Besorgniserregende Entwicklung
Christenverfolgung nimmt stark zu

Religionsfreiheit, die Freiheit zur Ausübung einer Religion, oder zur Nichtausübung einer Religion ist ein fundamentales Menschenrecht
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  • Religionsfreiheit, die Freiheit zur Ausübung einer Religion, oder zur Nichtausübung einer Religion ist ein fundamentales Menschenrecht
  • Foto: DELIL SOULEIMAN / AFP / picturedesk.com
  • hochgeladen von Rosemarie Guttmann

Interview mit Thomas Heine-Geldern, Internationaler Geschäftsführender Präsident des Hilfswerks „Kirche in Not“. Thomas Heine-Geldern war jahrelang in Vorständen und Aufsichtsräten, vor allem der Papierindustrie tätig. Gegenüber dem SONNTAG kommt er auf Hotspots der Hilfe zu sprechen.

Ich treffe Thomas Heine-Geldern in Räumlichkeiten in der Wiener Innenstadt. Ein kleines Büro mit vielen Büchern über die Situation von Christen in der Welt.

AUDIO: aus dem Gespräch mit Thomas Heine-Geldern.

Daneben beschäftigt sich Heine-Geldern aber auch mit Weltliteratur. Denn er ist der Ururgroßneffe des Dichters Heinrich Heine. Dieser veröffentlichte 1832 den Text: „Ich rede von der Cholera“. Ein Buch, welches in der Coronazeit leidliche Aktualität erhielt.

  • Sind Sie ein Nachlassverwalter des Dichters?

Thomas Heine-Geldern: Nein, Nachlassverwalter bin ich nicht. Da gibt es gottseidank berufenere Institutionen wie das Heinrich Heine-Institut in Düsseldorf. Natürlich werde ich hin und wieder auf den Bruder meines Ururgroßvaters angesprochen.

  • Heine schrieb über die Cholera in Paris. Die Welt leidet nun unter den Auswirkungen von Corona. Welche Parallelen sehen Sie?

Ich habe einige Briefe von Zeitgenossen an Heinrich Heine im Familienarchiv. Es gibt da eine interessante Parallele zur Gegenwart. Er schrieb damals über die Cholerasituation in Paris. Was mir aufgefallen ist, war dass es eine Situation gab, wo das Leben einfach weitergeführt wurde, wie wohl die Cholera-Epidemie schon begonnen hatte. Und man aus London wusste, welche drastischen Folgen diese hatte.

Trotzdem war Paris weiter eine Swinging Stadt. Die Leute haben davon gewusst, trotzdem haben sie den Kopf in den Sand gesteckt, und wir alle können uns vergegenwärtigen, dass es ähnliche Situationen jetzt im Jahr 2020 gegeben hat.

  • Kommen wir zu „Kirche in Not“. Was ist ihre Aufgabe?

Diese fußt auf drei Pfeilern, die gleichwertig und gleichbedeutend sind: Gebet, Information und Aktion. Aktion ist der sichtbarste Teil um global zu unterstützen.

  • Information gilt es aber nicht außer Acht zu lassen?

Die ist ganz wichtig. Wir bringen alle zwei Jahre einen Bericht über das Menschenrecht auf Religionsfreiheit heraus. Dabei informieren wir über den Zustand der leidenden und verfolgten Christen weltweit. Auf über 800 Seiten wird die Religionsfreiheit in jedem Land analysiert. Es geht uns um das Menschenrecht Religionsfreiheit. Da geht es nicht nur um Unterstützung von Christen, sondern auch um Buddhisten, Hindus und Muslime, ob die in einem Land verfolgt oder diskriminiert werden.

  • Was passiert mit den Ergebnissen?

Basierend darauf können wir mit interessierten Politikern und Entscheidungsträgern über die Situation reden und die nachhaltige Forderung aufstellen, dass Religionsfreiheit, die Freiheit zur Ausübung einer Religion, oder zur Nichtausübung einer Religion ein fundamentales Menschenrecht ist, das geschützt werden muss. Dieses Menschenrecht kann nur von den staatlichen und internationalen Organisationen geschützt werden. Wir als kirchliche Stiftung können immer wieder darauf hinweisen, dass es ein absolut schützenswertes Gut ist und bleiben soll.

  • Was erkennen Sie aus dem Ergebnis des Berichts zur Religionsfreiheit?

Dass das Christentum die am meisten verfolgte Religion der Welt ist. Über 250 Millionen Christen leben in Ländern, wo es Verfolgung und Diskriminierung gibt, wo sie Bürger zweiter Klasse sind. Das aufzuzeigen, ist unsere Aufgabe. Nicht um den Graben zu vertiefen und Hass und Zwiespalt zu sehen, sondern um diesen Menschen eine Stimme zu verleihen und ihnen die Möglichkeit zu geben, auch bei Entscheidungsträgern der EU oder der UNO zu Wort zu kommen.

  • Warum sind Christen die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft?

Leider werden religiöse Minderheiten häufig unterdrückt und Christen sind in vielen Ländern eine solche. Auch die Botschaft Jesu Christi wird oft in sich „als Ärgernis“ gesehen. Wenn wir die Schrift lesen, wird uns immer wieder nahegebracht, dass wie als Christen nicht auf einem Ruhekissen leben sollen, sondern das Evangelium umzusetzen haben.

  • Ein Schwerpunktland ihrer Hilfe ist Pakistan. Warum sind die Christen dort bedroht?

In Pakistan gibt es nur zwei Prozent Christen. Das sind aber bei der hohen Bevölkerungszahl immerhin einige Millionen. Diese Christen, mehrheitlich Katholiken, aber auch viele Evangelische, stehen auf der Sozialstufe sehr weit unten und sind daher diskriminiert. Das wirkt sich auch in der derzeitigen Coronakrise aus, denn Christen sind von den normalen Hilfestellungen des Staates ausgenommen. Daher haben wir beschlossen, dass wir den Familien in Pakistan mit Existenzhilfe zur Seite stehen, damit sie überleben.

  • Wie wird ein Engagement für Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern betrachtet?

Das ist sehr verschieden. Nehmen Sie den Iran. Dort gibt es eine sehr anerkannte christliche Minderheit, die armenisch apostolische Kirche. Die darf weitgehend ihre Religion ausüben. Was sie und auch andere christliche Konfessionen nicht dürfen, ist zu missionieren. Daher ist es für uns fast unmöglich, Projekte im Iran zu machen, weil das ein Hinweis auf Missionstätigkeit oder pastorale Tätigkeit sein würde.

  • Welche regionalen Problemzonen für Christen tun sich auf?

Eine kommende ist die Sahelzone Afrikas. Diese wird zu wenig wahrgenommen. Es gibt eine Verschärfung der religiösen Situation, in Ländern wie Burkina Faso, Mali, Niger, von Nigeria gar nicht zu reden. In diesen Ländern gibt es hohe Arbeitslosigkeit, eine stark wachsende Bevölkerung und fremde islamistische Prediger, die zur Konfrontation animieren. Deren Saat fällt leider auf fruchtbaren Boden, weil die soziale und wirtschaftliche Situation in weiten Teilen dieser Länder desaströs ist. Es kommt verstärkt zu Zwischenfällen, wo Christen Kollateralgeschädigte sind, weil es um die Zerstörung der Institutionen des Staates, der Schulen und des Gesundheitswesens geht. Immer mehr kommen die dort lebenden Christen aber auch ins Fadenkreuz der Banden. Diese nützen dann mit von außen gesteuerten Hasspredigern die Situation dazu, diese für Christen unerträglich zu machen.

  • Sie sind Mitbegründer des Forums Christlicher Führungskräfte. Was ist da wichtig?

Ich habe mich neben meiner beruflichen Tätigkeit immer mit dem Themenkreis Kirche, Wirtschaft und Soziallehre auseinandergesetzt. Im Rahmen der Vereinigung Österreichischer Industrieller gab es immer einen Arbeitskreis Kirche und Wirtschaft. Da fanden wir es notwendig, das Verantwortliche in der Wirtschaft mehr vom Evangelium und der Kirche wissen und kirchliche Institutionen mehr von wirtschaftlichen Zusammenhängen.

Autor:

Stefan Hauser aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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