2. Corona-Welle trifft Israel
Jerusalem-Hospiz braucht Hilfe

Von der Dachterrasse des Österreichischen Hospizes hat man einen wunderschönen Blick über die Altstadt von Jerusalem. Aufgrund der Corona-Krise befindet sich die traditionelle Einrichtung in einer finanziellen Krise und benötigt dringend Spendengelder
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  • Von der Dachterrasse des Österreichischen Hospizes hat man einen wunderschönen Blick über die Altstadt von Jerusalem. Aufgrund der Corona-Krise befindet sich die traditionelle Einrichtung in einer finanziellen Krise und benötigt dringend Spendengelder
  • Foto: Thomas Stankiewicz / Lookphotos / picturedesk.com
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Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Israel auf einen Rekordwert gestiegen. Mittlerweile werden täglich so viele neue Infizierte gemeldet wie nie zuvor seit Ausbruch der Pandemie. Das hat mittlerweile auch weitreichende Folgen für das Österreichische Hospiz in Israel, das sich mit einer der größten Krisen seit Bestehen des Hauses konfrontiert sieht.

Obwohl Israel eines der ersten Länder weltweit war, das die Corona-Krise überwunden zu haben schien, schlägt das Virus jetzt mit voller Härte zurück. Die Zahl der Neuinfektionen ist auf ein Rekordniveau geklettert, es gibt wieder Ausgangsbeschränkungen, das Tragen von Schutzmasken gehört zum Alltag.

 Markus Stephan Bugnyár
Markus Stephan Bugnyár Rektor des Österreichischen Hospiz in Jerusalem

Eine Situation, die auch dem Österreichischen Hospiz in Jerusalem zusetzt, wie Rektor Markus Stephan Bugnyar im Interview mit dem SONNTAG bekräftigt: „Ich habe das Hospiz in den 16 Jahren meiner Laufbahn in sehr unterschiedlichen Zeiten erlebt. Klarerweise gehört es dabei zur Erfahrung, dass wir ab und zu weniger Gäste haben – je nachdem, ob es etwa Krieg in der Region um den Gazastreifen gibt oder eine Attentat-Serie in Jerusalem. Doch eine solche Situation, wie jetzt mit Corona, bei der wir wirklich überhaupt keine Gäste mehr haben, kenne ich nicht. In der Vergangenheit konnte man noch versuchen, die eine oder andere Gruppe doch noch zu gewinnen, einen Ortspfarrer überreden, vielleicht doch mit einer Gruppe zu kommen.

Aber wen soll ich jetzt überreden, wenn es keine Flugverbindungen gibt? Und wenn man mit Quarantäne rechnen muss, sobald man in Israel einreist? Das ist eine riesengroße Sorge für mich und meine MitarbeiterInnen, für die ich verantwortlich bin.“

  • Sie selbst sind derzeit ja in Österreich, sind aber mit Ihren Mitarbeitern laufend in Kontakt. Wie kann man sich die Situation im Heiligen Land vorstellen?

Israel erlebt Corona jetzt leider noch einmal. Das hat viele Gründe. Ich habe es selbst erlebt, dass bei vielen Menschen im arabisch-muslimischen Bereich und im ultraorthodox-jüdischen Bereich schlichtweg das Gottvertrauen höher ist als das Problembewusstsein. Deshalb ist es relativ schwierig, die Notwendigkeit der Maßnahmen den Menschen klar zu machen und zu kommunizieren. Ich glaube, man kann sich hier in Österreich, wenn ich so durch die Straßen gehe, wirklich nicht vorstellen, was es jetzt konkret in Israel heißt.

Ich war seit Anfang März bereits zweimal in Quarantäne. Ein drittes Mal möchte ich es mir, ehrlich gesagt, ganz gerne ersparen, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie sich das anfühlt. Was das bedeuten kann, so plötzlich überhaupt keine Sozialkontakte mehr zu haben und wirklich bis zum Exzess Abstandsregeln einhalten zu müssen.

  • Wie läuft eine derartige Quarantäne-Zeit ab?

Wenn man von außen nach Israel kommt, muss man sich am Flughafen gleich für die Quarantäne anmelden. Dann wird man täglich kontrolliert. Dabei kommt jemand vorbei, immer zu einer unterschiedlichen Zeit. Der steht dann unten auf der Straße im Auto und man wird aufgefordert, dass man ihm zuwinkt, von einem Fenster oder vom Balkon aus. Faktum ist – das ist effizient. Da kann man kaum geteilter Meinung sein.

Was dieses Vorgehen auf der anderen Seite mit Freiheits- und Bürgerrechten macht, ist hingegen eine andere Frage.

  • Sie bitten derzeit aktiv um Spenden ...

Ja, ich versuche derzeit mit großem Einsatz Spenden aufzustellen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir in Österreich viele Gönner haben, die immer wieder etwas für das Hospiz spenden. Doch derzeit befinden wir uns wirklich in einer Ausnahmesituation. Verschärft auch noch dadurch, dass wir nach vielen Jahren tatsächlich eine Baugenehmigung bekommen hatten, was für die Jerusalemer-Altstadt eine Besonderheit war. Diese haben wir natürlich sofort aktiviert und im vergangenen Jahr konnten wir die Casa Austria als neuen Gästehaus-Trakt eröffnen. Das ist natürlich sensationell, aber jetzt in Corona-Zeiten haben wir leider ein leeres Haus.

Ich musste mittlerweile sogar schon dazu übergehen, einzelne Mitarbeiter zu entlassen. Das tut mir extrem weh, weil es zum Teil Menschen aus sehr kinderreichen Familien sind. Ich freue mich deshalb wirklich über jeden Beitrag, den Menschen aus Österreich für das Hospiz bereit sind zu spenden.

Spendenkonto: Österreichisches Hospiz
AT95 1919 0001 0015 0127

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Autor:

Michael Ausserer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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