Caritas-Fachtag
Auf das "Du" gut achtgeben

Ich rede gut über dich. Natürlich: Man muss auch manchmal den Finger auf Wunden legen, Kritik üben. Was heute freilich oft fehlt, ist die Hochschätzung des anderen, ein grundsätzliches Wohlwollen für ihn und seine Anliegen.
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  • Ich rede gut über dich. Natürlich: Man muss auch manchmal den Finger auf Wunden legen, Kritik üben. Was heute freilich oft fehlt, ist die Hochschätzung des anderen, ein grundsätzliches Wohlwollen für ihn und seine Anliegen.
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Beim Online-Caritas-Fachtag aller drei Vikariate am 16. April stellte Joachim Wanke, Altbischof der Diözese Erfurt, die sieben neuen Werke der Barmherzigkeit vor.

Die klassischen Werke der Barmherzigkeit (nachzulesen im Matthäusevangelium, Kapitel 25):

Joachim Wanke, Altbischof der Diözese Erfurt
Joachim Wanke
Altbischof der Diözese Erfurt

Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten wurden von Bischof Joachim Wanke im Elisabeth-Jahr 2007 zum 800. Geburtstag der Heiligen neu formuliert.

Einem Menschen sagen: Du gehörst dazu. Wanke: „Was unsere Gesellschaft oft kalt und unbarmherzig macht, ist die Tatsache, dass in ihr Menschen an den Rand gedrückt werden: die Arbeitslosen, die Ungeborenen, die psychisch Kranken, die Ausländer usw. Das Signal, Du bist kein Außenseiter oder Du gehörst zu uns, z. B. auch zu unserer Pfarre, das ist ein aktuelles Werk der Barmherzigkeit.“

Ich höre dir zu. Wanke: „Eine oft gehörte Bitte lautet: Hab doch einmal Zeit für mich; Ich bin so allein; Niemand hört mir zu. Die Hektik des modernen Lebens, die Ökonomisierung von Pflege- und Sozialleistungen zwingt zu möglichst schnellem und effektivem Handeln. Es fehlt oft gegen den Willen der Hilfeleistenden die Zeit, einem anderen einfach einmal zuzuhören.“

Ich rede gut über dich. Wanke: „Jeder hat das schon selbst erfahren: ln einem Gespräch, einer Sitzung, gibt es Leute, die zunächst einmal das Gute und Positive am anderen, an einem Sachverhalt, an einer Herausforderung sehen. Natürlich: Man muss auch manchmal den Finger auf Wunden legen, Kritik üben. Was heute freilich oft fehlt, ist die Hochschätzung des anderen, ein grundsätzliches Wohlwollen für ihn und seine Anliegen.“

Ich gehe ein Stück mit dir. Wanke: „Vielen ist mit einem guten Rat allein nicht geholfen. Es bedarf in der komplizierten Weit von heute eines Mitgehens der ersten Schritte, bis der andere Mut und Kraft hat, allein weiterzugehen. Das Signal dieses Werkes der Barmherzigkeit lautet: Du schaffst das! Komm, ich helfe dir beim Anfangen! Es geht auch um Menschen, bei denen vielleicht der Wunsch da ist, Gott zu suchen. Sie brauchen Menschen, die Rede und Antwort stehen und die ein Stück des möglichen Glaubensweges mit ihnen mitgehen.“

Ich teile mit dir. Wanke: „Es wird auch in Zukunft keine vollkommene Gerechtigkeit auf Erden geben. Es braucht Hilfe für jene, die sich selbst nicht helfen können. Das Teilen von Geld und Gaben, von Möglichkeiten und Chancen wird in einer Welt noch so perfekter Fürsorge notwendig bleiben.“

Ich besuche dich. Wanke: „Meine Erfahrung ist: Den anderen in seinem Zuhause aufsuchen ist besser, als darauf warten, dass er zu mir kommt. Der Besuch schafft Gemeinschaft. Er holt den anderen dort ab, wo er sich sicher und stark fühlt. Die Besuchskultur in unseren Pfarrgemeinden ist sehr kostbar.“

Ich bete für dich. Wanke: „Wer für andere betet, schaut auf sie mit anderen Augen. Er begegnet ihnen anders. Sag es deinem Kind, deinem Enkelkind: Ich bete für dich! Tun wir es füreinander, gerade dort, wo es Spannungen gibt, wo Beziehungen brüchig werden, wo Worte nichts mehr ausrichten.“

Ich rede gut über dich. Natürlich: Man muss auch manchmal den Finger auf Wunden legen, Kritik üben. Was heute freilich oft fehlt, ist die Hochschätzung des anderen, ein grundsätzliches Wohlwollen für ihn und seine Anliegen.
Joachim Wanke, Altbischof der Diözese Erfurt, sprach beim Caritas-Fachtag
Autor:

Stefan Kronthaler aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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