Was kommt nach dem Tod?
Was heißt „ewiges Leben“?

Musizierende Engel mit Orgel-Positiv, Cello und Querflöte. Barockfresken am Orgel-Chor der Wallfahrts-Basilika Klein Mariazell, Niederösterreich.
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  • Musizierende Engel mit Orgel-Positiv, Cello und Querflöte. Barockfresken am Orgel-Chor der Wallfahrts-Basilika Klein Mariazell, Niederösterreich.
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Der Wiener Dogmatik-Professor Josef Weismayer gibt im Interview mit dem SONNTAG Einblicke in die Rede vom ewigen Leben und der Hoffnung auf Auferstehung.

Es ist nicht leicht, in einer massiv diesseitsorientierten Gesellschaft wie der unseren über das Jenseits zu sprechen. Der Tod wird verdrängt. Über den Tod spricht man nicht, auch nicht über das, was nach dem Tod erhofft und erwartet wird.

Man hat den Eindruck, dass höchstens Esoteriker und Anhänger asiatischer Religionen darüber sprechen. Auch die Tatsache, dass vom Paradies oft im Zusammenhang mit muslimischen Selbstmordattentätern gesprochen wird, macht eine Auseinandersetzung mit dem Thema schwierig. Zumal die christlichen Theologen lange Zeit meinten, über das Jenseits viel zu genau Bescheid zu wissen.

Es gilt daher – jetzt vor Allerheiligen – auf biblischer Basis die Fragen nach dem „Danach“ neu zu buchstabieren und in Erinnerung zu rufen. Der langjährige Wiener Dogmatik-Professor Josef Weismayer zeigt, warum die Rede vom „ewigen Leben“ nicht fad und langweilig ist.

Freuen Sie sich auf das ewige Leben?
Weismayer: Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Als gläubiger Christ müsste ich mit Paulus antworten können: „Für mich ist Christus das Leben und das Sterben Gewinn. (…) Ich habe das Verlangen, aufzubrechen und bei Christus zu sein.“ (Phil 1,21.23).

Ewiges Leben, d. h. Leben mit dem ewigen Gott, Leben in Fülle, ist unsere Hoffnung, weil Jesus Christus uns dieses ewige Leben verheißen hat. Und das übersteigt unsere Vorstellungen und unsere Phantasie. Auch das sagt uns schon der Apostel Paulus: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ (1 Kor 2,9) Auf dieses Leben hoffe ich.

Josef Weismayer © kathbild.at/Rupprecht
Josef Weismayer:
„Heute begegnen wir der Überzeugung, dass der Tod ein absolutes Ende bedeutet.“

Was kommt nach dem Tod?
Eine Ahnung. Dass aber mit dem Tod nicht alles aus ist, finden wir in der Menschheitsgeschichte fast von Anfang an. Die Verstorbenen wurden nicht einfach verscharrt. Man war überzeugt, dass es mit den Verstorbenen in verschiedener Weise eine Kommunikation gibt. Auch verschiedene Grabbeigaben, die man oft bei Ausgrabungen findet, zeugen von einer Ahnung eines Lebens über den Tod hinaus. Heute aber begegnen wir oft der Überzeugung, dass der Tod ein absolutes Ende bedeutet. Über den Tod hinaus hätten wir nichts zu erhoffen. Lediglich die Erinnerung bleibt, das Gedenken an die Verstorbenen. Die christliche Hoffnung ist aber mehr als Erinnerung.

Wie kann man sich den Himmel emotional vorstellen? Als Erfüllung höchsten Glücks?
Für mich ist die umfassendste und zugleich intimste Beschreibung von „Himmel“ jene, die Paulus formuliert: „Wir werden immer beim Herrn sein!“ (Phil 4,17) Himmel ist eine immer neue Erfahrung, eine nie endende Gemeinschaft mit Gott, der mich liebt und der mich annimmt.

Ist der Himmel mehr als ein endloses Halleluja-Singen, gemeinsam mit musizierenden Engeln?
So sehr ich das Halleluja aus Händels Messias liebe, eine dauernde Beschallung damit wäre furchtbar. Auch ein nie endendes Mitsingen würde kein erstrebenswertes Ideal darstellen. Die biblischen Schriften sprechen vom immerwährenden Lob Gottes im Himmel, aber nicht in einem mechanischen Dauergesang.

Für das biblische Denken ist der Himmel nicht Abbruch, sondern Vollendung. Für mich ist, wie schon gesagt, die umfassendste und kürzeste Aussage von Himmel ein Satz aus dem ersten Brief des Apostel Paulus: „Wir werden immer beim Herrn sein.“ (1 Thess 4,17) Das wird mit verschiedenen Bildern deutlich gemacht: Wir lesen z. B. in der Offenbarung des Johannes vom himmlischen Jerusalem (Offb 21,1-22,5).

Himmel ist Gemeinschaft mit Gott und zugleich Gemeinschaft mit allen, die dieses Ziel erreicht haben. Wir erwarten einen „neuen Himmel und eine neue Erde“. Aber zugleich wird jeder und jede Einzelne die Gemeinschaft mit Gott in einer ganz persönlichen Weise als Erfüllung erfahren.

Wie kann man heute über „Auferstehung“ sprechen?
Im Glaubensbekenntnis bekennen wir die „Auferstehung der Toten“. Das darf man sich nicht als Einsammeln von leiblichen Überresten der Verstorbenen vorstellen, wie das manchmal in künstlerischen Darstellungen des Jüngsten Gerichts zu sehen ist.

Paulus spricht von der Auferstehung der Toten ausführlich in 1 Kor 15. „Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben?“ So wird Paulus gefragt (1 Kor 15,35). Darauf zuerst eine kurze Antwort, die nicht höflich klingt: „Du Tor!“ (1 Kor 15,36) Aber der Apostel setzt dann fort: „Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich … Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib.“(1 Kor 15,42f.44).

Auferstehung meint, dass wir als leibhafte Menschen in der Gemeinschaft mit Gott sein werden, aber in einer neuen, vom Geist Gottes durchwirkten Leibhaftigkeit.

Ist unsere Hoffnung auf Auferstehung müde geworden?
Unsere Hoffnung auf Auferstehung ist in unserem Leben wenig wirksam. Aber es geht nicht darum, immer an das Ende zu denken. Auferstehung und ewiges Leben betreffen nicht nur eine Wirklichkeit jenseits unseres Todes.

Die Worte Jesu im Johannesevangelium zeigen uns, dass Auferstehung und ewiges Leben schon mitten in unserem Leben wirklich sind. Wir hoffen, immer beim Herrn zu sein, aber je intensiver unsere Gemeinschaft mit dem Auferstandenen ist, desto mehr leben wir jetzt schon in der Auferstehung. Jesus hat den schon toten Lazarus aus dem Grab herausgerufen. Marta ist überzeugt, dass die Toten auferstehen werden bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Dem gegenüber erklärt Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Joh 11,25f)

Was heißt eigentlich „ewiges Leben“, wenn Ewigkeit kein Zeitbegriff ist?
Wir verstehen „ewig“ meist nur in einem zeitlichen Sinn, als eine Situation, eine Wirklichkeit, die keinen Anfang und kein Ende hat. Wenn man in diesem Sinn von „ewigem Leben“ spricht, dann wäre es ein Zustand, der fad und langweilig wäre. Gott ist nicht nur in dem Sinn „ewig“, dass er immer war und immer sein wird.

Gottes Ewigkeit meint Leben in Fülle, meint eine unausschöpfbare, unermessliche, unbegreifliche Wirklichkeit des Erbarmens und der Liebe. Das Leben mit dem ewigen Gott ist deshalb keineswegs „fad“, wie das etwa in dem klassischen Text von Ludwig Thoma „Der Münchner im Himmel“ zum Ausdruck kommt.

Die Ewigkeit Gottes wird für uns die Faszination des immer Neuen bedeuten: Wir werden an kein Ende kommen, bei Gott immer Neues zu entdecken, ihn immer neu zu erfahren.

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Aus der Serie: Himmel, Hölle, Fegefeuer:
So leben, dass man jede Nacht sterben könnte
und
Das Feuer des Gerichts wird prüfen

Musizierende Engel mit Orgel-Positiv, Cello und Querflöte. Barockfresken am Orgel-Chor der Wallfahrts-Basilika Klein Mariazell, Niederösterreich.
Univ.-Prof. Dr. Josef Weismayer lehrte lange Jahre Dogmatik an der Universität Wien.
Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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