Niklaus und Dorothea von Flüe
Nicht nur „Ehefrau im Schatten“

Niklaus von Flüe und Dorothea mit Kindern (1504, Rathaus Stans, Schweiz; Statue von Rolf Brem, bei der Kirche Sachseln).
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  • Niklaus von Flüe und Dorothea mit Kindern (1504, Rathaus Stans, Schweiz; Statue von Rolf Brem, bei der Kirche Sachseln).
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Faszinierend ist die Beziehung zwischen dem heiligen Niklaus von Flüe und seiner Ehefrau Dorothea. Auch als der spätere Schweizer Nationalheilige das Leben eines Einsiedlers wählte, blieben die Eheleute einander verbunden.

Diese Geschichte wäre ein Fressen für Boulevardmedien. Ein Mann verlässt seine Frau und die zehn Kinder und zieht sich, um nur noch für Gott da zu sein, in eine Einsiedelei zurück. Was heute Aufsehen erregen würde, war auch im 15. Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit. Als Einsiedler wurde Niklaus von Flüe (1417 geboren und 1487 gestorben) zu einem sehr gefragten Seelsorger und politischen Ratgeber.

Der Rückzug in die Ranftschlucht, nur wenige Minuten von seiner Familie auf dem Flüeli entfernt, war keine Weltflucht, denn immer wieder wurde er aufgesucht und angefragt. 1649 sprach Papst Innozenz X. Bruder Klaus selig. 1947 erfolgte unter Papst Pius XII. die Heiligsprechung. Papst Johannes II. nannte seine Frau Dorothea im Jahr 1984 eine „heiligmäßige Frau“.

Martin Iten, ein direkter Nachfahre des Schweizer Nationalheiligen, erläutert im SONNTAG-Gespräch die Beziehung zwischen Niklaus von Flüe und seiner Frau Dorothea.

  • Was zeichnet die Beziehung zwischen Niklaus von Flüe und Dorothea aus?

Die Beziehung muss sehr innig und vom Glauben durchdrungen gewesen sein. Niklaus war in seiner Region ein hochangesehener und für seine Rechtschaffenheit bekannter Mann. Über Dorothea ist allgemein wenig bekannt, man weiß jedoch, dass sie ihren Ehemann sehr unterstützte und auch seine durchaus besondere Berufung innerlich mittrug. Insofern wird man sicher sagen können, dass die Beziehung wischen Niklaus und Dorothea ganz besonders durch das gemeinsame Hinhören auf den Willen Gottes geprägt war.

  • Wir wissen viel von Niklaus von Flüe, was wissen wir von Dorothea?

In der Tat weiß man nur wenig von Dorothea, zum Beispiel dass sie den Ledignamen Wyss trug, aus dem Luzernischen stammte und dass sie Niklaus sehr jung heiratete. Zusammen wurden ihnen zehn gesunde Kinder geschenkt. Als Niklaus dann nach langem Ringen dem Ruf Gottes folgte und sich „entäußerte“, nähte sie ihm eigenhändig seine Eremitenkutte.

Ebenfalls ist überliefert, dass sie Niklaus bis zu seinem Tode nah war und ihm auch in seiner Sterbestunde beistand. All dies sind kleine, aber nicht unwesentliche Informationen, die klar nahelegen, dass Dorothea viel mehr als „nur“ die Ehefrau im Schatten eines großen Heiligen war.

  • Wie gestaltete Niklaus von Flüe seine Beziehung zu Dorothea?

Darüber kann man eigentlich nur Mutmaßungen anstellen. Da man jedoch weiß, dass Niklaus gerade für seine Treue in den Standespflichten und für seine Liebe zur Gerechtigkeit bekannt war, kann man davon ausgehen, dass er einen sehr aufmerksamen Ehemann und Familienvater abgab.

  • Wie gestaltete Dorothea ihre Beziehung zu Niklaus von Flüe?

Es wird überliefert, dass Dorothea auch nach seinem Weggang vom Familienalltag noch immer gelegentlich zu ihrem Klaus schaute. Freilich in einer anderen Art und Weise als vorher, doch schenkte sie ihm weiterhin ihre Liebe und Anerkennung und suchte auch seinen Rat in Fragen der Erziehung der Kinder usw. Konkretere historische Fakten liegen jedoch nicht vor.

  • Warum kann man, vereinfacht gesagt, beide nur miteinander verstehen?

Niklaus von Flüe war frommer Katholik, ihm war der Ehebund heilig. Ohne die Zustimmung und Unterstützung seiner Ehefrau hätte er diesem speziellen Ruf Gottes nicht Folge geleistet. Zudem hielten beide den Ehebund auch nach Niklaus‘ Weggang aufrecht.

  • Was verbindet beide als Ehepaar?

Sicherlich die Freude am Glauben, die gemeinsamen Kinder und die Sorge um der ihr anvertrauten Landwirtschaft und Aufgaben.

  • Waren Niklaus von Flüe und Dorothea Seelenverwandte oder eher Seelenfreunde?

Eine solche Frage ist mit 600-jähriger Entfernung und aufgrund der kleinen historischen Faktenlage zu Dorothea nicht zu beantworten. Ich könnte mir vorstellen, dass Niklaus und Dorothea aufgrund des relativ hohen Altersunterschiedes und dem wohl durchaus introvertierten Gemüt Niklaus‘ eher Seelenfreunde waren.

  • Was können wir von dieser Beziehung zwischen den beiden für heute lernen?

Treue und Demut. Beide versuchten inständig dem Willen Gottes gegenüber treu zu sein und diesen ganz
demütig anzunehmen. Auch wenn dies für sie durchaus demütigend war und vielerorts – damals wie heute – auf Unverständnis stieß.

  • Was fasziniert Sie persönlich an dieser Beziehung zwischen Niklaus von Flüe und Dorothea?

Da ich ein direkter Nachkomme – in 17. Generation – dieses bemerkenswerten Ehepaares sein darf, habe ich zu ihnen ein sehr familiäres Verhältnis. Ich bin zutiefst beeindruckt, wie sie mit ihrem Ja nicht nur zum Segen für viele wurden, sondern auch die damalige Eidgenossenschaft prägten und es bis heute tun.

Sommerserie „Seelenverwandte & Seelenfreunde“

Niklaus von Flüe und Dorothea mit Kindern (1504, Rathaus Stans, Schweiz; Statue von Rolf Brem, bei der Kirche Sachseln).
Martin Iten
Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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