Die Missionsorden
Geht hinaus in alle Welt und verkündet...

Die Friedensrose Waldhausen erhielt Pater Kofi 2010 für sein besonderes Engagement.
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  • Die Friedensrose Waldhausen erhielt Pater Kofi 2010 für sein besonderes Engagement.
  • Foto: P. Tauchner
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Im Gegensatz zu den kontemplativen Gemeinschaften, die besonders auf das Gebet ausgerichtet sind, gibt es zahlreiche Missionsorden, deren Mitglieder sich dem Missionsauftrag Jesu „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! (Mk 16) verpflichtet fühlen.

Dazu zählen heute etwa die Steyler Missionare und Missionarinnen, die Salesianer Don Boscos oder die verschiedenen Franziskanerorden.

Wobei seit einigen Jahren nicht nur Afrika, Asien oder Lateinamerika zu den „Missionsgebieten“ zählen, sondern auch Europa.

Einer dieser „Europa-Missionare“ ist der Steyler Pater Kofi Kodom, der dieser Tage wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist. Er kam 1969 als Sohn einfacher Bauern in Ghana zur Welt, lernte in seiner Heimatpfarre die Steyler Missionare kennen und trat 1992 selbst in die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ ein. Nach dem Philosophie- und Theologiestudium meldete sich der junge Priester für einen Missionseinsatz in Europa.

„1990 haben die Steyler Missionare auch Europa zum Missionsgebiet erklärt. Ein völlig neuer Ansatz. Hinzu kam, dass die Zahl der Migranten in den europäischen Ländern stark gestiegen war. Es war daher der Wunsch der Ordensleitungen, Mitbrüder aus Afrika in der Arbeit mit Geflüchteten und Migranten einzusetzen.“

Diese konkrete Aufgabe reizte Pater Kodom. Als erster afrikanischer Steyler Missionar erhielt er eine Missionsbestimmung für Österreich. Die unbekannte Sprache, ungewohnte Speisen und die kalten Temperaturen versetzten ihm einen „Kulturschock“. Doch viel schlimmer waren die Fremdenfeindlichkeit und der Rassismus, die ihm entgegenschlugen.

„Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich auf dem Weg vom Missionshaus St. Gabriel zum Deutschkurs nach Wien von der Polizei kontrolliert wurde.“ Dass er als schwarzer Afrikaner in den Augen der österreichischen Polizei verdächtig war, mit Drogen zu handeln, wurde ihm erst nach und nach klar. Weil er – bewusst - in Zivil ging, wurde er nicht sofort als Priester wahrgenommen.

Initiative für Schubhaftseelsorge
Pater Kodom konnte sich gut in die Situation von geflüchteten Menschen einfühlen, als er nach zwei Jahren als Kaplan in Innsbruck seine Tätigkeit in der Flüchtlingsseelsorge begann. Zuerst begleitete er im Flüchtlingslager Traiskirchen die Neuankömmlinge und half ihnen bei der ersten Orientierung. Immer wieder passierte es, dass ihn Asylwerber, die er aus Traiskirchen kannte, aus der Schubhaft kontaktieren. Als er diese Menschen besuchte, stellte er fest, dass es in der Schubhaft zwar Gottesdienste, aber keine persönliche Seelsorge gab.

Gemeinsam mit dem Verein „Fair und sensibel“, der sich um ein gutes Miteinander von Polizei und Afrikanern bemüht, wandte er sich an die Erzdiözese Wien. Es gelang ihm, Weihbischof Franz Scharl und den damaligen Polizeipräsidenten für das Thema Schubhaftseelsorge zu gewinnen.

2008 begann Pater Kodom offiziell als Schubhaftseelsorger in den Polizeianhaltezentren Hernalser Gürtel und Roßauer Lände in Wien. Seine Sprachkenntnisse – neben Deutsch, Englisch und Französisch spricht er auch die afrikanischen Sprachen Suaheli und Twi – halfen ihm bei den Gesprächen mit den Häftlingen, die auf ihre Abschiebung warten mussten.

Er hört zu, spricht Mut zu, stellt Kontakt zu den Familien her und vermittelt Rechtsberatung. Und er betete mit den Häftlingen, auch mit jenen, die keine Christen waren – bei seinen Besuchen im Gefängnis hatte er stets die Bibel und den Koran dabei.

Eine fremde Kultur kennenlernen

Ganz ähnlich ergeht es auch Missionarinnen und Missionaren aus Europa in ihren fernen Missionsländern. Auch sie müssen erst die Sprache lernen und sich an die Mentalität der Menschen vor Ort gewöhnen. Meist gelingt das aber nach wenigen Jahren so gut, dass die Mehrzahl der Priester oder Ordensfrauen dann ihr restliches Leben „in der Mission“ verbringen und dort mit großer Begeisterung für die Menschen wirken.

Von Kolonialpolitik zur Entwicklungshilfe
Mission gab es schon in den ersten Jahrhunderten. Doch ab dem 16. Jahrhundert nahm die Missionierung der indigenen Bevölkerungen in Amerika, Asien und Afrika einen wichtigen Platz in der allgemeinen Kolonialpolitik der Seefahrernationen Spanien und Portugal ein. In Mexiko wirkten u.a. die Franziskaner, besonders bekannt wird die Mission der Jesuiten in Paraguay. Später waren Jesuiten, Augustiner-Eremiten und Dominikaner auch auf den Philippinen aktiv.

Waren zuerst durchaus auch politische Interessen im Spiel, kam im Zuge der Missionsbegeisterung des ausgehenden 19. Jahrhundert zunehmend die Entwicklungshilfe in den Fokus. 1875 entstand die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“, nach ihrem Gründungsort im niederländischen Steyl auch „Steyler Missionare“ genannt und wuchs rasch an. Schon 1879 wurden die ersten Missionare, darunter der Heilige Josef Freinademetz, nach China ausgesandt. 1889 kam es zur Gründung des Missionshauses St. Gabriel in Mödling bei Wien, das heute noch größte Missionshaus Österreichs: Ein wichtiges Gebiet der katholischen Mission wurde in dieser Zeit Afrika. Im 20. Jahrhundert folgten dann u.a. die Salesianer Don Boscos oder die Franziskanischen Schulschwestern, die sich vor allem in der Jugendarbeit engagieren oder Krankenhäuser und Sanitätsstationen bauten.
Der Brunnenbauer aus Stadlau

Einer, der trotz der Distanz eng mit seiner Heimat verbunden blieb, ist der Salesianer-Don-Bosco-Pater Johann Kiesling, der in Wien-Stadlau aufwuchs, 1982 in die Mission ging und bis heute in Kasenga bei Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo arbeitet. Dort hat er seither u.a. unzählige Brunnen, eine Schule, Lehrwerkstätten für Jugendliche, eine Krankenstation und eine Kapelle gebaut und leitet auch ein Projekt für Straßenkinder (Essen, Ausbildung und ärztliche Hilfe für 500 Kinder und Jugendliche).

Derzeit nur noch wenige im Ausland aktiv
Leider werden es immer weniger, die heute noch als „religiöse Entwicklungshelfer“ wirken. Die Salvatorianerin Sr. Benigna Leuthner arbeitet seit 1956 in Jerusalem, ihre Mitschwester Miriam Göksun in Nazareth. Der Steyler P. Bernardo Hauswirth ist seit 1975 im Missionsgebiet von Ezpeleta in Argentinien tätig. Die Steyler Missionsschwester Heline Senft arbeitet von 1969 bis zum Vorjahr in einer Missionsstation in Papua Neuguinea.

Sr. M. Theresia Tremel von den Missionsschwestern Königin der Apostel ist seit 1969 als Krankenschwester in Uganda tätig und der Steyler Pater Georg Ziselsberger arbeitet seit 1983 als Missionar auf den Philippinen.

Autor:

Wolfgang Linhart aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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