Die Kirche im Gespräch in Hollabrunn
Pfarre und Gemeinde waren nie geschlossen

Eduard Schipfer und Alfred Babinsky sind in Hollabrunn gefordert.
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Bürgermeister Alfred Babinsky und Pfarrer Eduard Schipfer haben viel zu tun in Hollabrunn. Die Stadt ist ein belebtes Zentrum mit Schulen, Krankenhaus, Verkehrsanbindung – und sie wächst. Der SONNTAG auf Besuch im Weinviertel.

Die Fahrt nach Hollabrunn führt durch das hügelige Weinviertel. Fast hofft man, den beliebten Gendarmen Polt der gleichnamigen Krimireihe von Alfred Komarek auf seinem Fahrrad, gemütlich das Land erkundend, zu erspähen.

Ja, hier ist es idyllisch, aber Hollabrunn liegt mitten im Speckgürtel von Wien. Das sieht der Gast sofort bei der Einfahrt in die Stadt, wenn es vorbei geht am schmuck renovierten Brückenheiligen Nepomuk: Die hohen Baukräne wirken wie Fremdkörper über der Kleinstadt. „Hollabrunn wächst“, sagt Bürgermeister Alfred Babinsky beim Frühstück in seinem Büro. Er hat aktuell Anfragen von 12 Familien, die hierher ins Weinviertel ziehen wollen.

Einer, der in der Kleinstadt schon heimisch wird, ist Pfarrmoderator Eduard Schipfer. Er wird freundlich gegrüßt, als er das Rathaus betritt. Man kennt einander in der Bezirkshauptstadt mit seinen knapp 12.000 Einwohnern. Bürgermeister und Seelsorger sind jeweils das zweite Jahr in ihrem Amt: Alfred Babinsky ist Elektrotechniker und Unternehmer im Ort.

Eduard Schipfer, geboren in Graz, aufgewachsen in Wien, ist nach Pfarrstellen in Ebreichsdorf, Gänserndorf und Poysdorf jetzt in St. Ulrich im Zentrum von Hollabrunn zu Hause. Zusätzlich betreut er die Pfarren Groß und Oberfellabrunn.

Hautnah in der Nachbarschaftshilfe
Beide verbindet die intensive Sorge um die Bevölkerung während der Coronapandemie. Zu 23 Krankensalbungen wurde Schipfer gerufen: „Da habe ich Corona hautnah erlebt.“ Auch die Beerdigungen waren zu organisieren, tragischerweise gab es in der Zeit einen Suizidfall durch Corona. „Die Organisation der Bestattung ist aber in sehr guter Kooperation mit der Gemeinde“, erzählt der Pfarrmoderator von seinen Aufgaben. Die Stadt hat besonders die Nachbarschaftshilfe gefördert: „Hollabrunner helfen Hollabrunnern“, sagt Babinsky und er betont: „Pfarre und Gemeinde waren nie geschlossen! Wir waren aber schon sehr gefordert.“

Jetzt erholt sich der Ort wieder – wirtschaftlich und sozial. Die Erstkommunion wird gefeiert, viele Taufen werden nachgeholt, die Betriebe öffnen. Im Ort gibt es vor allem klein- und mittelständische Unternehmen: „Mein Sohn hatte seine drei Friseursalone drei Monate lang zugesperrt“, sagt der Bürgermeister. In der Unternehmerfamilie packt er immer noch mit an.

Wie schafft er es zeitlich, Politik und Betrieb unter einen Hut zu bringen? „Ich arbeite 80-100 Stunden in der Woche. Was die Work-Life-Balance betrifft, bin ich kein Vorbild.“

Dafür radelt der Bürgermeister mittlerweile auch auf seinem E-Bike durch den Ort und verzichtet regelmäßig auf das Auto. E-Ladestationen finden sich in der Stadt. Ausgebaut sollen auch Schnellradwege werden, dafür gebe es Förderungen vom Land.

Eduard Schipfer ist ein bekannt bekennender Fußgänger und kommt so mit den Menschen ins Gespräch. Durch den Zuzug gebe es im Vergleich zu früher eine große Vielfalt – das stört aber weder Politik noch die Kirche.

Ein tolles Team – reden, zuhören und kurze Wege

Das Reden und Zuhören ist beiden ein Anliegen. So gibt es zum regen Vereinsleben im Ort, in das der Pfarrmoderator noch hineinwachsen will, viel Bürgerbeteiligung. Schipfer führt das „Café Zeitreise“ für Angehörige von Demenzkranken fort. Bürgermeister und Pfarrmoderator wissen, welche Aufgaben sie haben und beide sind Freunde der kurzen Wege.

Konkurrenz gebe es da nicht, viel mehr meint Alfred Babinsky: „Ich denke, wir sind ein tolles Team.“ Eduard Schipfer nickt und grüßt auf seinem Heimweg dem Mitarbeiter des Standesamtes zu. Man kennt einander in Hollabrunn.

Autor:

Sophie Lauringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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