parteien gesehen hat, die eine gute Lösung für die Gottesdienste im Ost-Lockdown ermöglicht hat.

Es geht uns gut; besser als vielerorts sonst.

Autor:

Michael Prüller aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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